From dawn to night – Zeche Zollverein
26. Januar 2010Das ungeliebte Jahrzehnt
11. Januar 20102010: eine Null muss gehen.
10 Tage ist es jung, das neue Jahrzehnt. Höchste Zeit für einen Rückblick auf die vergangene Dekade. Der Spiegel titelte die 2000er jüngst noch ein „verlorenes Jahrzehnt“. Andere benennen sie der Einfachkeit halber als die Nullerjahre – eine wenig positiv besetzte Assoziation voller Nullrunden.
Ja, sicher, es war nicht alles schön in den letzten zehn Jahren. Wir hatten 9/11 und zwei daraus entstandene Kriege, die kein Ende nehmen wollen. Die EU sollte einfach nicht so recht zusammenfinden. Es gab die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte, die schlimmste Finanzkrise seit 80 Jahren, DSDS und Paris Hilton. Shit happens.
Es geschahen aber auch sehr erfreuliche Dinge: Das Internet wurde interaktiver denn je. Clint Eastwood drehte großartige Filme. Das MoMA und Obama statteten Berlin einen Besuch ab. Navigationssysteme wurden erfunden. Und es regieren immer mehr Frauen: in Sex and the City und Der Teufel trägt Prada und dann natürlich auch noch Angela und Carla.
Sushi wurde zum Nouvelle Fast Food der exquisiten Gesellschaft (der Thuna und der Salmon mussten dran glauben). Latte Macchiato und Bionade zu den In-Getränken der ewigen Müßiggänger. Bloggerinnen sind inzwischen die neuen Modeleitbilder, nicht mehr die VJanes. Die Handys wurden immer moderner – mit polyphonen Klingeltönen, Farbdisplays und MMS – und Afrika immer ausgebeuteter (Coltan). Seit 2007 ist das iPhone allen Nachahmern zum Trotz State-of-the-Art. Der Fantasy-Boom fasst die Eskapismus-Bemühungen der Reizüberfluteten zusammen. Die Klimakatastrophe interessiert (noch) herzlich wenig, wenn es doch unter den Heizpilzen so schön warm ist. Gore redet gegen die Wand. Dafür wurden die Flüge immer billiger. Die Lohas bemühen sich um eine bessere Welt und sind gleichzeitig wahnsinnig hip.
Irgendwie ein widersprüchliches Jahrzehnt. In den Neunzigern haben wir uns alle noch so prächtig amüsiert (mit Baywatch und dem Brioni-Kanzler). Dann kam der Dotcom-Crash und irgendwie schworen sich alle auf “ein neues Bewusstsein” ein ohne wirklich nachzudenken. Weiß jemand um all die guten Vorsätze, die wir hatten? Die 2000er waren so gedacht als Dekade zur Eindämmung von Malaria, als internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder der Welt und als Dekade zur Überwindung von Gewalt. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir gerade in diesen Tagen wie es um die Einhaltung von guten Vorsätzen bestimmt ist: schlecht!
Was die Welt hingegen wirklich beschäftigte und meine Wenigkeit im Speziellen, das zeigt eine kurze Zeitreise zurück in die letzten zehn Jahre:
2000:
Die Welt steht noch. Die Rechner leben noch. Willkommen im neuen Millenium. Der Y2K-Bug war nicht gefräßig bzw. erst zehn Jahre später bei den Bankautomaten. Dafür gab es den Dotcom-Crash und auf Billie Boy folgte George W. Ich war endlich volljährig und cruiste mit meinem Toyota Corolla nur noch selten zu den Hip Hop Events der Republik, denn ich hatte the Real Big Thing gefunden. Außerdem bezog ich die erste eigene Wohnung – mit jedem Zimmer in einem anderen Farbton und einem Kleiderschrank voller Miss Sixty.
2001:
Die Terroranschläge auf das World Trade Center lassen der Angst vor dem internationalen Terror und beim Betreten jedes Flugzeugs freien Lauf. Außerdem fürchtet sich die Welt erneut vor der Maul- und Klauenseuche. Der Krieg der USA gegen die Taliban in Afghanistan beginnt am 7. Oktober 2001. Ich werde an diesem Tag 20, zahle schon seit 10 Monaten meine H&M Divided Einkäufe mit dem Euro und leiste mir rote Extensions, die sage und schreibe zwei Wochen halten.
2002:
Der Amoklauf von Erfurt macht Michael Moores “Bowling for Columbine” auch in Deutschland zur traurigen Realität. Ein Flugzeug voller Kinder stürzt über dem Bodensee ab. Grass veröffentlicht “Im Krebsgang” und Walser “Tod eines Kritikers”. Die rotgrüne Koalition geht in die 2. Runde. Ich habe mein Abi in der Tasche und ziehe weg vom mieslaunigen Franken hinein in die Hochburg der Ausgelassenheit: Köln – eine Stadt, in der man meinen Leopardenmini nicht nur an Karneval schätzt.
2003:
Der Irakkrieg beginnt im März. Die langen Sitzungen im UN-Sicherheitsrat haben nichts geholfen. Die Irak-Resolution 1441 wurde gebilligt, auch ohne Evidenz der Waffenlager. Ansonsten heißt es: Asia all over. Die Mädels haben den Hello Kitty Wahnsinn. Man spricht bei Wohnkonzepten nur noch von “Feng Shui” und ich probiere zum ersten Mal Sushi. Mit Gurkeninlay. Außerdem ziehe ich weiter nach Düsseldorf und beginne ordentlich Geschichte und Politik zu studieren, nachdem ich bislang nicht berühmt geworden bin. Womit auch?
2004:
Der Tsunami erschüttert Weihnachten 2004 die asiatische Welt und unser Mitgefühl. Die EU erweitert sich gen Osten. George W. Bush wird tatsächlich wiedergewählt (Vetternwirtschaft in Florida). Dafür erscheint “Stupid White Man”. Die EU verbietet die Bezeichnung “light” für Zigaretten. Ich rauchte dann eben ab sofort “Gold” und trage nach langen Selbstzweifeln hinsichtlich des Oberschenkelumfangs meine erste Röhrenjeans. Alle anderen tragen die bunten Jerseyschals von American Apparel.
2005:
Wir sind Papst und unser Regierungschef ist eine Frau. Die große Koalition wird aus der Versenkung geholt. Die PDS hat sich derweil in “Die Linkspartei” umbenannt. Edmund Stoiber will erst nach Berlin und dann wieder doch nicht. Ich will definitiv nach Berlin und verbringe dort einen Sommer beim Bundesinnenministerium. Politisch korrekt gekleidet, versteht sich. Daneben entdecke ich den “Balkan Style” für mich und laufe mit einem Timoschenko-Zopf durch den Winter.
2006:
Im Nahen Osten bekriegen sich Israel und der Libanon. Saddam Hussein wird hingerichtet und jeder kann unfreiwilligerweise live daran teilhaben. Die muslimische Welt protestiert gegen die Mohammed-Karikaturen und Beck folgt auf Platzeck – Vorstandsroulette bei der SPD. Ich fange doch nicht mit dem Arbeiten an bzw. nur Teilzeit, sondern hänge noch einen Master in Politischer Kommunikation ran. Modisch gesehen tauche ich tief in das Sechziger Jahre Revival ein und suche verzweifelt nach einem Exemplar von Chanel’s “Black Satin”, um meinen Schwarz-Weiß-Wahn zu manifestieren.
2007:
Beim G8-Gipfel in Heiligendamm trinken die Regierungschefs vergnügt Bierchen. Ansonsten herrscht Katerstimmung – nur nicht bei den Demonstranten. Bayerns letzter Monarch, Edmund Stoiber, tritt zurück. Die Immobilien in den USA beginnen zu bröckeln. Das iPhone 2G entzückt die ersten Importeure. Ich verdinge mich neben dem Studium schon fünf Jahre nebenbei als Werbetexterin und habe immer noch kein anderes Berufsziel gefunden. In meiner Freizeit lese ich viel über Bradgelina und kippe mit meinen Mädels das ein oder andere Bier.
2008:
Dieses Jahr steht im Zeichen des amerikanischen Wahlkampfes: alt gegen jung, schwarz gegen weiß, konservativ gegen progressiv. Ein farbiger Senator aus Illinois entscheidet die Schlacht für sich, vor allem wegen seiner fabelhaften Internetkampagne. Blogs sprießen hierzulande nur so aus dem Boden. Auch meiner, ursprünglich noch zu Portfoliozwecken gedacht. Während eines halbjährigen Arbeitsaufenthaltes in New York City (meiner zweiten großen Liebe) blogge ich fröhlich weiter. Eigentlich nur für die Großeltern zu Hause. Doch bald lesen immer mehr mit. Mein ständiger modischer Begleiter (außer beim Wandern) sind meine Kova & T. Latexleggins.
2009:
Obama wird vereidigt und in der Bundesrepublik wird gewählt. Was dabei herauskam, wissen wir. Die Folgen des amerikanischen Bankencrash erschüttern nun auch Deutschland. Es kommt zu unzähligen Entlassungen. Die Zeitungsindustrie hat ebenfalls ein schweres Los. Und in Kopenhagen war ja dann irgendwie auch nichts los. Ein vergeudetes Jahr. Auch für mich. Aber nicht ganz. Ich bin nun also Master of Arts (Obama sei Dank), stolze Katerbesitzerin und schreibe endlich für Independent Modemagazine. Dabei geht zwar mein Herz auf, doch das Portemonée bleibt leer. Deswegen geht es weiter mit der Werbetexterei. In meinem Kleiderschrank ist bis auf einige neue gestreifte Shirts und Vintagefunde aus New York recht wenig passiert. Aber das hole ich bald nach. Ich hab da auch schon so eine Idee.
Es ist ja noch nicht aller Tage Ende.
50 Jahre Fashion & Style
22. September 2009


Textauszug:
Story 50 Jahre Fashion:
1959 war ein gutes Jahr – vor allem für die Avantgarde: Mary Quant entwarf den Mini-rock und führte damit zu einer Selbstbestimmtheit in der Mode, die sich in den Folgejahrzehnten voll entwickeln sollte. Und Alec Issigonis konstruierte den Mini classic, der wie sein textiler Namensvetter im Design revolutionär war und bis heute Symbolwert besitzt. Zeit für einen Rückblick auf das Wechselspiel von Mode und Mobilität.
Sicherlich gab es schon vor 1959 Modeepochen, die Großes hervorgebracht haben: die Goldenen Zwanziger, in denen eine Elite mit wadenlangen Charlestonkleidern den Nachkriegsproblemen trotzte. Die mondänen Dreißiger mit Greta Garbo und Jean Harlow, deren Divenhaftes Hollywood und Babelsberg prägte so wie Coco Chanel und Elsa Schiaperelli die Couture. Die funktionalen Vierziger, in denen 1943 die VOGUE warnte: „Sie werden einfache Kleidung tragen, weil in diesen Zeiten alles Raffinierte albern aussieht.“ In den fünfziger Jahren sorgten die Rockabillies zwar für etwas Wirbel, doch war der Petticoat bei aller Verspieltheit noch züchtig knielang.
Erst 1959 erfolgte ein klarer Schnitt in der Geschichte der Frauenmode, sozusagen eine Zäsur bemessen an der Rocklänge. Die neue Beinfreiheit sollte laut Mary Quant in Zukunft mindestens 10 Zentimeter oberhalb des Knies enden. Die Modedesignerin, die in ihrem Laden „Bazaar“ in Chelsea aus günstigen Stoffen und einfachen Schnittmustern kurze Kleider für die moderne, unabhängige Britin schneiderte, ging als Ikone des Londoner Sixties-Chic in die Mode-Annalen ein. Auch wenn der Franzose Andrè Courrèges zeitgleich die Röcke kürzer schneiderte.
Damit hatte sich die Mode erstmals völlig von den Normen der Gesellschaft emanzipiert. In Zeiten von Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigungwurde das individuelle Aussehen liberalisiert: Bei den Männern wurden die Haare länger, bei den Frauen die Röcke kürzer. (…)
Zu Beginn der Achtziger wurde die Mode allmählich massenkonform. „Dallas“ und „Denver Clan“ führten den „Eighties Powerlook“ (enorme Schulterpolster plus kurzer Stretchrock) in Texas genauso ein wie in Schwaben. Betrachtet man Mode als emotionale Befindlichkeit einer Epoche, ist dieser kantige Look sinnbildlich für den aufstrebenden Großstädter in einer Zeit, in der der Dow Jones Berglandschaften beschrieb. Für den Mini classic war ebenfalls in den achtziger Jahren die Wirtschaftlichkeit das Paradigma. Die Modelle Clubman, Estate und Van liefen aus. Übrig blieb allein der klassische Mini, der 1986 zum fünfmillionsten Mal vom Band lief. (…)
Den ganzen Artikel gibt’s auf QVEST.de
Samstag legendär: Drachenburg und -fels
19. September 2009


Mit Nibelungenlied und Nusskuchen im Handgepäck begaben sich vier Düsseldorfer Exilfranken und zwei kleine Hunde bei warmem September-Sonnenschein auf die steilen Spuren von Siegfried, dem Drachentöter. Danach gab es auf halbem Abstieg Zwiebel-kuchen mit lecker Federweißer und ganz unten ein blankes Bade im Rhein. Grandios.
Sonntags bei den Krupps
13. September 2009
Heute bei den Krupps in Essen gewesen, auf der Villa Hügel. Klasse Hütte mit 279 Räumen, in denen Klein-Alfried bestimmt des Öfteren versucht hat, sich vorm Ablativ Absolutus zu verstecken. Der Park steht der Villa in Gigantismus nichts nach: 150 Hektar sind ja kein Schrebergarten. Heute beherbergt die Villa sogar das Who is Who der Malermeisterklasse und ihrer bekanntesten Werke – Monet, van Gogh, Kirchner, Mondrian, Ernst, Dali, Hodler, Beckmann uvm – auf jeden Fall leihweise vom Museum Folkwang. Das wird nämlich gerade für das Kultur-Hauptstadt-Jahr hübsch gemacht. Die externe Ausstellung wurde eben noch bis zum 1. November verlängert (Eintritt Villa, Park, Ausstellung 3 Euro). Ein Besuch lohnt sich aber auch für Spätzügler. Denn Geschichts-, Export- und Soziolgieexperten kommen mit der ständigen Ausstellung über die Dynastie Krupp allemal auf ihre Kosten. Und Spaziergänger mit einem Marsch am nahegelegenen Baldeney-See.

