Julia schreibt ├╝ber Stil, Stadtteile im Umbruch und ├╝ber Essen und Design mit Mehrwert. Und da sie nicht zu knapp neugierig ist, f├╝hrt sie am liebsten Interviews.

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Panama REPORTAGE ÔÇö FAZ Magazin

Doch schon 300 Meter hinter dem American Trade Hotel im Casco Viejo verla╠łuft die Grenze zwischen Arm und Reich, die Calle 15. Dort tra╠łgt keiner einen Panama-Hut fu╠łr 20 Dollar und eine helle Leinentunika wie die Touristen. Hier tra╠łgt man Basecaps und Trikots des FC Barcelona. Auf den Stra├čen sammelt sich der Mu╠łll, der Putz bro╠łckelt von den Ha╠łusern. Wo einst Manuel Noriega zugange war, ist die kriminelle Aura geblieben. (...) Woanders wandelt sich Panamas Stadtbild: Immer neue Stahltra╠łgerskelette sprie├čen in der ohnehin schon eindrucksvollen Skyline. Das Bankenzentrum im Steuerparadies floriert, der Handel ebenfalls. Mit jeder neuen Mall sind weniger Menschen auf den Stra├čen.
— aus "Abseits des Papiers" vom 9. April 2016
 
 
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┬╗Ein guter Teppich gleicht einem Ausflug in die Natur: Er erdet. Jan Kaths Modelle sind dar├╝ber hinaus so ├Ąsthetisch wie die Kunst im MoMA und nach Jahren noch so top in Schuss wie Tina Turner. Der Berliner Showroom zeigt, was in Nepal oder Marokko gefertigt wird.┬ź 

aus ┬╗ELLE City Guide Berlin┬źvon Juni 2016

 
 
 The Springs Yoga-Studio, Los Angeles (Foto: Thorsten Konrad)

The Springs Yoga-Studio, Los Angeles (Foto: Thorsten Konrad)

DOWNTOWN L.A. REPORTAGE ÔÇö FAZ Quarterly

Es ist noch nicht allzu lange her, dass in den internationalen Los Angeles-Guides Hollywood und Venice Beach die angesagtesten Restaurants, Boutiquen und Bars zugeschrieben bekamen. Zur ersten Amtszeit von Barack Obama war das etwa noch so. Inzwischen ist beides nahezu komplett Kommerz. In Hollywood ├╝berwiegen die Touristen, sogar im ber├╝chtigten Hotel Chateau Marmont, wo die Celebrity-Spottings so rar geworden sind wie intakte Sanit├Ąranlagen. Und in Venice Beach sind jetzt nicht mehr nur die Surfer und Hippies zuhause, sondern auch die gro├čen Internetfirmen wie Snapchat. Progressiv ist das alles nicht mehr. Daf├╝r muss man schon nach Downtown gehen. Downtown? Ja, genau, der Stadtteil, vor dem sie einen in den Achtzigern und Neunzigern warnten. Weil (...) in Downtown Kriminelle und Drogendealer dominierten. Das Viertel war seitdem ÔÇ×No-Go-AreaÔÇť, und verfiel zusehends. Seit drei Jahren jedoch erlebt Downtown den gr├Â├čten Bau-Boom seit den Zwanziger Jahren. ├ťberall werden Geb├Ąude hochgezogen oder renoviert. Auf dem Broadway geht es gesch├Ąftig zu wie in Manhattan. Dass man sich an der Westk├╝ste und nicht in Downtown New York befindet, sagen wir in SoHo, wird nur durch das Licht deutlich. Denn das ist anders in Kalifornien. Golden, satt. Verhei├čungsvoll. Das letzte Attribut trifft vielleicht die aktuelle Stimmung auf den 12 Quadratkilometern zwischen Pazifik und Bergen am besten.
— aus "Auferstanden aus Ruinen" vom 16. November 2017
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┬╗Was heute die Beauty-Apps erm├Âglichen, war fr├╝her voll normal. Wir banden uns die Haare zu zwei Knoten auf den Kopf wie B├Ąren├Âhrchen. Malten uns die Augenlider in Flieder an. Und das Gesicht war dank stark deckender Grundierung sehr glatt verputzt und sehr blass. Beim Anblick der Jugends├╝nden kann es einen heute freilich mehr gruseln, als wenn bei Games of Thrones die wei├čen Wanderer auf der Bildfl├Ąche erscheinen.┬ź 

aus der Beauty-Kolumne ┬╗Fr├╝her war mehr Flieder┬ź f├╝r das Zalando Editorial im Januar 2018

 
 
 JR in Berlin (Foto: Thorsten Konrad)

JR in Berlin (Foto: Thorsten Konrad)

JR Portr├Ąt ÔÇö FAZ

JRs Kunst ist Interims-Kunst. Genauso wie ein Graffiti lebt sie f├╝r den Moment, mal l├Ąnger, mal k├╝rzer. Es besteht immer die Gefahr, dass sie ├╝bermalt bzw. abgerissen wird oder Regen und Schnee zum Opfer f├Ąllt. Im Bestfall hinterl├Ąsst sie ein Abbild der Gegenwart. JR sagt im Gespr├Ąch: ÔÇ×Es liegt seit Urzeiten in unserer DNA, dass wir Spuren hinterlassen.ÔÇť┬áAls Sprayer sind Taggen und Pieces freilich illegal. Pseudonyme sind Pflicht. JR hat sein Pseudonym behalten, wenngleich seine Skizzen, Collagen und Fotografien mittlerweile nicht nur im schicken Berliner Westen gezeigt werden, sondern auch im Pariser Palais de Tokyo, im Frieder Burda Museum in Baden-Baden oder bei der Art Basel Miami. JR ist im Kunstbetrieb etabliert, obwohl er, wie er sagt, ÔÇ×als Jugendlicher im Pariser Vorort gar keine Idee davon hatte, dass K├╝nstler zu sein ein ganz normaler Jobs ist, oder dass es so etwas wie Galerien gibt.ÔÇť┬áJetzt aber verkauft er selbst in Galerien. Nicht oft, aber oft genug, um k├╝nftige Projekte zu finanzieren.
— aus "Blicke ├╝ber den Zaun" vom 19. November 2017
 
 
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┬╗Sie hat die Farbe von Pistazieneis und so viel gekostet wie eine Woche Urlaub im sizilianischen Bronte: die neue KitchenAid. Der  Hausfrauentraum in Pastell h├Ątte auch in die K├╝che von Carol Templeton in ÔÇ×Ein Pyjama f├╝r ZweiÔÇť gepasst. Und auch sonst sieht es in meiner K├╝che ein wenig aus wie zu Regierungszeiten Erhards: W├Ąhrend sich Berlin-Mitte in den letzten Jahren radikal ver├Ąndert hat, scheint hier alles beim Alten.┬ź 

aus einer Kolumne ├╝ber ┬╗Retro-Interieur┬ź f├╝r das Nuances-Magazin von Villeroy & Boch im Sommer 2016

 
 
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INSTAGRAM-TREND IN FAZ MAGAZIN

Auf Instagram kommt man nicht mehr vorbei an den M├Ąnnern und Frauen ohne Gesicht. Irgendwann begegnen sie jedem, die R├╝ckenansichten vor t├╝rkisgr├╝nen Bergseen, graubraunen Gebirgsz├╝gen und endlos langen Highways. Die Hauptfigur schaut geradeaus in die Ferne. Vom Betrachter hat sie sich abgewandt. Posen nicht n├Âtig. Das Duckface ist ohnehin zu d├Ąmlich. (...)┬áDer Trend zum Eskapismus hat seinen Ausdruck gefunden. Die Landflucht hat sich zur Stadtflucht umgekehrt. Neu ist das Melancholie-Motiv nicht. Parallelen zu Caspar David Friedrich liegen in der Luft. Der Maler der deutschen Romantik portr├Ątierte sich selbst als ÔÇ×Wanderer ├╝ber dem NebelmeerÔÇť oder zeigte eine ÔÇ×Frau vor der untergehenden SonneÔÇť.
— aus "Zur├╝ck zum R├╝cken" vom 17. Juni 2016
 
 

STEPHEN SHORE-Portr├Ąt IN FAZ MAGAZIN

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PR├äSENTATION WM-Trikot 2018 ÔÇö FAZ

In Zeiten, in denen bei Champions-League-Heimspielen des FC Bayern neue Lichtanlagen eingesetzt werden oder Helene Fischer beim DFB-Pokalspiel in Berlin auftritt, wird deutlich, dass auch der Fu├čball mittlerweile dem Entertainment ausgeliefert ist. (...) Das Design ist vom Weltmeistertrikot von 1990 inspiriert. Die ikonischen Rauten des ersten Bestseller-Trikots, in dem sich Lothar Matth├Ąus, Rudi V├Âller und J├╝rgen Klinsmann den dritten Stern im Stadio Olimpico in Rom sicherten, sind jetzt zwar seitenversetzt und weisen feine Linien auf. Der Streifenverlauf und drei Linien auf der Schulter sind aber die gleichen.
— aus "Das neue Trikot wird zur Nebensache" vom 7. November 2017
 
 
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┬╗Vor allem in der neuen Fr├╝hjahrsmode werden Codes, die als spie├čig galten, neuinterpretiert. Faltenr├Âcke kommen diesen Sommer nicht steif daher, sondern als lockerleichte Pliss├ęe-Variante. Die viktorianische Z├╝chtigkeit bis zum Hals wird mit pr├Ąchtigen Prints und Stickereien entspannt. Und klassische Doppelreiher sind ab sofort Rosa. Plus

: Schulterpolster werden ad absurdum gef├╝hrt. Mit schulterfreien Kleider und Blusen, die da Haut zeigen, wo wir tagt├Ąglich R├╝ckgrat beweisen.┬ź  

aus einem Essay ├╝ber die ┬╗Neue Spie├čigkeit┬ź  in der Frauenmode f├╝r das Breuninger Magazin im M├Ąrz 2016

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 Im Badeschloss, Bad Gastein (Foto: Thorsten Konrad)

Im Badeschloss, Bad Gastein (Foto: Thorsten Konrad)

BAD GASTEIN REVIVAL ÔÇö FAZ MAGAZIN

Einbruchgefahr im ÔÇ×BadeschlossÔÇť in Bad Gastein: Ein falscher Schritt und schon brechen die feuchten Holzpanele ein. Bekommt aber auch keiner mit. Das 1794 fertiggestellte Haus steht seit ├╝ber zehn Jahren leer. Wo sich einst Wilhelm I. kurierte, existieren nur noch ein paar stumme Zeitzeugen. Zum Beispiel der Fl├╝gel, der mitten im Speisesaal steht. Ein aufgeschlagenes Kalenderblatt von 1993 wirkt fast inszeniert. Im Stockwerk dar├╝ber befinden sich G├Ąstezimmer. In einem steht ein Fenster offen. Die ├ťberdecken des Doppelbetts sind zur├╝ckgeschlagen, als w├╝rde rasch gel├╝ftet werden. Die frische Luft von drau├čen tut gut. ├ťberall riecht es noch Schimmel. (...)┬áGanz im Gegenteil zu den drei Design-Hotels am Rande des Kurorts, der sich wie ein Hufeisen ins Tal schmiegt. Eines davon ist das Regina. Hier ist vieles antik, aber nichts marode. Die Zimmerm├Âbel sind ein verschn├Ârkelter Sissi-Traum, die schicken Marmortische im Barbereich haben schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Daneben stapeln sich von Wallpaper bis Weekender die neuesten Lifestyle-Magazine. Der Besitzer Olaf Krohne wei├č, was ein gelungenes Hotelkonzept braucht.
 
 
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Als jemand, der als Feministin bekannt ist. Wie schuldig f├╝hlen Sie sich, wenn Sie ein Bild von einem neuen Nagellack posten? 

LENA DUNHAM: ┬╗Dass man sch├Âne Klamotten oder Make-up mag, widerspricht in meinen Augen dem Feminismus ├╝berhaupt nicht. Im Gegenteil! Damit feiern wir unsere Unabh├Ąngigkeit doch.┬ź

Interview mit Lena Dunham f├╝r Cosmopolitan im Dezember 2014

 
 
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MODERNE ARCHITEKTUR IN Antwerpen ÔÇö FAS

Keine andere Stadt strahlt architektonisch mehr Beschaulichkeit aus, obwohl sie zwischen monumentaler Gotik und Plattenbau, zwischen Leerstand und Neubauten m├Ąandert, als Antwerpen. Nur: Es regnet. Oft. Antwerpen liegt schlie├člich weniger als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Und so kauft man sich am besten prophylaktisch einen dieser transparenten Regenschirme, wenn man etwas von der Stadt sehen will.
— aus "Schick an der Schelde" vom 23. September 2016
 
 
 
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Sie machen Werbung f├╝r Weight Watchers. Dabei m├╝ssen Sie sich mit N├Ąhrwerten doch bestens auskennen. TIM RAUE: ┬╗

Wenn ich das essen w├╝rde, was ich koche, w├Ąre mein ├ťbergewicht ruckzuck weg. Die Menschen wissen aber auch, dass Crack rauchen sch├Ądlich ist, und machen es trotzdem. Oder sie essen billiges Gammelfleisch, obwohl bekannt ist, wie schlecht das ist.┬ź

 

aus einem Interview mit Tim Raue f├╝r die FAZ im Herbst 2012

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 Karen Dudley (Foto: Thorsten Konrad)

Karen Dudley (Foto: Thorsten Konrad)

THE KITCHEN, KAPSTADT ÔÇö ZEIT ONLINE

Karen Dudley, 47, in ihrem Deli The Kitchen interviewen zu wollen, ist wie mit einem Erstkl├Ąssler auf dem Spielplatz Hausaufgaben zu machen ÔÇô fast unm├Âglich. Erst will der Lieferant die letzte Bestellung durchgehen. Dann h├Ąlt ihr eine K├Âchin eine kleine Portion Baba Ghanoush zum Probieren hin. Hinter ihr schnibbeln die anderen K├Âchinnen Gem├╝se, marinieren Gefl├╝gel, r├╝hren Dressings an und tragen Platte f├╝r Platte f├╝r das n├Ąchste Catering aus der K├╝che. Dudley l├Ąsst sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen, ganz im Gegenteil, sie beh├Ąlt jederzeit den ├ťberblick und k├╝mmert sich nebenbei noch um ihre G├Ąste: Kreativvolk in Flip-Flops, Anzugtr├Ąger und junge M├╝tter mit ihren Babys.
— aus "Aus Liebe zum Sandwich" vom 2. Juni 2015
 
 
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MODERNE ARCHITEKTUR S├ťDTIROL  ÔÇö FAS

Der Neubau ist ein Hybrid, so wie die ladinische Sprache der Region eine Art Neulatein ist. Und er ├╝berzeugt wie ein guter Spinatkn├Âdel durch kunstvolle Einfachheit. Einerseits das typische Satteldach und die Holzverschalung. Andererseits der ungewohnt dunkle Anstrich und die gro├čen Fenster ohne Klappl├Ąden. In den 200 Quadratmeter gro├čen Innenr├Ąumen gehen Modernes und Traditionelles eine direkte Liasion ein. Alte Holztruhen und St├╝hle aus dem Haus der Eltern stehen auf muschelfarbenen Sichtbeton. Der wirkt warm und weich, weniger wie die ├╝bliche Schmirgelpapier-Haptik. Grund daf├╝r ist das kalkhaltige Dolomitengestein aus einem nahen Steinbruch, das dem Beton beigemischt wurde. Der Beton ist auch ein intelligenter W├Ąrmespeicher mit einer Kapazit├Ąt von rund 22 Grad Celsius. Das erst macht die gro├čen Fenster m├Âglich. Denn auf 1.200 H├Âhenmetern wird es nachts und im Winter kalt.
— aus Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. November 2015
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