Alle Artikel mit dem Tag ‘Literatur’

Ein Weihnachtsgruß von Sonja Heiss.

25. Dezember 2011

Bild: Sonja Heiss

Sonja Heiss (“Hotel Very Welcome”) hat ein Buch geschrieben: “Das Glück geht aus” heißt es und ist kürzlich im Bloomsbury Verlag erschienen. Darin werden die Geschichten von jungen, weltgewandten Frauen erzählt, die einen sozialen Curriculum Vita ihr Eigen nennen, und trotzdem nicht alles haben – zum Erreichen des absoluten Glückszustandes. Wäre ja auch zu schön, zu unrealistisch. Die Kurzgeschichten von Sonja Heiss begegnen sich stattdessen im Alltäglichen und sind doch etwas ganz Besonderes: Wegen der mal ironisch, mal genervten Dialoge, die in klarer, nicht verschwurbelter Sprache dokumentiert werden, und der zutiefst ehrlichen Einblicke in die Gefühlswelten der ewig Zögernden. Als Erfüllungsort dient nicht selten das Ausland, zum Beispiel Panama oder Kanada, was der fernwehleidigen Leserin gut gefiel. Ich habe Sonja Heiss deshalb, im leeren und regnerischen Vorweihnachts-Berlin, nach ihrem persönlichen Lieblingsplatz befragt. Sie sagt:

Es gibt für mich keinen Lieblingsplatz oder Lieblingsort. Je nachdem wie ich mich fühle, ist der Ort, der für mich Glück bedeutet, ein anderer.

Wenn es draußen regnet, im Winter, dann ist es unsere Couch, doch die mag ich nicht, wenn die Sonne scheint.

Wenn ich Hunger habe, ist es Italien.

Wenn ich Fernweh habe, ist es Asien. Oder ein Roadtrip durch die USA. Motels und seltsame Orte, riesige Supermärkte und immense Natur, keine Kultur, viele Tankstellen und Burger Stores.

Wenn ich mich langweile, ist es ein Buch. Wenn mich ein Gefühl der Monotonie befällt, ist es Wein. Egal wo. Oder ein Flughafen.

Wenn ich nachdenken will, sind es die Alpen.

Wenn ich Roth, Updike etc. lese, will ich an der US-Ostküste leben. Ich glaube dann, dass ich z.B. nach Neu England gehöre oder nach Conneticut, und Professorin werden muss oder Ehefrau natürlich.

Wenn ich abenteuerlustig bin, ist es ein Ort, an dem ich nie war, Havanna, Island oder die Cook Inseln. Oder es ist der Atlantik, weil sich dort alles surreal anfühlt. Oder ein Auto, das einfach nur fährt.

Ganz selten ist es München, die Stadt, aus der ich komme, und oft dreht es sich dort nach einer kurzen Weile wieder ins Gegenteil.

Die einzige mir bekannte Stadt, außer Berlin, in der ich für eine Weile leben könnte, ist Los Angeles.

Hotels gehören übrigens auch zu meinen Lieblingsorten. Sie müssen irgendwie besonders sein. Ob schick oder schäbig. Egal.

Affirmationen.

1. August 2011






Am Wochenende, als das ewige Regenwetter allmählich aufs Gemüt drückte, leisteten zwei Dinge Beistand: ein kühles Glas Rosé-Cremant und ein wiederholter Blick in das “Book of Awesome” vom Neil Pasricha. Großer Titel, großes Buch! Weil es Seite für Seite die kleinen (und kostenlosen) Freuden des Alltags bewusst macht: z.B. der Geruch von Wachsmalkreide. Der Moment, wenn du siehst, wie dein bestelltes Essen auf dem Weg zu dir ist. Beziehungsweise derjenige, wenn man einen längst vergessenen Geldschein in der Hosentasche findet – oder die verlegte Fernbedienung. AWESOME! Dabei ist jede Anekdote so entzückend geschrieben, dass man nur hoffen kann, dass der Autor und Blogbetreiber von 1000awesomethings.com noch sehr lange ein erfülltes Leben führen mag und uns daran teilhaben lässt.

Zuerst war die Zeichnung

14. November 2010

Antonio
Bevor neue Kollektionen als Fashion Filme präsentiert wurden und provokante Editorials musealen Charakter erhielten, arbeiteten Mode-Magazine wie VOGUE oder Harper’s Bazar vom Art Déco bis in die Achtziger Jahre hinein mit Illustratoren, damit die Öffentlichkeit sich ein Bild machen konnte von stilbildenden Strömungen aus Paris, Mailand und New York.
“Drawing Fashion” widmet dem Genre der Modezeichnung nun eine Ausstellung im Designmuseum London sowie einen ausführlichen Bildband (Random House/Prestel, 59 Euro).
Die hier gezeigte Sammlung der Münchner Galeristin Joelle Chariau enthält unter anderem Auftragsarbeiten von Chanel, Balenciaga, Dior oder Alexander McQueen und die Jahrzehnte prägenden Werke von Georges Lepape, Christian Bérard, Antonio oder Mats Gustafson. Ein den Katalog eröffnendes Essay von Holly Brubach, Autorin des New York Times Magazine, und Colin McDowell von der Sunday Times setzt diese Art der Modedarstellung in ihren sozialen und kulturellen Urspung: “But many aspiring fashion followers had no direct contact with such people, so how could they know what to wear? They looked for sources of information that were cheap and reliably up to date. And they found them in drawings done at court to illustrate the latest styles being worn by the grand and famous.” Inszenierung wohnt beidem inne, der Fotografie und der Zeichnung, doch stellt gerade “Drawing Fashion” einen intimen Umgang mit dem Textil und die pointierte Reflektion dessen heraus.   weiterlesen

Credo eines Einzelgängers: Fänger im Roggen

29. Januar 2010

What I was really hanging around for, I was trying to feel some kind of a good-by. I mean I’ve left schools and places I didn’t even know I was leaving them. I hate that. I don’t care if it’s a sad good-by or a bad good-by, but when I leave a place I like to know I’m leaving it. If you don’t, you feel even worse.

(J. D. Salinger, vorgestern verstorben, in: The Catcher in the Rye, Kap. 1)

Die Reich-Ranicki der Mode

30. Oktober 2009

Welch passender Titel für die Godess der Modekommentatoren, Suzy Menkes vom hochkarätigen International Herald Tribune – die mit der Tolle. Und wer schreibt sowas Schlaues? Mal wieder das Zeit Magazin, das ich inzwischen doch ziemlich regelmäßig für die hervorragende Themenauswahl auf wenigen Seiten lobe – neben dem T-Magazine, dem US-amerikanischen Über-Pendant. Zurück zu Susy. Die gibt auch eine Menge intelligenter Sachen von sich, wird dafür verehrt und gefürchtet und von mir in einer bald erscheinenden Fashion-Story mit dieser Metapher zitiert werden: „The answer to this back-to-the-future thing seems to be that fashion is an eternal carousel – clothes come back around, but never in the same way.“ Überhaupt weiß die in Paris lebende Engländerin Mode immer wieder in einen kulturhistorischen bzw. gesellschaftlichen Zusammenhang zu setzen. Und das macht ihr so gut keiner nach.
Den vollständigen Artikel gibt es hier.