Alle Artikel mit dem Tag ‘Literatur’

Werben im Internet

8. Juli 2009

Heute auf Zeit online: Die steigende Budgetierung von Online-Werbung, das Targeting des Zielpublikums auf den Social Media Sites, wo die Angabe von Geschlecht, Alter und Interessen zum guten Benehmen gehört, und die Konsequenzen für den Datenschutz. Quo vadis, Effizienz? Wir werden sehen!

Literaturtipp: über virale Kampagnen

15. Juni 2009

41hdqg61jkl_sl500_aa240_Das NY-Magazine zum Werk von Bill Wasik über die virale Verbreitung kultureller Angelegenheiten, welches vergangene Woche erschienen ist: “The book is Bill Wasik’s And Then There’s This: How Stories Live and Die in Viral Culture. Wasik, an editor at Harper’s, is a first-hand authority on the epidemiology of cultural virulence: in 2003 he invented, apparently out of boredom, a phenomenon that would come to be known as “Flash Mobs” — pointless sudden gatherings, at venues ranging from St. Patricks Cathedral to the Times Square Toys R Us, of hundreds of people summoned by e-mail and texts and dispersed in less than ten minutes. The idea spread quickly across the country and around the world, and before long was even paid the ultimate homage of being co-opted by corporate advertisers. Wasik’s book recounts his time with the mob, as well as some of his other experiments in viral culture — his victorious entry in the Huffington Post’s “Contagious Festival,” his attempt to publicly anti-buzz a buzzy indie band, and the time he agreed to proselytize to his friends about Ziploc’s new Zip ‘n Steam plastic bags at a 4th of July barbeque. He also pulls together much of the science surrounding viral culture: the sociology of crowd behavior, the neuroscience of political prejudice.”

Literaturtipp: Wir könnten auch anders

14. Juni 2009

Mal wieder ein sehr gutes, da anspruchsvolles, ZEIT-Dossier vom 20. Mai 2009, für das Wolfgang Uchatius sich Gedanken über die Pseudo-Notwendigkeit des Wirtschafts-wachstums gemacht hat und gleichzeitig elaborierte Lösungsvorschläge für den Post-Kapitalismus bietet. Drei Auszüge:

Was alle Sonnenkraftwerke der Welt bisher nicht geschafft haben, erledigt nun die Rezession: Die CO2-Emissionen sinken. Offenbar gibt es keinen besseren Klimaschutz als ausbleibendes Wirtschaftswachstum. Weshalb sich die Frage stellt, ob man auch ohne Wachstum auskommen könnte. Eine seltsame Frage in einer Zeit, in der die ganze Welt auf steigende Umsätze hofft.

“Martin Meyer braucht kein Wirtschaftswachstum. Es sei denn, er arbeitet bei Opel. Damit ist man bei der zweiten Antwort auf die Frage, warum wir Wachstum brauchen: Ohne Wachstum keine Arbeitsplätze. In fast jedem ökonomischen Lehrbuch findet man zu Beginn ein paar grundsätzliche Sätze zum Daseinszweck der freien Marktwirtschaft. Dort steht dann, erste Aufgabe des Marktes sei es, die Knappheit zu überwinden, das heißt die Menschen mit Konsumgütern zu versorgen. Gemeint sind Kühlschränke, Handys, Autos. All die Dinge, die in Deutschland, Frankreich oder Italien längst nicht mehr knapp sind. Woran es diesen Ländern fehlt, ist etwas anderes: Arbeit.”

“Niemand weiß, wie eine Post-Wachstumsökonomie aussehen könnte. Genauso wie vor fünfhundert Jahren niemand wusste, wie der Kapitalismus aussehen würde. Er ist einfach entstanden, und erst danach machten sich Leute, die sich Ökonomen nannten, daran, dieses neue System zu beschreiben. Gänzlich verstanden hat es bis heute niemand.”

Hier der ganze Artikel.

Nachtrag zu Deutschstunde

8. Juni 2009

Gestern las ich seit langem mal wieder den Focus, weil Germanwings mir auf meinem gestrigen Rückflug von Antalya nach Köln sonst nichts anbot. Zuerst war ich überrascht, wie sich in den letzten Jahren die Bild-Text-Relation zugunsten der leicht(er) verständlichen Visualisierung gewandelt hat. In den Texten, die ich dann gelesen habe, nahmen die Autoren Schneiders Forderung nach lebendiger Sprache wohl etwas zu wörtlich und ließen mich an ihren deplatzierten Attributivsätzen bzw. Attribuierungen verzweifeln. Zwei Beispiele, die ich gerne teile:
1. “Ist Weintrinken gesund?”: “Mäßiger und regelmäßiger Konsum von Rotwein kann das Herz schützen, vor allem dann, wenn vernünftige Ernährung und ausreichend Bewegung - womit mehr gemeint ist als das Anheben des Glases zum Mund - nicht fehlen. (Ach nein, danke für die Aufklärung!)
2. “Glück, Marke Eigenbau”: “(…) und Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus liebt (neben dem Skifahren) das Heimwerken sowie ebenfalls das Gärtnern.” (Also nein, wie unsachlich ist das denn?)

Deutschstunde

8. Juni 2009

Wolf Schneider ist eine linguale Urgewalt. Seine journalistischen Wirkungszonen: die US-Korrespondenz der SZ, die Verlagsleitung des Stern und die Chefredaktion der Welt. Heute lehrt er an Journalistenschulen und hält Seminare für PR- und Werbetexter. Sein Hit “Speak German!” ist ein Plädoyer für die deutsche Sprache. Lebendig zu schreiben, das fordert Schneider. Lernen kann man es jedoch nicht – genauso wenig im Deutsch-Unterricht wie in den Germanistik-Vorlesungen. Zu erstarrt sind die Doktrinen der Ordinarien.* Werdegänge von Journalisten und Textern ebnen sie nicht. Warum das so ist, davon handelt Schneiders Sprachvideoblog im Juni: “Speak Schneider 2″

(* An dieser Stelle gebe ich zum ersten Mal offen und ehrlich vor, im Grundkurs Deutsch nicht gerade geglänzt zu haben, sondern vielmehr zweimal eine Vier kassiert zu haben, weil ich Die Buddenbrooks und Die neuen Leiden des jungen W. – wenn schon Werther, dann der Echte – nur bis Seite 100 las. Und so jeweils eine Klausur abgab, die über die Einleitung – basierend auf den Verfilmungen – nicht hinausreichte. Schon damals las ich lieber Frisch, wegen der kraftvollen Beschreibungen und des Zynismus zwischen den Zeilen (Ich bin nicht Stiller, ein Satz für die Ewigkeit). Heute finde ich jene bei Kehlmann (Unbedingt lesen: Ich und Kaminski), Buckley und Krugman (beide in der Originalfassung). Und wenn wir schon mal dabei sind: Wann bringt Jeffrey Eugenides (Middlesex) endlich ein neues Werk heraus?