Alle Artikel mit dem Tag ‘Politische Kommunikation’

Loblied auf Steinmeier, grenzwertig

23. September 2009
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Kurz vor Schluss kommt’s nochmal richtig dicke: Das Steini-Mädchen, das deutsche Obama-Girl. Schon die Tag Cloud verheißt Übles: Fee mit Brüste(n) in Walter verknallt, lustig. Ich zitiere: “Und auch im Atomzeitalter, strahlst du, mein Frank Walter!” Die SPD hat ja angeblich nichts damit zu sein, und wenn ja, würde sie es kaum zugeben, ohne dunkelrot zu werden. Vielleicht steckt ja auch, wie ein findiger Kommentator meint, der CDU-Generalsekretär dahinter: “… Könnte glatt von Pofalla sein.”

Rosenthals Wahlkampf

21. September 2009

Rosenthals Wahlkampf ist 40 Jahre her. Was können wir heute noch daraus lernen? Eine Rezension

Veröffentlicht in der Zeitschrift für Politikberatung (ZPB) des VS-Verlag Ausgabe 2,
Herbst 2009, und auf www.springerlink.com

Rosenthals Wahlkampf

TV Duell ohne Duellanten

14. September 2009

Oder: wo die Ratio das Emotionale überwog. Ohne Frage war das TV-Duell gestern ein langweiliges. Steinmeier erzählte nicht nur einmal von der Einschränkung der Manage-mentgehälter und Merkel übertraf sich mit der wiederholten Sloganei “Mehr Brutto vom Netto” und “Wachstum durch Arbeit”. Die Zweieinigkeit zeigte sich zufrieden mit dem Konjunkturpaket, der vorläufigen Opelrettung und der Senkung der Arbeitslosigkeit. Wie soll es auch anders sein, gähn, wenn beide dafür verantwortlich sind und sich davor schon mit Sicherheit in den Kabinettssitzungen zerfleischten. Zoff gab es lediglich hinsichtlich des Atomausstiegs und des Mindestlohns.

Während Steinmeier dann kräftig austeilte, ein finsteres Bild von einem schwarz-gelben Bündnis zeichnete, das Steuersenkungen verpricht, die nicht zu finanzieren seien, und selbst nicht erkennen ließ, mit wem er denn zu koalieren wünsche bei mageren 23 Prozent, wirkte Merkel ein paar Mal in die Defensive gedrängt. Die Kanzlerin ließ sich das jedoch kaum anmerken. Überhaupt wirkt sie ja, als würde sie nie in Wallung geraten. Daran konnten auch die ständigen Zwischenfragen der vier Moderatoren nichts ändern, die häufiger als in den letzten Jahren und manchmal zu Recht zu intervenieren versuchten, wenn das Antwortverhalten zu wünschen übrig ließ. Ein anderes Mal griffen sie jedoch viel zu hartnäckig ein, um einen Investigatismus anzubringen, der in einer TV-Duell selten eine Chance hat. Da ist nichts zu machen, die beiden Debattanten sind schließlich durch eine harte Schule der verbalen Verschleierungstaktik gegangen.

Vier Journalisten sind sowieso drei zuviel, ein Moderator wie in den USA erreicht wesentlich mehr. Überhaupt wirkte der gestrige rhetorische Nahkampf im Vergleich zu McCain und Obama 2008, die alle Themen chronologisch abhandelten, dabei ihre eklatantesten Unterschiede durchaus wortwitzig herausstellten und sich trotzdem für ihre Verhältnisse ziemlich oft Recht gaben, mehr als eingeschlafen.

Eben ganz wie nach einer langen zermürbenden Ehe, in der beide wissen, dass man irgendwie ja doch ganz gut miteinander kann bzw. dass es ohne den anderen auch nicht geht, und wo man sich schlicht nichts mehr an den Kopf zu werfen hat. Ist ja eh schon alles gesagt worden. Seit gestern ist wieder aufgeblitzt, dass das in den nächsten vier Jahren so weitergehen kann. Einen Rosenkrieg wird es nach der Debatte gestern auf jeden Fall nicht geben. Aber das ist ja auch gut so. Es gibt wahrlich Wichtigeres zu tun.

Daisy zeigt ihr wahres Gesicht!

10. September 2009

cduddorf
Nein, Düsseldorf ist nicht Entenhausen oder die Sesamstraße. Die CDU hat sich bisher nicht als Spaßpartei einen Namen gemacht. Die rheinische Karnevalshochburg ist eindeutig Köln. Nichtsdestotrotz – die CDU-Bundestagsabgeordnete Beatrix Philipp wollte in diesem Wahlkampf neue Wege beschreiten und verband den engagierten Slogan “Nit quake… make!” (auf hochdeutsch und in der dritten Welle: Nicht reden, machen!) auf den ersten zwei Personen-Plakaten mit einem lustigen Quietscheentchen. In der ersten Welle setzte sie gar auf den Überraschungseffekt und bildete nur das gelbe Gummiding mit dem Geblubber ab, so dass ich mich auf dem Weg zum Supermarkt noch fragte, welche Partei dahintersteckt (Die Karnevalspartei für Kostümpflicht? Die Entenzüchterpartei für mehr Subventionen?) oder vielmehr: welche Agentur das verbrochen hat.

Böse Überraschung war das dann, als die Woche darauf das Parteilogo erschien, ganz böse: Es ist die christlich demokratische Union Deutschlands. Auweia. Und warum das Ganze? Die “Rheinische Post” zitiert Frau Philipp: “Ich dachte mir, wenn die Leute sechs Wochen lang immer wieder an meinem immer blasser werdenden Gesicht vorbeifahren müssen, kriegen die ja einen Rappel.” Spätestens nachdem ich diese Zeilen gelesen hatte, war ich wirklich mehr als gespannt, Beatrix in die Augen zu sehen. Heute war es endlich soweit. Beatrix lächelte mich auf der Bilker Allee schüchtern an, sie hatte sogar etwas Lippenstift aufgetragen. Und auf plötzlich verstand ich…

Allerdings bin ich ziemlich nachtragend, denn der Fauxpas mit dem Quietscheentchen und der Sprache hat mir wirklich wehgetan. So verbleibe ich in tiefer Sorge um meine Erststimme während Beatrix sich denkt: “Es hät noch immer jot gejange”.

Keine Chance den Linksabbiegern

2. September 2009

Ich will hier keine Wahlempfehlungen geben. Echt nicht. Wo kämen wir da hin. Aber wo ich schon mal bei Rot war, und nach dem wiederholten superlativen Stimmengewinn der Linken über 20 Prozent (remember 2004) – in Thüringen (27,4 Prozent), im Saarland (okay, hier haust Lafontaine: 21,3 Prozent) und in Sachsen (20,6 Prozent) – schaue ich mir die Positionen der Spalter mal genauer an. Irgendwas muss die Leute ja an dieser Partei faszinieren, die die SPD im Osten so hemmungslos ins Abseits gedrängt hat.
Laut letztem Eintrag auf der Website, ist die Linke für den Frieden, sagt “Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik werden” – die Pazifismus-Kiste, prima.

Doch haben wir dafür nicht die Grünen. Die haben immerhin schon einen Außenkanzler erkennen lassen, dass Krisendistanz nicht immer zieht (Bosnien), sondern dass es eben doch so ungerecht zugeht in der Welt, dass die Schlaueren schlichten müssen oder Schlimmeres verhindern (Kongo, Darfur, Georgien) – im Zweifelsfall mit Gegengewalt, wobei die deutschen Truppen ja meist von einem robusten Mandat weit entfernt sind (außer vielleicht im Libanon 2006 als sich Merkel durchsetzte) Okay, ich drifte ab. Aber musste ja mal gesagt werden. Zurück zum linkischen Frieden: “DIE LINKE fordert ein Ende der deutschen Beteiligung an NATO-Kriegen und den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gebietet Frieden!” Aha! “NATO-Kriege” – ja, die NATO ist bekanntlich ein Militärbündnis, das nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde, um dem expansiven Osten Einhalt zu gebieten (und vielleicht ärgert das eine Partei, deren Wurzeln aus der DDR-Einheitspartei stimmen), aber wenn nicht die NATO in die ungastlichen Gefilde wie Afghanistan oder den Irak geht – wer dann?

Natürlich gibt es dabei jede Menge Optimierungsbedarf und ich bin gewiss keine Expertin in Verteidigungspolitik – aber sofort raus aus Afghanistan? Die ISAF, die von der neuen afghanischen Regierung ja gewünscht wurde, im Stich lassen? Die gleichen Fehler von 1979 begehen (auch Obama scheut sich)? UN-Blauhelme einsetzen, wenn es für Peace-Keeping noch zu früh ist? Besser nicht. Sukzessive Truppen verringern, sobald es möglich ist – ja, bitte!

Im Schnellschritt zu Wirtschaft und Wohlfahrtsstaat: Was fordert wohl die Linke in Sachen Steuern und “soziale Gerechtigkeit”? Neo-Sozialismus? Nee! “Reichtum für alle” verspricht Gysi auf seinen Wahlplakaten. Find ich gut. Bis mich eine Ecke weiter der Aufruf “Reichtum besteuern” es kalt den Rücken hinunter laufen lässt. Sollte ich es also mit dem Abverkauf meiner Texte zur Millionärin bringen, bin ich die Kohle unfreiwillig gleich wieder los. Was den Grad meiner freiwilligen Abgabebe-reitschaft angeht, fragt mich niemand. Geht doch nicht. Ich hab genug von den Linken. Einzig mit dem Thema Mindestlohn kann ich mich anfreunden, aber das bekomme ich auch von der SPD. Denn ich bin durchaus sozial. Auch wenn ich nur selten so wähle.

Der Wahlkampf ist eröffnet. Wie es weiter geht? Der Kampf “Links gegen Links” – auf Kosten der anderen, nur die FDP scheint bestärkt. Das ging schon in der Weimarer Republik nicht gut aus.
gysi.jpgdielinke