
Was München in den Achtziger Jahren war und was Berlin heute verkörpert, war zwischendrin – in den Neunzigern – Köln: die deutsche Großstadt, die ganz oben auf der Hipness-Liste stand. Weil Schauspieler, Musiker, Künstler und die unbestimmbare Medienmeute sich am liebsten genau da niederließ. Nicht zu vergessen: die ganze Industrie dahinter. Colonias Pulsmesser damals: die neuen Prachtbauten des Mediaparks. Genauso wie der Potsdamer Platz ein artifizieller Platz oberhalb des Rings, der ein wenig auf Midtown macht und flankiert wird vom einem noch künstlicheren See, auf dem man Bötchen fahren kann. Ansonsten kommt der Ort trotz seines Grüngürtels immer noch ziemlich grau daher. Wo einst, vor 15 Jahren, frühe Hipster und solche, die es werden wollten, über den Platz hin zu EMI, BMG und VIVA pilgerten, sieht man heute einen mäßig bekannten Jungschauspieler samt Manager bei einer Cola sitzen und einen vorbeischlendernden Ex-MTV Moderator. Mehr geht nicht. Die anderen sind schon lange weg. Was den Kölschgenuss an diesem doch recht sonnigen Fleckchen auf angenehme Weise beruhigt. Denn irgendwann zur Jahrtausendwende löste die “Bread & Butter” die “Interjeans” als Modemesse ab. VIVA und die Popkomm zogen später ebenfalls nach Berlin. Was nicht heißt, dass Köln heute kein attraktiver Wohnort mehr sei. Nein, das ist allemal – auch wenn in Sachen “Urban Lifestyle” die Domstadt gegen die Hauptstadt verlor, die in den Neunzigern vielen noch zu abgewrackt schien.

Mit dem zweiten Anlaufpunkt der “smart urban stage” hierzulande (Nach Berlin vergangenes Jahr. Ist klar.), versucht Köln den Beweis anzutreten, dass es seine Großstadt-Visionen nicht verloren hat. Heiß ist es im Zelt und verständlicherweise leer, am Montag nach dem Aufbau. Was aber auch zugenüge Platz bei der Projektsichtung verspricht: vor den Säulen mit Monitor und Erklärtext, und manchmal auch einer kleinen Vitrine. Jene Projekte sollen darauf Antwort geben, mit welchen Mitteln der städtische Alltag “umweltfreundlicher und gemeinschaftsorientierter” gestaltet werden kann (auf den Spuren des smart). In der Kategorie “Be” geschieht das mit alten Seecontainern, in denen kulturelle Aktivitäten geplant sind, bei denen Langzeitarbeitslose eingebunden werden sollen. “Jack in the Box” nennt sich dieses Projekt, das aufgrund der eingesetzten Mittel wohl noch besser in die Hansestädte passen würde, dessen gesellschaftlicher Ansatz aber gefällt, insofern so umzusetzen.

“Hanky Vogue” aus der Kategorie “Create” will den Papiertaschentüchern den Gar ausmachen. Mit Taschentüchern aus Biobaumwolle, die je 450 Papiertaschentücher ersetzen sollen (wenn sie denn den Waschmaschinengang heil überleben, was ich in Anbetracht des dünnen Stoffes und der Größe noch anzweifle). Es gibt des Weiteren eine Vorhersage für Feinstaub mit einem eigenem Messfahrzeug, etwas zu “Coworking Spaces” und natürlich auch was zu “Augmented Reality”, von denen das Erste am überzeugt und letztere schon etwas gesehen wirken. Lieblingsstück, wenn auch ein rein optisches, ist das Urban Kaleidoscope, das das Panorama prägnanter städtischer Plätze reflektiert und von dem ich hiermit ein Bild nachreiche.

Wer sich die Ausstellung selbst anschauen möchte, kann dies noch bis zum 15. Juli im Mediapark Köln. Ist ja auch gerade nicht so heiß! (Links sponsored by smart)
PS: Und für danach empfehle ich, als Kontrastprogramm, die Begehung der benachbarten August Sander Sardinien-Ausstellung in der Photographischen Sammlung.



In Düsseldorf gibt es zuhauf native Japan-Restaurants. Doch ich fahr für Sushi nach Köln zur 