
Thomas Gottschalk, der modisch auffälligste deutsche Moderator, widmete im März 1982 der Mode eine ganze Folge von “Na sowas” (nach Gottschalks Weggang zu “Wetten dass?!…” fortgeführt als “Na siehste!” von Günther Jauch). Kein anderer als “Kraftwerk” macht den Opener mit “Das Model”. Ab Minute 4:03 wird es jedoch schon interessanter, wenn der junge Gottschalk im braunen Poncho von “Stone Island” (Winnetou wäre neidisch gewesen) das Studio betritt und über den Erfolg von deutscher Mode im Ausland parliert. Wer bietet sich da als Gesprächspartner an? Freilich: Wolfgang Joop (“Und er kommt extra aus New York zu uns!!!”) Dem Stil von Robert Robert in “Die drei Tage des Condor” (spielt in New York) scheint der sich optisch ein wenig angepasst zu haben: mit dem allover-Braun und Goldbeige, letzeres auch auf dem Haupte. Und spätestens dann erfährt der modebewusste Mensch auch, woher Lagerfeld seinen Kalauer “Heidi Klum? Kenne ich nicht!” hat. Denn Joop auf die Behauptung (nicht: Frage) des Moderators, dass junge Kollegen meinen, dass sich gerade bei der deutschen Mode etwas tue: “Die anderen kenne ich ja alle nicht!” Nicht ohne dieser Volte ein breites Grinsen hinterher zu schießen. (Überhaupt zeigt er sich im Laufe des Gespräch als ziemlich desinteressiert, an allem.)
Es betritt ein Modell mit einem aktuellen Joop-Entwurf in Braun (der Poncho -korrekt: Cape- Look setzt sich auch durch) die Bühne. Gottschalk: “Das könnte man jetzt so auch in Büros und Kantinen sehen…” Dass das aber nicht immer sein muss, zeigt kurz darauf eine Modenschau mit (ja, damals bereits, vor Brigitte) “ganz normalen Frauen” in Designer-Entwürfen z.B. von Manfred Schneider oder Chapeau Claque. Anschaulicher geht Modegeschichte wirklich nicht! PS: Eine andere “schöne” Folge von “Na sowas” ist die mit dem immerlaunischen Klaus Kinski.
Na sowas!
14. Juni 2011Dauerrenner: YSL auf der Treppe
23. Oktober 2010
Credits: Life.com und YSL.com
Es hat ganz den Anschein, als habe das Hause Yves Saint Laurent ein Faible für Modeaufnahmen in imposanten Treppenhäusern. Woran es wohl liegen mag?
Fußball & Fashion pt.II
24. Juni 2010Fussball und Mode scheint nicht nur seit SEPP eine wenig beachtete Verbindung zu offenbaren. Doch mit dem dem kühlen Strenesse-Look, den die Nationalelf seit vier Jahren werbewirksam zur Schau stellt, hat dieser Clip so viel gemeinsam wie Delling und Netzer vor der Kamera. Hier präsentieren motivierte Modelle neue Farbansätze für die Bundesliga-Trikots mit einem Tänzchen zu südamerikanischen Klängen – von wegen Testosteronstrotzende Fußballer! Auch Günther Netzer postuliert im schwarzen Einheitslook, “dass mehr Farbe in die Stadien hereinsollte.” Ergo: Mit Poldis neongelben Schuhen ist es auch auf internationaler Ebene längst nicht getan.
Nachtrag zur Military Mode 2010
30. Mai 2010

Credits: Jean Paul Gaultier und Balmain Spring/Summer 2010 on Style.com
Erst Aufmarsch auf den Laufstegen bei Gaultier, Balmain und einigen anderen. Dann, ein halbes Jahr später, Kampfesgelüster in Glamour, InStyle und Gala sowie online: Der Military Style ist mal wieder da. Die Publikationen rühmen unisolo die unglaublichen Variationsmöglichkeiten (Stichwort “Stilbruch”) einer derben Gestaltungsbasis mit Verniedlichendem wie Blümchenkleid.
Von Entrüstung wie in den Siebzigern – als Vivienne Westwood und Malcolm McLaren zum ersten Mal der Provokation durch den Punk ein gebührend militantes Aussehen verliehen (gegenüber den friedliebenden Hippies auf der anderen Seite des Atlantik) – keine Spur. Stattdessen gehören Parka und derbe Schnürschuhe neuerdings zum Samstagsausgeh-Outfit der angehenden Unternehmensberaterin. Auch das Camouflagemuster wurde schon in den Neunzigern von rauen Rappern, die heute Armani tragen, wenig verborgen getragen.
Warum also die Rückkehr zu einem Modestil, der sich weniger mit den letzten verbleibenden, den ewigen Kriegsschauplätzen dieser Welt, beschäftigt als vor allem mit sich selbst? Denn damals, beim Aufkeimen, gab es immerhin noch Chile und Vietnam. Drei Erklärungsansätze: weiterlesen
Stilvorlage: Cruise Collections
26. Mai 2010

Credits: Oben/unten links: Christa Peters “NINO Werbearchiv” 1964, Oben rechts: Louis Vuitton Cruise Collection 2010. Unten links: Gucci Cruise Collection 2010.
Während ein Segelboot oder gar eine Motoryacht nicht jeder sein Eigen nennen kann, ist der maritime Look längst in die Massen eingetaucht und schmückt seit Jahrzehnten frische Editorials im Frühsommer. In gehobenen Kreisen, also all jenen die sich nicht das Ringelshirt bei Petit Bateau für 50 Euro kaufen, sondern für den Trip auf die Antillen die Luxusvarianten von Gucci, Chanel und Louis Vuitton in ihre Canvas Taschen stecken, rangiert derartige Urlaubsgarderobe als “Cruise Collection” – von “Cruise” wie Kreuzfahrt. weiterlesen