Alle Artikel mit dem Tag ‘Modegeschichte’

Verpackt ist, was man sehen soll.

10. Mai 2010

Virile Version von Lagerfelds lustigem Landadel oder letzter Ausläufer des Neunziger Jahre-Revivals? Ralph Lauren und Jean Paul Gaultier haben also die Jeanslatzhosen wieder laufstegfähig gemacht. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern trugen die deutschen Post-Suffragaten die blaue Kompaktklamotte symbolhaft für die Gleichberechtigung. Die sollte Mann auch sehen. In diesem Sinne wurden die femininen Formen von Petticoat, Minirock und Blümchenkleid zugunsten des Schutzschildes aus Denim im Kampf der Geschlechter abgelegt, zum Beispiel in dem der Lila Latzhose. Auch wenn die Genderdebatten im Jahre 2010 längst nicht abreißen, sollte die Latzhose jedoch alles bleiben: nur kein Kontinuum, dass an verlängerte Pinkelpausen im Kindergarten erinnert. Es sei denn, es handelt sich um die junge Kate Moss.

Raffinierte Maschen der DDR

5. Mai 2010

Credits: “DDR Mode” auf einestages

Wieder einmal entpuppt sich einestages als wahre Fundgrube für kurios anmutende Modegeschichten aus der Vergangenheit. Dieses Mal: “Schrilles aus der Grauzone”, inspiriert von einem neuen Bildband. Denn es war gar nicht alles so trist im Arbeiter- und Bauernstaat der 60er. Zumindest kompensierte man die Exotik jenseits der Grenze mit kessen Blumenkleidern und knappen Bikinis. Solange die in den VEBs produ-zierten Waren vorrätig waren. Wenn nicht, dann schmiss die Genossin einfach selbst die Nähmaschine an.  weiterlesen

50 Fashion Designer. 100 Jahre Mode.

3. Mai 2010

Informationen zu den 50 bekanntesten Modedesignern kompakt aufbereitet, aber ansprechend beschrieben, und dazu die relevantesten Print-Anzeigen und Runway-Bilder – das liefert der Prestel Verlag mit “50 Fashion Designer, die man kennen sollte” von Simone Werle (20€). Ein treffsicheres Nachschlagewerk über das Who is Who der großen Labels, das eine 100-jährige Modegeschichte in ihren gesellschaftshistorischen Kontext einbettet und dabei auf Details achtet.
Ein Buch für Modegeneralisten und all solche, die es werden wollen. Der Kontext offenbart jedoch neue Informationen,
z.B. dass Balenciaga niemals Anzeigen schaltete und trotzdem seinen Ruf als teuerster Modemacher aufrecht erhielt. Dass Courrèges aus Angst vor weiteren Plagiaten sein Modehaus ganze zwei Jahre schloss. Oder dass Lacroix über sich selbst sagte “Ich bin ein Recycling-Virtuose auf einem Parforceritt durch die Mode der letzten drei Jahrhunderte.” Natürlich gibt es Spezialliteratur und selbstredend benachteiligt die Limitation auf 50 Personen respektive Marken weitere wichtige Modemacher, aber dafür gibt es ja immer noch die Qualitätsmagazine und die Eigenrecherche.   weiterlesen

Über die Inflation von Ballerinas

25. April 2010

Ich habe heute mal wieder Ballerinas getragen. Schließlich zeigte das Thermometer stolze 20 Grad an, weswegen weder Cowboyboots noch Flip Flop als geeignete Fußbekleidung in Frage kamen – eher irgendwas dazwischen. Und für Pumps war ich an einem Casual Sunday auf dem Fahrrad wahrlich nicht bereit. Doch anstatt das ungewohnte Lüftchen auf den Füßen wohlig aufzunehmen, machte sich ein Gefühl von Unwohlsein in mir breit, fußhochwärts.

Ich habe die letzten Sommer viel zu lange dieses Schuhwerk genossen. Und nun bin ich dem Ganzen überdrüssig. So wie ich irgendwann keine Smacks mehr sehen konnte, nachdem ich mich ein Jahr davon dauerernährt habe.

Vor fünf Jahren, es war Karneval, habe ich mir zum ersten Mal Ballerinas gekauft. Aus Lack und mit Schleifchen. Typisch Maus eben. Das war mein Kostüm. Danach kamen die Mattschwarzen ohne Schleifchen. Und die letzten zwei Jahre waren es Mattschwarze mit Nieten. Ziemlich coole Entwicklung. Doch die hat nun ein Ende.

Nicht nur, dass Ballerinas inzwischen alle Frauenfüße weltweit beherbergen, und das meist zum Ärger der Männer. Nein, die Schläppchen machen einfach auch einen schlechten Gang – so ohne Fußbett und ohne Sohle (Es grüßt der Kieselstein). Viel schlimmer: Die Frauenwelt watschelt durch die schönsten Straßen der Stadt.
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Der Wahnsinn: Mode-Anzeigen der 70er

30. März 2010



Credits: einestages

einestages gehört für mich als ewige Nostalgikerin und Ex-Geschichtsstudentin zur täglichen Online-Lektüre. Als Werbetreibende, die ich nun mal auch bin, freue ich mich immer über alte Anzeigen, vornehmlich zu Mode und Pflege, und deshalb erheitert mich die Strecke zur “Modereklame der Siebziger” (entnommen des Taschen-Titels “20th Century Fashion” – ein schönes Buch) ganz besonders. Denn damals durfte Mode noch so richtig schön auf die Schippe genommen werden – von albern bis frivol.   weiterlesen