Alle Artikel mit dem Tag ‘Online-Campaigning’

Online-Wahlkampf made in Germany, pt. 2

26. Juni 2009

“Sie werden sich wünschen, wir wären politikverdrossen”
Von Zacharias Zacharakis auf Spiegel.de. Ein Auszug:
“All das birgt keine Überraschungen. Die Hoffnung der deutschen Parteien auf eine massenhafte Mobilmachung von Wählern im Netz ist ohnehin bereits der Erkenntnis gewichen, dass man dafür auch entsprechend charismatische Figuren bräuchte. Doch ein Barack Obama ist in Deutschland bisher nicht in Sicht.
Als wäre dies nicht genug, drohen nun Netzaktivisten, die Online-Kampagnen der beiden Regierungsparteien zu bekämpfen. Sie sind wütend auf die Union und vor allem auf die SPD, weil diese den Beschluss über Internetsperren gegen Kinderpornografie durchgeboxt haben – gegen alle Widerstände aus der Community und trotz einer Netz-Petition mit weit über 130.000 Unterstützern. (…)
Doch die Stimmen im Netz klingen alles andere als versöhnlich: “Sie werden sich wünschen, dass wir politikverdrossen sind!” Dieser Satz geistert als Schlachtruf durch zahlreiche Foren. Der in der Szene bekannte Politikblogger Michael Seemann alias MSpro, schreibt: “Wir werden die SPD in einen Sturm aus Scheiße schicken. Sie hat sich nämlich selber zum Feind des Internets gekürt.”"

Interview mit Blue State Digital

5. Mai 2009

Wer lernen will, interessantes Interview mit dem Macher hinter Obamas Online-Kampagne auf der Website der WirtschaftsWoche. Hier zwei Auszüge.

wiwo.de: Herr Gensemer, was machte Obama bei seinen Internet-Aktivitäten anders als seine Konkurrenten?
Es ging bei Obama nicht um die Online-Beziehung zu Menschen. Die Online-Aktivitäten dienten als Wegbereiter für Offline-Aktionen. Wir hörten den Leuten zu. Es war kein Modell, in dem sich ein einziger an viele wendete. Es ging immer darum, zuzuhören, was die Leute sagten, und diesen Aktivismus zu verzahnen. Der Großteil unseres Online-Inhalts bestand daraus, was Leute für den Wahlkampf taten. Das wurde zu einem integralen Teil des Wahlkampfs selbst. Es ging nicht um einen Kandidat im Elfenbeinturm, der von der Unterstützung der Leute redete – die Unterstützung der Leute selbst war die Story.
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Obamas Online-Kampagne

24. April 2009

obamawebWenn www.barackobama.com das beliebteste Reiseziel der politisch interessierten Internet-User ist, dann ist MyBO der Marktplatz dessen. Auf der als Social Community ausgerichteten Partner-Website trifft man (neue) Bekannte, es wird diskutiert und geworben – innerhalb der Mitglieder, aber auch zwischen Kampagne und Mitgliedern. Denn Obama und sein Team kommunizierten zum einen mit Hilfe der Online-Plattform mit den Usern, indem diese zum Beispiel Kommentare auf Obamas Blog hinterlassen konnten. Auf der anderen Seite mobilisierte und organisierte die Internetkampagne die Unterstützer in freiwilligen Helfergruppen, die Wahlkampf in den Innenstädten oder an den Haustüren Amerikas machten – mit dem Ziel unentschiedene Wähler von Obama zu überzeugen.

Einer von ihnen ist der 37-jährige Webdesigner Mario Champion. Er verbrachte seine Wochenenden vor der Wahl damit, Barack Obama in seiner Nachbarschaft im Süden Austins in Texas – seines Zeichens „Bush-Land“ – zu promoten: „One of 10 captains in precinct 461, Champion knocked on the doors of 60 adresses ladled out from the Obama campaign‘s online precinct-captain training tool, a web application that manages volunteer canvassers and tracks their efforts. Once Champion and the other precinct captains returned from their ‘block walks’, they entered the results of their expeditions back into the database, logging which households had Obama boosters, who’s caucusing, and who’s willing to volunteer.“ Champion ist nur einer von fast einer Million Mitglieder von www.mybarackobama.com. Sie alle sind die Träger eines gigantischen Grassroot Campaignings, das …   weiterlesen

Web Campaigning – made in Germany

4. März 2009

cduspd1Dass Obamas Internetkommuni-kation ein Exportschlager werden sollte war abzusehen. Dass vielleicht nicht immer alles übertragbar ist, auch. Trotzdem versuchen es SPD und CDU mit ihren zwei neuen Internet-portalen. Auch hier soll getwittert und geflickrt werden, Facebookgruppen gegründet, Videoansprachen eingebunden, Newsletter verschickt und natürlich (Politik und Geld liegen nah beieinander) Spenden generiert werden.Ganz egal, ob der Großteil der Nutzer die zweite Lebenshälfte bereits erreicht hat – wie bei der CDU – oder nicht. Die SPD hat da schon eine etwas jüngere Zielgruppe – man duzt sich wie es die Sozis seit jeher tun. Für sie initiiert sie meineSPD.net (Vernetz Dich). War Barack Obama doch mit mybarackobama.com so erfolgreich und ist es immer noch. Kaja Wasserhövel will sich eine Scheibe davon abschneiden. Eine dicke. Abgesehen von den adaptierten Instrumenten für mehr Partizipation, setzen die Volksparteien (insofern man die SPD noch als eine solche bezeichnen kann) auf ein neues Design: Icons statt viel Text. Das mag Sinn machen und gut aussehen, wäre es bei beiden nicht noch relativ insolide. Bei der SPD noch mehr als bei der CDU mit ihrer Überdosis an Orange. Nicht ganz so schlecht fällt jedoch die Usability aus. Hier punktet meiner Meinung nach die CDU, bietet deren Website auch nicht ganz so viel Inhalt und liegt nur als Deckmantel über der alten Website. Die SPD verwirrt mit Zahlen und Kapiteln wie das neue Jahrzehnt (wie? schon wieder 2010?), und versteckt ihre Navigation mir nichts dir nichts am Kopfe der Seite. Ich sag mal: wenn schon, denn schon.