Alle Artikel mit dem Tag ‘Rezension’

Ein neues Magazin-Wunder?

7. Dezember 2010

Seit Wochen befindet sich das Heft in meiner Handtasche. Inzwischen dürfte “Fräulein”, das neue Printprodukt für Frauen, die noch Mädchen sind, und die die günstige Frauen-Zeitschrift genauso schätzen wie das 10 Euro Independent-Magazin, vielfach konsumiert worden sein (von einer Zielgruppe, die sonst wohl die BLONDE oder die MAXI liest) – wie die erwartungsfrohen Kommentare unter den Blog-Previews vermuten andeuteten. So auch meiner. Schade nur, dass es Ernüchterung ist, die meiner anfänglichen Euphorie folgt. Wirklich! Das liegt gewiss nicht daran, dass in das Magazin zu wenig Liebe gesteckt worden wäre. Nein, an ihr mangelt es “Fräulein” wahrlich nicht. Vielleicht war es aber zu viel Liebe für normativere Nuancen. Vielleicht bin ich aber auch nur zu unemotional für das verspielte Layout (was im Inhaltsverzeichnis noch so hübsch daherkommt), wenn in der kleinteiligen Rubrik “Stil” die Produkt-Bilder darunter leiden, dass eine Hermès Handtasche, die ein halbes Vermögen kostet, auf zwei Quadratzentimetern gezeigt wird. Oder ein Bottega Veneta Klappbett, von dem ich beim Lesen so wenig Ahnung habe wie von einer französischen Fleischspeise, nur als Skizze präsentiert wird. Wohingegen die Seite (28) mit den Uhren so harmonisch-stimmig ist. Überhaupt trifft die Beschreibung “fragmentarisch” auf diese erste Ausgabe wohl am Besten zu, die online besser funktioniert hätte.  weiterlesen

Feine Foundations

7. Juni 2010

Yves Saint Laurent erklärt den geschmeidigen Auftrag seines neuen Bestseller-Make ups “Teint Radiance” mit dem “perfekten Gleichgewicht aus Wasser und Silikonen”, die inzwischen im Shampoo und in Cremes so verpönt sind. Bei Oekotest fallen die hochklassigen Produkte allesamt als mangelhaft durch. Testsieger sind die Make-ups mit dem Öko Hintergrund.   weiterlesen

Russen, Rosen und Rache in Berlin

7. Mai 2010

Ich habe meine Schwärmerei viel zu lange für mich behalten, habe sie vielleicht mal auf meinen Facebook Status publiziert und nur die besten Freunde persönlich über meine neue nächtliche Vorliebe vor dem Rechner eingeweiht. Mit meiner Mutter tausche ich mich seit Tagen schon über die letzten Höhepunkte aus. Jetzt, wo Mary es aber als Erste öffentlich gemacht habe, kann ich mich nicht mehr zurückhalten: Ich stehe einfach wahnsinnig auf Dominik Grafs Serie “Im Angesicht des Verbrechens”!
Dabei meide ich sonst jede Serie gewissenhaft, weil es nur allzu selten gelingt, einen Plot wirklich spannend über mehrere Etappen zu inszenieren. Wahrscheinlich haben Graf und sein Autor Rolf Basedow die Handlung deshalb auf 10 Episoden verknappt. Die Hälfte ist bereits erzählt, kann aber auf dem hervorragenden Online-Angebot von Arte + 7 eingesehen werden.
Die Geschichte erzählt zuerst einmal von einem Ermittlerpaar, von dem ich am Sonntag abend träume – vor allem vom auf Rache sinnenden und gleichzeitig wahnsinnig vorbildhaften Marek Gorsky, den Max Riemelt da so großartig verkörpert. Sie erzählt von Mädchenhandel und Zigarettenschmuggel durch die russische Mafia, die es sich in Berlin derart nett eingerichtet hat, in den Nobelrestaurants und Clubs. Doch jene als das “Böse” zu klassifizieren, fällt in dieser Serie genauso schwer wie in “Der Pate” oder “The Sopranos”.   weiterlesen

50 Fashion Designer. 100 Jahre Mode.

3. Mai 2010

Informationen zu den 50 bekanntesten Modedesignern kompakt aufbereitet, aber ansprechend beschrieben, und dazu die relevantesten Print-Anzeigen und Runway-Bilder – das liefert der Prestel Verlag mit “50 Fashion Designer, die man kennen sollte” von Simone Werle (20€). Ein treffsicheres Nachschlagewerk über das Who is Who der großen Labels, das eine 100-jährige Modegeschichte in ihren gesellschaftshistorischen Kontext einbettet und dabei auf Details achtet.
Ein Buch für Modegeneralisten und all solche, die es werden wollen. Der Kontext offenbart jedoch neue Informationen,
z.B. dass Balenciaga niemals Anzeigen schaltete und trotzdem seinen Ruf als teuerster Modemacher aufrecht erhielt. Dass Courrèges aus Angst vor weiteren Plagiaten sein Modehaus ganze zwei Jahre schloss. Oder dass Lacroix über sich selbst sagte “Ich bin ein Recycling-Virtuose auf einem Parforceritt durch die Mode der letzten drei Jahrhunderte.” Natürlich gibt es Spezialliteratur und selbstredend benachteiligt die Limitation auf 50 Personen respektive Marken weitere wichtige Modemacher, aber dafür gibt es ja immer noch die Qualitätsmagazine und die Eigenrecherche.   weiterlesen

Mädchenmusik: Goldfrapp’s Head First

23. März 2010

Wenn ich von Goldfrapp erzähle, muss ich an einen fulminanten Auftritt bei MTV-Designerama 2005 denken, als Alison Goldfrapps Outfit die gezeigten Kollektionen mit Abstand übertraf. Nun hat sich das neueste Album “Head first” (Mute/EMI) bei mir eingeschlichen und klingt so verträumt wie das Cover im Stil eines BRAVO Girl Posters von 1993 aussieht. Das ist Musik, die wir vor dem Weggehen am Samstag abend hören und die nicht nur farblich zu unserem süßen Rosé-Sekt passt. Mit neun mehr oder weniger homogenen Songs, die uns nicht vom aufgeregten Erzählen ablenken, sondern sanft begleiten. Auch wenn wir für das alles eigentlich schon viel zu alt und seriös sind. Oder zumindest so tun, als ob. “Head first” ist eine CD, die uns mindestens 10 Jahre jünger macht.   weiterlesen