Julia schreibt ĂŒber Stil und Stadtteile im Umbruch. Sowie ĂŒber Design, Architektur und Essen mit Mehrwert. Und da sie nicht zu knapp neugierig ist, fĂŒhrt sie am liebsten Interviews.

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Panama REPORTAGE — FAZ Magazin

Doch schon 300 Meter hinter dem American Trade Hotel im Casco Viejo verläuft die Grenze zwischen Arm und Reich, die Calle 15. Dort trägt keiner einen Panama-Hut für 20 Dollar und eine helle Leinentunika wie die Touristen. Hier trägt man Basecaps und Trikots des FC Barcelona. Auf den Straßen sammelt sich der Müll, der Putz bröckelt von den Häusern. Wo einst Manuel Noriega zugange war, ist die kriminelle Aura geblieben. (...) Woanders wandelt sich Panamas Stadtbild: Immer neue Stahlträgerskelette sprießen in der ohnehin schon eindrucksvollen Skyline. Das Bankenzentrum im Steuerparadies floriert, der Handel ebenfalls. Mit jeder neuen Mall sind weniger Menschen auf den Straßen.
— aus "Abseits des Papiers" vom 9. April 2016
 
 

MODE FÜR SENIOREN — FAS

Eine Frau mit halblangen, braun gefĂ€rbten Haaren, sie mag schon ĂŒber 70 sein, passiert eine Baustelle. Baustellen sind in Berlin nichts Ungewöhnliches. Was ĂŒberrascht, ist der Look der Ă€lteren Dame. Denn sie sieht aus, als wĂ€re sie geradewegs einer Anzeige von CĂ©line entsprungen: mit dem wadenlangen, weißen Kleid, dazu schwarze Sandalen mit kleinem Absatz und ein ebenfalls schwarzer Kurzmantel, der von weitem wie ein Oversize-Blazer aussieht. Die Lederhandtasche hĂ€lt sie wie zur Clutch gefaltet im Arm. Ein derart minimalistischer, moderner Look lĂ€sst sich theoretisch nicht nur in der Werbung französischer ModehĂ€user verorten, sondern auch auf den Straßen Stockholms oder Paris – an Frauen von Mitte dreißig. Die Momentaufnahme stammt von der Berliner Fotografin und Art-Direktorin Marta Wilkosz. Auf ihrem privaten Instagram-Konto widmet sie sich seit 2013 dem Projekt #seniorstyles, quasi Street-Styles von Ă€lteren Menschen.
— aus "Mode fĂŒr Fortgeschrittene" vom 22. Juli 2018
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 "Mit der besten Freundin kann sich jedoch selbst ein Shoppingnachmittag in Stuttgart so exotisch anfĂŒhlen wie ein Besuch des Basars in Marrakesch. Mit ihr gehen wir in Stores, in denen wir noch nie waren, und sie ist es, die uns zum ersten Mal in Volants sieht. Sie legt ein Veto ein, wenn wir den Vinyltrend unbedingt mitmachen wollen. Sie ist der ultimative Videobeweis fĂŒr alle Treffer – aber auch fĂŒr alle FehlpĂ€sse."

Modekolumne fĂŒr die InStyle (Ausgabe: September 2018)

 
 

Schwarze Architektur —  FAS

Überhaupt hat sich Schwarz im Design als zeitlos-existentialistische, aber auch Ă€ußerst moderne Farbe nach all den Weißheiten zu Anfang des Jahrtausends etabliert. Wenn Weiß im vergangenen Jahrzehnt oberflĂ€chlich herĂŒberkommen konnte, dann steht Schwarz seit 2010 fĂŒr einen tiefgrĂŒndigen Look. Und einen, der fĂŒr vergleichsweise sanfte Kontraste sorgt: wie der Romanesco, der auf der Schiefertafel und nicht dem strahlend weißen Porzellan angerichtet wird. Oder aber das schwarze Haus inmitten von GrĂŒn. Da wirkt Schwarz im Gegensatz zu Weiß und allen anderen Farben fast schon zurĂŒckhaltend.
— aus "Comeback in Carbon" vom 29. Juni 2018
 Obdachlosenunterkunft in Pamplona (aus: Black. Monochrome in Architecture. Phaidon Verlag, 2017)

Obdachlosenunterkunft in Pamplona (aus: Black. Monochrome in Architecture. Phaidon Verlag, 2017)

 
 
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ZIMMERPFLANZEN IM TREND — FAS

Auch der französische Blumenversand Bergamotte versucht, deutsche Kunden fĂŒr den urbanen Dschungel zu begeistern und hatte zu diesem Zweck Pop-up-LĂ€den in Berlin und MĂŒnchen eröffnet. Die Preise sind kaum gĂŒnstiger als im Pflanzencenter: Ein meterhoher Geigenfeigenbaum fĂŒr 80 Euro, eine Monstera-Obliqua fĂŒr 10 Euro, das Töpfchen Nelken fĂŒr den Balkon kostet 2 Euro. Doch der TĂŒrsteher im Anzug, die vielen VerkĂ€ufer in dem vergleichsweise kleinen Laden und insbesondere das zeitlich befristete Pop-up-Konzept, das man sonst nur von der Mode, der Inneneinrichtung oder Restaurants kennt, befeuern den Hype und sind Indizien dafĂŒr, dass Pflanzen in der Begehrlichkeitsskala nach oben gerutscht sind. Sie befĂŒllen jetzt die BĂŒchertische mit BildbĂ€nden wie „House of Plants“ von Verlag te Neues, „Wohnen in GrĂŒn“ vom Callwey-Verlag oder „Evergreen“ vom Gestalten-Verlag, in denen sich – Achtung, Wortspiel! – schöner blĂ€ttern lĂ€sst. Außerdem werden ihnen neue LĂ€den gewidmet, die so kuratiert wirken wie Concept Stores.
— aus: "Die grĂŒne Welle" vom 15. Juli 2018
 
 
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"Ein guter Teppich gleicht einem Ausflug in die Natur: Er erdet. Jan Kaths Modelle sind darĂŒber hinaus so Ă€sthetisch wie die Kunst im MoMA und nach Jahren noch so top in Schuss wie Tina Turner. Der Berliner Showroom zeigt, was in Nepal oder Marokko gefertigt wird." 

aus ELLE City Guide Berlin von Juni 2016

 
 
 The Springs Yoga-Studio, Los Angeles (Foto: Thorsten Konrad)

The Springs Yoga-Studio, Los Angeles (Foto: Thorsten Konrad)

DOWNTOWN L.A. REPORTAGE — FAZ Quarterly

Es ist noch nicht allzu lange her, dass in den internationalen Los Angeles-Guides Hollywood und Venice Beach die angesagtesten Restaurants, Boutiquen und Bars zugeschrieben bekamen. Zur ersten Amtszeit von Barack Obama war das etwa noch so. Inzwischen ist beides nahezu komplett Kommerz. In Hollywood ĂŒberwiegen die Touristen, sogar im berĂŒchtigten Hotel Chateau Marmont, wo die Celebrity-Spottings so rar geworden sind wie intakte SanitĂ€ranlagen. Und in Venice Beach sind jetzt nicht mehr nur die Surfer und Hippies zuhause, sondern auch die großen Internetfirmen wie Snapchat. Progressiv ist das alles nicht mehr. DafĂŒr muss man schon nach Downtown gehen. Downtown? Ja, genau, der Stadtteil, vor dem sie einen in den Achtzigern und Neunzigern warnten. Weil (...) in Downtown Kriminelle und Drogendealer dominierten. Das Viertel war seitdem „No-Go-Area“, und verfiel zusehends. Seit drei Jahren jedoch erlebt Downtown den grĂ¶ĂŸten Bau-Boom seit den Zwanziger Jahren. Überall werden GebĂ€ude hochgezogen oder renoviert. Auf dem Broadway geht es geschĂ€ftig zu wie in Manhattan. Dass man sich an der WestkĂŒste und nicht in Downtown New York befindet, sagen wir in SoHo, wird nur durch das Licht deutlich. Denn das ist anders in Kalifornien. Golden, satt. Verheißungsvoll. Das letzte Attribut trifft vielleicht die aktuelle Stimmung auf den 12 Quadratkilometern zwischen Pazifik und Bergen am besten.
— aus "Auferstanden aus Ruinen" vom 16. November 2017
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"Was heute die Beauty-Apps ermöglichen, war frĂŒher voll normal. Wir banden uns die Haare zu zwei Knoten auf den Kopf wie BĂ€renöhrchen. Malten uns die Augenlider in Flieder an. Und das Gesicht war dank stark deckender Grundierung sehr glatt verputzt und sehr blass. Beim Anblick der JugendsĂŒnden kann es einen heute freilich mehr gruseln, als wenn bei Games of Thrones die weißen Wanderer auf der BildflĂ€che erscheinen."

Beauty-Kolumne fĂŒr das Zalando Editorial im Januar 2018

 
 
 JR in Berlin (Foto: Thorsten Konrad)

JR in Berlin (Foto: Thorsten Konrad)

JR PortrĂ€t — FAZ

JRs Kunst ist Interims-Kunst. Genauso wie ein Graffiti lebt sie fĂŒr den Moment, mal lĂ€nger, mal kĂŒrzer. Es besteht immer die Gefahr, dass sie ĂŒbermalt bzw. abgerissen wird oder Regen und Schnee zum Opfer fĂ€llt. Im Bestfall hinterlĂ€sst sie ein Abbild der Gegenwart. JR sagt im GesprĂ€ch: „Es liegt seit Urzeiten in unserer DNA, dass wir Spuren hinterlassen.“ Als Sprayer sind Taggen und Pieces freilich illegal. Pseudonyme sind Pflicht. JR hat sein Pseudonym behalten, wenngleich seine Skizzen, Collagen und Fotografien mittlerweile nicht nur im schicken Berliner Westen gezeigt werden, sondern auch im Pariser Palais de Tokyo, im Frieder Burda Museum in Baden-Baden oder bei der Art Basel Miami. JR ist im Kunstbetrieb etabliert, obwohl er, wie er sagt, „als Jugendlicher im Pariser Vorort gar keine Idee davon hatte, dass KĂŒnstler zu sein ein ganz normaler Jobs ist, oder dass es so etwas wie Galerien gibt.“ Jetzt aber verkauft er selbst in Galerien. Nicht oft, aber oft genug, um kĂŒnftige Projekte zu finanzieren.
— aus "Blicke ĂŒber den Zaun" vom 19. November 2017
 
 
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"Sie hat die Farbe von Pistazieneis und so viel gekostet wie eine Woche Urlaub im sizilianischen Bronte: die neue KitchenAid. Der  Hausfrauentraum in Pastell hĂ€tte auch in die KĂŒche von Carol Templeton in „Ein Pyjama fĂŒr Zwei“ gepasst. Und auch sonst sieht es in meiner KĂŒche ein wenig aus wie zu Regierungszeiten Erhards: WĂ€hrend sich Berlin-Mitte in den letzten Jahren radikal verĂ€ndert hat, scheint hier alles beim Alten." 

aus einer Kolumne fĂŒr das Nuances-Magazin von Villeroy & Boch im Sommer 2016

 
 
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INSTAGRAM-TREND — FAZ MAGAZIN

Auf Instagram kommt man nicht mehr vorbei an den MĂ€nnern und Frauen ohne Gesicht. Irgendwann begegnen sie jedem, die RĂŒckenansichten vor tĂŒrkisgrĂŒnen Bergseen, graubraunen GebirgszĂŒgen und endlos langen Highways. Die Hauptfigur schaut geradeaus in die Ferne. Vom Betrachter hat sie sich abgewandt. Posen nicht nötig. Das Duckface ist ohnehin zu dĂ€mlich. (...) Der Trend zum Eskapismus hat seinen Ausdruck gefunden. Die Landflucht hat sich zur Stadtflucht umgekehrt. Neu ist das Melancholie-Motiv nicht. Parallelen zu Caspar David Friedrich liegen in der Luft. Der Maler der deutschen Romantik portrĂ€tierte sich selbst als „Wanderer ĂŒber dem Nebelmeer“ oder zeigte eine „Frau vor der untergehenden Sonne“.
— aus "ZurĂŒck zum RĂŒcken" vom 17. Juni 2016
 
 

STEPHEN SHORE-PortrÀt IN FAZ MAGAZIN

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PRÄSENTATION WM-Trikot 2018 — FAZ

In Zeiten, in denen bei Champions-League-Heimspielen des FC Bayern neue Lichtanlagen eingesetzt werden oder Helene Fischer beim DFB-Pokalspiel in Berlin auftritt, wird deutlich, dass auch der Fußball mittlerweile dem Entertainment ausgeliefert ist. (...) Das Design ist vom Weltmeistertrikot von 1990 inspiriert. Die ikonischen Rauten des ersten Bestseller-Trikots, in dem sich Lothar MatthĂ€us, Rudi Völler und JĂŒrgen Klinsmann den dritten Stern im Stadio Olimpico in Rom sicherten, sind jetzt zwar seitenversetzt und weisen feine Linien auf. Der Streifenverlauf und drei Linien auf der Schulter sind aber die gleichen.
— aus "Das neue Trikot wird zur Nebensache" vom 7. November 2017
 
 
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"Vor allem in der neuen FrĂŒhjahrsmode werden Codes, die als spießig galten, neuinterpretiert. Faltenröcke kommen diesen Sommer nicht steif daher, sondern als lockerleichte PlissĂ©e-Variante. Die viktorianische ZĂŒchtigkeit bis zum Hals wird mit prĂ€chtigen Prints und Stickereien entspannt. Und klassische Doppelreiher sind ab sofort Rosa. Plus

: Schulterpolster werden ad absurdum gefĂŒhrt. Mit schulterfreien Kleider und Blusen, die da Haut zeigen, wo wir tagtĂ€glich RĂŒckgrat beweisen."  

Essay fĂŒr das Breuninger Magazin im MĂ€rz 2016

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 Im Badeschloss, Bad Gastein (Foto: Thorsten Konrad)

Im Badeschloss, Bad Gastein (Foto: Thorsten Konrad)

BAD GASTEIN REVIVAL — FAZ MAGAZIN

Einbruchgefahr im „Badeschloss“ in Bad Gastein: Ein falscher Schritt und schon brechen die feuchten Holzpanele ein. Bekommt aber auch keiner mit. Das 1794 fertiggestellte Haus steht seit ĂŒber zehn Jahren leer. Wo sich einst Wilhelm I. kurierte, existieren nur noch ein paar stumme Zeitzeugen. Zum Beispiel der FlĂŒgel, der mitten im Speisesaal steht. Ein aufgeschlagenes Kalenderblatt von 1993 wirkt fast inszeniert. Im Stockwerk darĂŒber befinden sich GĂ€stezimmer. In einem steht ein Fenster offen. Die Überdecken des Doppelbetts sind zurĂŒckgeschlagen, als wĂŒrde rasch gelĂŒftet werden. Die frische Luft von draußen tut gut. Überall riecht es noch Schimmel. (...) Ganz im Gegenteil zu den drei Design-Hotels am Rande des Kurorts, der sich wie ein Hufeisen ins Tal schmiegt. Eines davon ist das Regina. Hier ist vieles antik, aber nichts marode. Die Zimmermöbel sind ein verschnörkelter Sissi-Traum, die schicken Marmortische im Barbereich haben schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Daneben stapeln sich von Wallpaper bis Weekender die neuesten Lifestyle-Magazine. Der Besitzer Olaf Krohne weiß, was ein gelungenes Hotelkonzept braucht.
 
 
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Als jemand, der als Feministin bekannt ist. Wie schuldig fĂŒhlen Sie sich, wenn Sie ein Bild von einem neuen Nagellack posten? 

LENA DUNHAM: »Dass man schöne Klamotten oder Make-up mag, widerspricht in meinen Augen dem Feminismus ĂŒberhaupt nicht. Im Gegenteil! Damit feiern wir unsere UnabhĂ€ngigkeit doch.«

Interview mit Lena Dunham fĂŒr Cosmopolitan im Dezember 2014

 
 
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MODERNE ARCHITEKTUR IN Antwerpen — FAS

Keine andere Stadt strahlt architektonisch mehr Beschaulichkeit aus, obwohl sie zwischen monumentaler Gotik und Plattenbau, zwischen Leerstand und Neubauten mĂ€andert, als Antwerpen. Nur: Es regnet. Oft. Antwerpen liegt schließlich weniger als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Und so kauft man sich am besten prophylaktisch einen dieser transparenten Regenschirme, wenn man etwas von der Stadt sehen will.
— aus "Schick an der Schelde" vom 23. September 2016
 
 
 
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Sie machen Werbung fĂŒr Weight Watchers. Dabei mĂŒssen Sie sich mit NĂ€hrwerten doch bestens auskennen. TIM RAUE: Â»

Wenn ich das essen wĂŒrde, was ich koche, wĂ€re mein Übergewicht ruckzuck weg. Die Menschen wissen aber auch, dass Crack rauchen schĂ€dlich ist, und machen es trotzdem. Oder sie essen billiges Gammelfleisch, obwohl bekannt ist, wie schlecht das ist.«

 

aus einem Interview mit Tim Raue fĂŒr die FAZ im Herbst 2012

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 Karen Dudley (Foto: Thorsten Konrad)

Karen Dudley (Foto: Thorsten Konrad)

THE KITCHEN, KAPSTADT — ZEIT ONLINE

Karen Dudley, 47, in ihrem Deli The Kitchen interviewen zu wollen, ist wie mit einem ErstklĂ€ssler auf dem Spielplatz Hausaufgaben zu machen – fast unmöglich. Erst will der Lieferant die letzte Bestellung durchgehen. Dann hĂ€lt ihr eine Köchin eine kleine Portion Baba Ghanoush zum Probieren hin. Hinter ihr schnibbeln die anderen Köchinnen GemĂŒse, marinieren GeflĂŒgel, rĂŒhren Dressings an und tragen Platte fĂŒr Platte fĂŒr das nĂ€chste Catering aus der KĂŒche. Dudley lĂ€sst sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen, ganz im Gegenteil, sie behĂ€lt jederzeit den Überblick und kĂŒmmert sich nebenbei noch um ihre GĂ€ste: Kreativvolk in Flip-Flops, AnzugtrĂ€ger und junge MĂŒtter mit ihren Babys.
— aus "Aus Liebe zum Sandwich" vom 2. Juni 2015
 
 
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MODERNE ARCHITEKTUR SÜDTIROL  — FAS

Der Neubau ist ein Hybrid, so wie die ladinische Sprache der Region eine Art Neulatein ist. Und er ĂŒberzeugt wie ein guter Spinatknödel durch kunstvolle Einfachheit. Einerseits das typische Satteldach und die Holzverschalung. Andererseits der ungewohnt dunkle Anstrich und die großen Fenster ohne KlapplĂ€den. In den 200 Quadratmeter großen InnenrĂ€umen gehen Modernes und Traditionelles eine direkte Liasion ein. Alte Holztruhen und StĂŒhle aus dem Haus der Eltern stehen auf muschelfarbenen Sichtbeton. Der wirkt warm und weich, weniger wie die ĂŒbliche Schmirgelpapier-Haptik. Grund dafĂŒr ist das kalkhaltige Dolomitengestein aus einem nahen Steinbruch, das dem Beton beigemischt wurde. Der Beton ist auch ein intelligenter WĂ€rmespeicher mit einer KapazitĂ€t von rund 22 Grad Celsius. Das erst macht die großen Fenster möglich. Denn auf 1.200 Höhenmetern wird es nachts und im Winter kalt.
— aus Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. November 2015
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