Ich will hier keine Wahlempfehlungen geben. Echt nicht. Wo kämen wir da hin. Aber wo ich schon mal bei Rot war, und nach dem wiederholten superlativen Stimmengewinn der Linken über 20 Prozent (remember 2004) – in Thüringen (27,4 Prozent), im Saarland (okay, hier haust Lafontaine: 21,3 Prozent) und in Sachsen (20,6 Prozent) – schaue ich mir die Positionen der Spalter mal genauer an. Irgendwas muss die Leute ja an dieser Partei faszinieren, die die SPD im Osten so hemmungslos ins Abseits gedrängt hat.
Laut letztem Eintrag auf der Website, ist die Linke für den Frieden, sagt “Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik werden” – die Pazifismus-Kiste, prima.
Doch haben wir dafür nicht die Grünen. Die haben immerhin schon einen Außenkanzler erkennen lassen, dass Krisendistanz nicht immer zieht (Bosnien), sondern dass es eben doch so ungerecht zugeht in der Welt, dass die Schlaueren schlichten müssen oder Schlimmeres verhindern (Kongo, Darfur, Georgien) – im Zweifelsfall mit Gegengewalt, wobei die deutschen Truppen ja meist von einem robusten Mandat weit entfernt sind (außer vielleicht im Libanon 2006 als sich Merkel durchsetzte) Okay, ich drifte ab. Aber musste ja mal gesagt werden. Zurück zum linkischen Frieden: “DIE LINKE fordert ein Ende der deutschen Beteiligung an NATO-Kriegen und den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gebietet Frieden!” Aha! “NATO-Kriege” – ja, die NATO ist bekanntlich ein Militärbündnis, das nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde, um dem expansiven Osten Einhalt zu gebieten (und vielleicht ärgert das eine Partei, deren Wurzeln aus der DDR-Einheitspartei stimmen), aber wenn nicht die NATO in die ungastlichen Gefilde wie Afghanistan oder den Irak geht – wer dann?
Natürlich gibt es dabei jede Menge Optimierungsbedarf und ich bin gewiss keine Expertin in Verteidigungspolitik – aber sofort raus aus Afghanistan? Die ISAF, die von der neuen afghanischen Regierung ja gewünscht wurde, im Stich lassen? Die gleichen Fehler von 1979 begehen (auch Obama scheut sich)? UN-Blauhelme einsetzen, wenn es für Peace-Keeping noch zu früh ist? Besser nicht. Sukzessive Truppen verringern, sobald es möglich ist – ja, bitte!
Im Schnellschritt zu Wirtschaft und Wohlfahrtsstaat: Was fordert wohl die Linke in Sachen Steuern und “soziale Gerechtigkeit”? Neo-Sozialismus? Nee! “Reichtum für alle” verspricht Gysi auf seinen Wahlplakaten. Find ich gut. Bis mich eine Ecke weiter der Aufruf “Reichtum besteuern” es kalt den Rücken hinunter laufen lässt. Sollte ich es also mit dem Abverkauf meiner Texte zur Millionärin bringen, bin ich die Kohle unfreiwillig gleich wieder los. Was den Grad meiner freiwilligen Abgabebe-reitschaft angeht, fragt mich niemand. Geht doch nicht. Ich hab genug von den Linken. Einzig mit dem Thema Mindestlohn kann ich mich anfreunden, aber das bekomme ich auch von der SPD. Denn ich bin durchaus sozial. Auch wenn ich nur selten so wähle.
Der Wahlkampf ist eröffnet. Wie es weiter geht? Der Kampf “Links gegen Links” – auf Kosten der anderen, nur die FDP scheint bestärkt. Das ging schon in der Weimarer Republik nicht gut aus.

