9. November 2009
Fast hätte ich mein ganz persönliches Mauerfall-Highlight vergessen: David Hasselhoff in der Turbo-Leuchtmaschinen-Bikerjacke Silvester anno 1989 am Brandenburger Tor. Ich war damals 8, schaute jeden Samstag Baywatch (but Eddie was my first love) und scheute selbst Vergleiche mit Elvis Presley nicht. 4 Jahre zuvor stand ich wesentlich unbedarfter an der 20km entfernten Grenze und dachte, ich sei im Zoo. 2 Jahre später wusste ich mehr über die Personen dahinter, aber nichts über ihre kulinarische Verfügbarkeiten, und orderte in einer Baude in der thüringischen Provinz Pommes rot-weiß und eine Coca Cola. Stattdessen bekam ich Kartoffelpüree mit Sauerkraut und eine Vita Cola aufgetischt. Überflüssig hinzuzufügen, dass mir Kind des Kapitalismus, das kurz zuvor noch Geburtstag bei Mc Donald’s feierte, dieses Gericht sauer aufstieß. 1989 war also nun Hasselhoff der Einheitsking – kein Kohl, Bush oder Gorbatschow – und “I’ve been looking for freedom” fester Bestandteil meines Tapedecks. Play, rewind, play.
12. Oktober 2009
Auszüge aus einem Artikel der Business Week:
“For people just starting their careers, the damage may be deep and long-lasting, potentially creating a kind of “lost generation.” Studies suggest that an extended period of youthful joblessness can significantly depress lifetime income as people get stuck in jobs that are beneath their capabilities, or come to be seen by employers as damaged goods.
What’s more, the baby boom generation is counting on a productive young workforce to help fund retirement and health care. (…)
Only 46% of people aged 16-24 had jobs in September, the lowest since the government began counting in 1948. The crisis is even hitting recent college graduates. “I’ve applied for a whole lot of restaurant jobs, but even those, nobody calls me back,” says Dan Schmitz, 25, a University of Wisconsin graduate with a bachelor’s degree in English who lives in Brooklyn, N.Y. “Every morning I wake up thinking today’s going to be the day I get a job. I’ve not had a job for months, and it’s getting really frustrating. (…)
One possibility: Some U.S. states and European countries have enacted subminimum wages just for young people or people enrolled in apprenticeships. (…)
One possible example for the U.S. to follow is Germany’s apprenticeship program, which guides young people from high school into skilled blue-collar jobs. Young-adult unemployment in Germany has risen less than in most other developed countries. (???)”
28. September 2009
Mit den Ergebnissen des gestrigen Wahlsonntags hat sich etwas geändert im Staate Deutschland. Nicht wenige in der Kreativwirtschaft Schaffende um die 30, die sozialer sind als Oskar, machten gestern ihr Kreuz bei den Liberalen. Waren manche von ihnen früher noch auf der linken Seite des politischen Spektrums situiert, sind sie heute enttäuscht von der mangelnden Achtung des persönlichen Engagements für den Wohlfahrtstaat. Bleibt ihnen schließlich nach dem Steuerbescheid nur noch die halbe Miete und in 50 Jahren die Mindestrente. Bankendarlehen für erste Unternehmungen gibt es freilich auch nicht mehr, alles schon verpulvert – für die Boni und die Reihenhäuser. Und Hartz IV kommt ihnen schon gar nicht in die (Lohn-)tüte. Stolz sind die jungen Deutschen. Wütend. Und jetzt eben gelb. Während die konservativen Eltern von damals heute Grün, Rot oder Dunkelrot wählen, weil sie es sich leisten können. Willkommen beim Wertewandel 2009. Change everywhere. Radikal liberal statt 68er Linke. Zumindest sind sich Bundestag und Bundesrat nun endlich wieder einmal einig. Das ist doch auch schon was.
Anmerkung der Autorin: Dieser Kommentar ist ein Zeitzeugnis. Kein politisches Outing. Die Stimmen haben die anderen bekommen. Und das ist gut so.
11. September 2009
Es ist viel darüber diskutiert und proklamiert worden, was nach 9/11 geschehen ist und passieren wollte. Nur selten wurde aber ein Wort darüber verloren was eben entgegen der Prophezeihungen nicht eingetreten ist: “Tourists? Well, who would ever come again? Work in one of the city’s skyscrapers? Not likely. The Fire Department, gutted by 343 deaths, could never recuperate.” “The fires wouldn’t go out. The smell persisted. What company would ever open its doors in Lower Manhattan? Who would live there? Who could feel secure?” Die New York Times gibt in einem Artikel von N. Kleinfeld Auskunft über eine Entwicklung, die glücklicherweise ganz anders kam: http://www.nytimes.com/2009/09/11/nyregion/11dayafter.html?_r=1&hp
24. Juni 2009
Barack Obama hat das Ende von Guantánamo bis 2010 angekündigt. Hierzulande wurde bereits Anfang des Monats heftig über die Aufnahme von neun Uiguren gestritten (das Sicherheitsrisiko…), die nun ihr neues Dasein auf einem entfernten Eiland fristen. Was hat sich jedoch sonst auf dem Bay verändert, seitdem Barack Obama an der Macht ist? Beziehungsweise, wie viel kann in ein paar Monaten passieren, wenn die Anklagepunkte immer noch nicht verzifierbar sind, weil eine Verurteilung durch ein ordentliches Gericht fehlt, aber dennoch ein schwellender Brandherd nicht abzustreiten ist – die Angst vor dem Terrorismus?
Ich hoffe mehr zu erfahren, heute abend beim Vortrag von Pardiss Kebriaei im Palais Wittgenstein in Karlstadt. Die Referentin aus New York ist Anwältin beim “Center for Constitutional Rights” und ein Mitglied der “Guantánamo Global Justice Initiative”. Sie vertritt zwei inhaftierte Syrer, die seit 2002 trotz fehlender Anklagepunkte in Guantánamo Bay inhaftiert sind und weder in den USA noch in ihrem Heimatland leben dürfen oder können. Und wird heute berichten über die derzeitigen Bedingungen, unter denen die Gefangenen festgehalten werden.
Mehr Infos hier.