Alle Artikel mit dem Tag ‘Nachhaltigkeit’

Kein Koyote und auch kein Kaninchen.

19. Dezember 2011

Die letzten beiden Januar-Monate in Berlin waren entweder eisig oder verschneit. Das Thermometer sank zuweilen auf -19 Grad. Und das tagelang. Ein eleganter Wollmantel taugt da freilich nichts; solche Sperenzchen kann man sich vielleicht zur Fashion Week erlauben; nach 3 Gläsern Champagner intus. Ebenso hält mein oller H&M-Parka in Olivgrün, der sich seit dem 2. Semester – und das ist lange her – in meinem Kleiderschrank befindet, wenig warm in solchen Tagen. Da muss was Ordentliches her, dachte ich mir also jüngst. Mit 30 kann man sich auch mal eine gute Jacke leisten (es ist ja nicht so, dass ich mir nicht erst mit selber Begründung wahnsinnig teure Schuhe gekauft hätte, und als ob die Snowboard-Jacken früher ein Schnäppchen gewesen wären). Also begab ich mich auf die Suche nach der Winterjacke, die stadttauglich ist, aber auch bei Touren in der Natur funktioniert. Eine kurze, gesteppte Variante schloss ich aus, ist zwar rap-ig, aber sieht zu sehr danach aus, als hätte ich mir eine Luftmatratze umgebunden. Blieb, mal wieder, nur der Parka. Und der hat ja bekanntlich ein Fell-umrandete Kapuze. Und die ist leider fast immer, ich habe wirklich viel gesichtet, echt. Ist natürlich Preispolitik. So verwenden viele Labels wie Woolrich, Moncler, Peuterey u.a. Koyotenfell am Kragen, die Herkunft nicht immer geklärt. Andere legen Marderhundfell oder Kaninchenfell an. Es stand als inakzeptabel fest, dass einem Tier das Fell über die Ohren gezogen wird, damit ich mir das umlegen kann. Die Zeiten sind jawohl vorbei! Doch habe ich gerade noch, auf dem Weg zum Lunch in Mitte-Mitte, mindestens 24 Drittel-Koyoten auf Halshöhe gezählt. Ebenso ausgeschlossen ist die Lebendrupfung von Gänsen für die beliebten Daunen. Doch ein Blick auf die Websites der Hersteller verrät nicht immer viel über die Herkunft des tierischen Materials. So war die Suche nach der vertretbaren Winterjacke keine Leichte (Anmerkung: auch einige der aufgeführten Preise waren alles andere als gerechtfertigt). Es vergingen Stunden an Online-Recherche und Kopfschütteln, bis mich meine schwedische Freundin auf das Label Fjällräven brachte. Und siehe da, die Funktionalität wird ausgiebig beschrieben, es gibt keine echten Pelz am Kragen. Dafür Daunen, die nicht aus Lebendrupfung stammen. Grund genug, mal das Unternehmen zu befragen.*

Interview mit Thomas Gröger, Vertriebsleiter Fjällräven Deutschland, zu den Tier- und Umweltschutzbemühungen von Fjällräven.

Viele Winterjacken haben echtes Fell am Kragen. Fjällräven nicht. Warum?

Wir sind eine Outdoor-Marke und wir stellen Bekleidung für Leute her, die gerne draußen in der Natur unterwegs sind. Dazu zählen wir uns im Übrigen auch selbst. Und genau deshalb sehen wir uns in einer Verantwortung gegenüber unserem „Spielplatz“. Es ist für uns einfach nicht denkbar, einem Tier das Fell über die Ohren zu ziehen. Der Kunstpelz aus Acryl funktioniert nicht ganz so gut wie ein natürlicher Pelz (er vereist leichter), aber nicht so viel schlechter, dass es den Tod eines Tieres rechtfertigen würde.

Um Daunen zu gewinnen, werden Gänse oft lebend gerupft. Woher bezieht Fjällräven seine Daunen?
Von Lebendrupf distanzieren wir uns ganz klar und ausdrücklich. Daune aus Lebendrupf zu verwenden widerspricht klar unserem Grundsatz, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen. Fjällräven verarbeitet daher ausschließlich Daune von totgerupften Tieren, die zu Nahrungszwecken geschlachtet wurden. Um das zu kontrollieren, unternehmen wir massive Anstrengungen und arbeiten mit nur einem einzigen Daunenlieferanten zusammen. Unser Lieferant wiederum bezieht die Daune ausschließlich von vertraglich gebundenen Farmen und Schlachtbetrieben.

Unternimmt Fjällräven ansonsten weitere Tierschutzbemühungen?
Ja, ganz allgemein, weil das unserer Grundhaltung entspricht und im Falle des Polarfuchses ganz speziell, weil er sozusagen unser „Wappentier“ darstellt. Dafür rief Fjällräven Anfang der 90er Jahre gemeinsam mit der Universität Stockholm das Projekt „Save the Arctic Fox“ ins Leben. Unsere finanzielle Unterstützung soll den Fortbestand dieser bedrohten Tierart sichern und jeder, der einen Kånken-Rucksack aus der „Save the Arctic Fox“-Edition kauft, trägt ebenfalls dazu bei.

Und wie ist das mit dem Umweltschutz? Die Jacken sind teilweise mit Polyester gefüttert, das aus Erdöl hergestellt wird.

Umweltschutz liegt uns, genau wie Tierschutz, sehr am Herzen. Darum gehen wir das Thema so an, dass wir möglichst langlebige Produkte herstellen: Müllvermeidung heißt das Schlüsselwort in Sachen Umweltschutz. Danach erst folgen Verringerung und schließlich das Recycling. Wir arbeiten zum Beispiel bei einigen Jacken und Rucksäcken mit EcoCircle Polyester (= bereits recyceltes PES, das erneut wieder recycelt werden kann). Wir setzen auch Organic Cotton ein (zertifiziert nach GOTS). Wichtiger ist aber ein ganzheitlicher Ansatz: Wir haben damit begonnen für unser ganzes Unternehmen einen Eco Audit durchzuführen. Dieser bezieht sich nicht auf das einzelne Produkt, sondern auf das große Ganze. Bei diesen sorgen wir bereits für eine vollständige Klimakompensation der CO2-Emissionen.

Viele kaufen sich jedes Jahr eine neue Winterjacke. Welche Produkte bzw. Designs setzt Fjällräven dem Trend zur Vergänglichkeit entgegen?

Dem treten wir mit drei Eigenschaften unserer Produkte entgegen: Langlebigkeit, Langlebigkeit, Langlebigkeit. Wir setzen auf Kontinuität, auf Unaufgeregtheit und auf die Gewissheit, dass unsere Produkte einfach robust sind. Eine Fjällräven-Jacke muss nicht nach einem Winter erneuert werden – auch nicht nach zwei oder drei – und der Fjällräven-Kunde will sie auch gar nicht erneuern. Viele unserer Produkte bekommen mit dem Gebrauch eine gewisse Patina und gewinnen dabei an Charakter – ohne dabei an Funktion zu verlieren. Die Modewelt beschreibt das als „Used Look“. Wir nennen das „Qualität“.

* Eine Jacke wurde außerdem bestellt. Der Freund fragte beim ersten Anprobieren zuhause zwar, auf welche Polarexpedition ich nun wolle. Und ja, die Ärmel sind ein bißchen weit, auch in S, was den Parka etwas grob wirken lässt. Die Geschlechterfrage bleibt offen. Soll jetzt aber auch egal sein. Warm soll es sein.

Sweatshirt aus dem Sweatshop

10. August 2010

KIK hat die billigsten Klamotten im ganzen Land – so schreit das Preismännchen mit der Quietschstimme neben der Frau mit der ebenso nervtötenden Tonlage aus der Fernsehwerbung. Ein komplettes Outfit für 30 Euro – inkl. Stoff, Schnitt, Import und Verkauf – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wäre nicht die Faser synthetisch und würden die massenproduzierenden Verhältnisse nicht an moderne Knechtschaft erinnern. Der Preis der Unfreiheit: Ein Aberwitz, um das Lohndumping zu bestehen. Der NDR hat diesen Prozess in seinen Einzelbestandteilen untersucht und ein vernichtendes Zeugnis hinterlassen – in: “Die Kik-Story – die miesen Methoden des Textildiscounters”. Ein Zeugnis, gegen das die Kleidungskette klagte und in den meisten Punkten verlor. Denn KIK lastet sicherlich zu Recht die Büßerrolle an. Würde ja sowieso keiner von uns tragen, das bemüht modische Zeugs. Außer als Karnevalskostüm oder zur Mottoparty. Im Gegensatz zum Trendgaranten Topshop oder den schönen Schweden.   weiterlesen

Feine Foundations

7. Juni 2010

Yves Saint Laurent erklärt den geschmeidigen Auftrag seines neuen Bestseller-Make ups “Teint Radiance” mit dem “perfekten Gleichgewicht aus Wasser und Silikonen”, die inzwischen im Shampoo und in Cremes so verpönt sind. Bei Oekotest fallen die hochklassigen Produkte allesamt als mangelhaft durch. Testsieger sind die Make-ups mit dem Öko Hintergrund.   weiterlesen

Mehr Fleisch als recht

3. Juni 2010

Es ist mal wieder soweit, dass die sich vegetarisch ernährende Bloggerin die Moralkeule schwingt, weil sie – schon wieder – in der ZEIT bzw. deren Beilage “Mahlzeit”- einen ganz hervorragend recherchierten und aufbereiteten Artikel zum Fleischkonsum gefunden hat. Ja ja, ich höre sie gewiss schon aufheulen, die Wölfe in meinem Freundeskreis und Leserzirkel, die als Auftakt zu einem grandios sonnigen Wochenende bereits über das nächste Grillgut philosophieren. Darf ich euch trotzdem diesen Auszug aus folgendem Artikel ans Herz legen, ja?  weiterlesen

Fleischeslust und Fleischesfrust

12. April 2010

Welches Schicksal sich unter der Schutzfolie der Wurstverpackung verbirgt, unter welchen Bedingungen ein Tier gehalten, transportiert oder geschlachtet worden ist, erkennt der Kunde nicht. Er sieht vor allem auf den Preis. (…) Die Mastzeit eines Hähnchens beträgt sechs bis acht Wochen, die eines Kalbs drei Monate. Ein Schwein ist oft gerade mal ein halbes Jahr alt, wenn es zur Schlachtbank geführt wird. Zucht, Mast, Schlachtung – sie sind im industriellen Maßstab organisiert und konzentriert. Und zwar weltweit.

Auszug aus der aktuellen ZEIT: Respekt. Affenversuche und Massentierhaltung.