20. September 2011

Credits: Michael Kors
Soso, Südafrika: Michael Kors, der dieses Jahr sein 30. Firmenjubiläum feierte, zeigte auf der New Yorker Fashion Week letzten Mittwoch eine Kollektion, die die “easy laid back attitude” der Lembobo Lodge im Kruger Nationalpark transportieren sollte (okay, es gibt auch nicht allzu viele Orte, wo man in Afrika “superentspannt” Urlaub machen kann). Das gelang Kors auch, sehr offensichtlich sogar. Die Kollektion präsentierte – zu einem Song von Adele und in Anwesenheit von unter anderem Michael Douglas – die ganze Palette des Safaristils: z.B. grobes Leinen, animalische Prints sowie Olive-, Sienna- und Beigetöne. Das Ganze garniert mit allerlei Verschleißelementen wie schrägen Rocksäumen, Löchern im Pulli oder Batikdrucken für die ausgeblichene Optik. Unter den gezeigten Looks waren aber auch ein paar bodenlange, elegante Abendkleider und Badeanzüge – eher für die Luxuslodge gedacht als die Großstadt, die ansonsten (und das nicht ohne Grund) Kors Pflaster ist. Gut gefielen deshalb vor allem jene Teile, die eben genau dort gut funktionieren: wie die sportlichen Capes oder die lose fallende Seidenhose und das Kleid in einem goldenen Curry-Ton. Ein schwerer Fall dagegen: die Accessoires aus Krokodilleder.
16. September 2011
Gedenkfeier vor 9/11 Memorial Site: Verlesung der Namen der Opfer.
Einige von ein paar hundert Flaggen im Battery Park. Dahinter: der neue, halb errichtete Freedom Tower.
Mitleidsbekundungen aus aller Welt.
Am Times Square.
Barney’s in der New York Times vom 11. September 2011
Die letzte Woche in New York wurde vor allem von zwei Dingen bestimmt: der Modewoche und dem 10. Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001. Dazu waren extra, wie ich am Flughafen in der Immigration Line am Freitag zuvor bemerkte, nicht nur Feuerwehrmänner aus Miami angereist, sondern auch die der Freiwilligen Feuerwehr aus Wuppertal, um der verstorbenen Kollegen zu gedenken. Deshalb wunderte ich mich ein wenig, dass am Morgen des 9. September 2011, um viertel vor neun, als Obama zur Schweigeminute aufrief, der Andrang doch recht gemäßigt war – zwischen Fulton und Wall Street, rund um die Memorial Site. Dort standen nämlich maßgeblich Christen und Verschwörungstheoretiker. Vielleicht lag es daran, dass die Sicherheits- und Passkontrolle-Schlange länger aussah, als die Prüfung dauerte. Doch nur, wer sich der – verständlicherweise – unterzog, konnte zur Absperrung an der neuen Memorial Site gelangen, die an diesem Tage zu Recht den Angehörigen und der Politikprominenz (Ms. und Mrs. Obama, George W. Bush, Hillary, Bloomberg) vorbehalten war. Nach der Schweigeminute wurden hier von Familie und Freunden die Namen der knapp 3.000 Opfer verlesen, was auf großen Bildschirmen mitverfolgt werden konnte – ein bedrückender Moment, der auch aus der Distanz extrem nahe gehen sollte. Am Abend dann die Feuerwehrleute: zumindest kleine Gruppen, die unter anderem am Times Square stillschweigend aufmarschierten, der geziert war weniger von Leuchtwerbung als dem leuchtenden Stars Sprangled Banner. Im Schauenzelt am Lincoln Center 80 Blocks nördlich hing übrigens auch eine vom Dachgerüst. Allerdings schaut man hier vor allem auf den Boden: auf das extravagante Schuhwerk der Besucherinnen. Doch dazu später mehr und an anderer Stelle.
18. März 2011
“He seeks out and captures humanity amid the maelstrom of life, looking for what Harold Koda, chief curator at the Costume Institute at the Metropolitan Museum of Art, describes in the film as “ordinary people going about their lives, dressed in fascinating ways.” In these fleeting and otherwise unseen or unremarked moments, Mr. Cunningham finds something creative, life-affirming and free, and preserves it forever. (…) – an intimate portrait that feels more found or captured than it does constructed.”
(Bill Cunningham macht das, was heute seine Enkel Schuman oder Rodic im Netz machen, seit Jahrzehnten für Print. Aus der Rezension von Carina Chocano für die New York Times)
22. Oktober 2010


Die Dokumentationen von “New York Minute – aNYthing can happen” sind die neue Lesart von Great American Short Stories. Die zehnminütigen Kurzfilme von Mathieu Rochet und Nicolas Venancio führen den Betrachter durch New Yorks Boroughs, denen in all ihrer Differenz doch eins gemein ist: das Liberale, das sich genauso befreiend wie fatalistisch gerieren kann. Sie begleiten die Personen, die davon wahrhaftiger berichten können als jeder andere (z.B. der Tourist, Ex-Praktikant oder Auslandsstudent, der meint, die Stadt authentisch kennengelernt zu haben. Die Erfahrung sagt: Alles nonsense!). In der ersten Folge, rund zehn Minuten lang, sind das ein älterer Herr – Mr. Mayor – am Times Square, der tagtäglich die Passanten beobachtet und konstatiert: “Alles, was du in New York siehst, kannst du nirgendwo sonst außer hier sehen. Sag mir, was du sehen willst, und ich bringe dich hin. Alles ist da, glaube mir. Das ist der Ort, um den sich die Welt dreht, ja hier.” Auf der anderen Seite, der elternlose Rapper, der genau hier am Times Square seine Alben verkauft, wo erst kürzlich ein Kollege von der Polizei erschossen wurde, und seine Abende mit Verbündeten in der Bronx verbringt. Wenn er sagt: “Jeder muss sehen, wie er zurecht kommt”, dann hat das keinen Anklang von Zynismus, sondern antrainiertes Realitätsbewusstsein aufgrund mangelnder Protektion. Rough. Rigid. And Raw.
Von 27. Oktober bis 24. November auf Arte.tv