Alle Artikel mit dem Tag ‘Gesellschaft’

Stilvorlage: The Preppies are back in town

18. Januar 2010

Credits: SZ Magazin
Cover SZ MagazinDas SZ-Magazin greift den Neokonservatismus in der Mode auf und betituliert die letzte Ausgabe als: “Die Konterrevolution. Jetzt hat Deutschlands Jugend endlich ein Stil-Vorbild, das altlinke Eltern schockt: Karl-Theodor zu Guttenberg.” So so. Da haben wir also den Salat: Die hochgeklappten Polohemden mit Pomade im Haar und Pulli lässig über die Schultern geknotet und die Reiterstiefeldamen mit Longchamps-Tasche, an der ein Hermès-Tuch drapiert ist (unisex vor allem in Nichtadelskreisen gerne gesehen: der Siegelring), wähnen sich nun einer breiten Lobby. Doch weit gefehlt. Die Streber, die sich so gerne als Primi inter Pares verhalten, haben immer noch keine Freunde gefunden. Erste Diskurse in den Blogs fanden bereits hier und hier statt. Und auch der angebliche Trendsetter KT taugt wenig, wenn er mit AC/DC Shirt im Wahlkampf auftaucht, um zu beweisen, dass er so strebsam gar nicht ist. Handelt es sich hier also wieder nur um eine modische Minderheit, die abermals einen kleinen Aufstand versucht? Schließlich gab es sie schon immer, die Preppies – nicht erst seit den Achtzigern, in denen die Männer mit Tennissocken in Loafers die Frauenwelt unsicher machten, das Weib mit pastellfarbenem Twinset ewig lockte und Calvin Klein und Ralph Lauren ihre Modeimperia aufbauten. Werfen wir nur mal einen Blick zurück:
Great Gatsby
Credits: IMDB
Kein anderer als eine Romanfigur verkörperte die Upper Class der 20er Jahre besser als Jay Gatsby. Die Ungerechtigkeit des “American Dream” erntet heftige Kritik.

Talentierte Mr. Ripley Preppy Look
Credits: IMDB
Die Jeunesse Dorée der 50er Jahre lässt sich an der Amalfi-Küste die Sonne ins Gesicht scheinen. Hier in der Filmversion von “Der talentierte Mr. Ripley”.

preppies sixties
Credits: Getty Images
Im Swinging London der Sixties schlendert die Jugend in massgeschneiderten Tweed-Anzügen durch die hippe Carnaby Street.

Preppy JFK
Credits: thatspreppy.blogspot.com
In den USA zeigt die Präsidentenlegende JFK, was in Sachen Stil angesagt ist: Polohemd und Chino-Hose – artgerecht beim Segeltörn.

Preppy Seventies
Credits: thatspreppy.blogspot.com
Als ob es in den Siebzigern nur Hippies und Punks gegeben hätte – von wegen. Die Preppies trugen das Polohemd zeitgemäß zur Schlaghose.
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Das ungeliebte Jahrzehnt

11. Januar 2010

2010: eine Null muss gehen.

10 Tage ist es jung, das neue Jahrzehnt. Höchste Zeit für einen Rückblick auf die vergangene Dekade. Der Spiegel titelte die 2000er jüngst noch ein „verlorenes Jahrzehnt“. Andere benennen sie der Einfachkeit halber als die Nullerjahre – eine wenig positiv besetzte Assoziation voller Nullrunden.

Ja, sicher, es war nicht alles schön in den letzten zehn Jahren. Wir hatten 9/11 und zwei daraus entstandene Kriege, die kein Ende nehmen wollen. Die EU sollte einfach nicht so recht zusammenfinden. Es gab die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte, die schlimmste Finanzkrise seit 80 Jahren, DSDS und Paris Hilton. Shit happens.

Es geschahen aber auch sehr erfreuliche Dinge: Das Internet wurde interaktiver denn je. Clint Eastwood drehte großartige Filme. Das MoMA und Obama statteten Berlin einen Besuch ab. Navigationssysteme wurden erfunden. Und es regieren immer mehr Frauen: in Sex and the City und Der Teufel trägt Prada und dann natürlich auch noch Angela und Carla.

Sushi wurde zum Nouvelle Fast Food der exquisiten Gesellschaft (der Thuna und der Salmon mussten dran glauben). Latte Macchiato und Bionade zu den In-Getränken der ewigen Müßiggänger. Bloggerinnen sind inzwischen die neuen Modeleitbilder, nicht mehr die VJanes. Die Handys wurden immer moderner – mit polyphonen Klingeltönen, Farbdisplays und MMS – und Afrika immer ausgebeuteter (Coltan). Seit 2007 ist das iPhone allen Nachahmern zum Trotz State-of-the-Art. Der Fantasy-Boom fasst die Eskapismus-Bemühungen der Reizüberfluteten zusammen. Die Klimakatastrophe interessiert (noch) herzlich wenig, wenn es doch unter den Heizpilzen so schön warm ist. Gore redet gegen die Wand. Dafür wurden die Flüge immer billiger. Die Lohas bemühen sich um eine bessere Welt und sind gleichzeitig wahnsinnig hip.

Irgendwie ein widersprüchliches Jahrzehnt. In den Neunzigern haben wir uns alle noch so prächtig amüsiert (mit Baywatch und dem Brioni-Kanzler). Dann kam der Dotcom-Crash und irgendwie schworen sich alle auf “ein neues Bewusstsein” ein ohne wirklich nachzudenken. Weiß jemand um all die guten Vorsätze, die wir hatten? Die 2000er waren so gedacht als Dekade zur Eindämmung von Malaria, als internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder der Welt und als Dekade zur Überwindung von Gewalt. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir gerade in diesen Tagen wie es um die Einhaltung von guten Vorsätzen bestimmt ist: schlecht!

Was die Welt hingegen wirklich beschäftigte und meine Wenigkeit im Speziellen, das zeigt eine kurze Zeitreise zurück in die letzten zehn Jahre:

2000:

Die Welt steht noch. Die Rechner leben noch. Willkommen im neuen Millenium. Der Y2K-Bug war nicht gefräßig bzw. erst zehn Jahre später bei den Bankautomaten. Dafür gab es den Dotcom-Crash und auf Billie Boy folgte George W. Ich war endlich volljährig und cruiste mit meinem Toyota Corolla nur noch selten zu den Hip Hop Events der Republik, denn ich hatte the Real Big Thing gefunden. Außerdem bezog ich die erste eigene Wohnung – mit jedem Zimmer in einem anderen Farbton und einem Kleiderschrank voller Miss Sixty.

2001:
Die Terroranschläge auf das World Trade Center lassen der Angst vor dem internationalen Terror und beim Betreten jedes Flugzeugs freien Lauf. Außerdem fürchtet sich die Welt erneut vor der Maul- und Klauenseuche. Der Krieg der USA gegen die Taliban in Afghanistan beginnt am 7. Oktober 2001. Ich werde an diesem Tag 20, zahle schon seit 10 Monaten meine H&M Divided Einkäufe mit dem Euro und leiste mir rote Extensions, die sage und schreibe zwei Wochen halten.

2002:

Der Amoklauf von Erfurt macht Michael Moores “Bowling for Columbine” auch in Deutschland zur traurigen Realität. Ein Flugzeug voller Kinder stürzt über dem Bodensee ab. Grass veröffentlicht “Im Krebsgang” und Walser “Tod eines Kritikers”. Die rotgrüne Koalition geht in die 2. Runde. Ich habe mein Abi in der Tasche und ziehe weg vom mieslaunigen Franken hinein in die Hochburg der Ausgelassenheit: Köln – eine Stadt, in der man meinen Leopardenmini nicht nur an Karneval schätzt.

2003:
Der Irakkrieg beginnt im März. Die langen Sitzungen im UN-Sicherheitsrat haben nichts geholfen. Die Irak-Resolution 1441 wurde gebilligt, auch ohne Evidenz der Waffenlager. Ansonsten heißt es: Asia all over. Die Mädels haben den Hello Kitty Wahnsinn. Man spricht bei Wohnkonzepten nur noch von “Feng Shui” und ich probiere zum ersten Mal Sushi. Mit Gurkeninlay. Außerdem ziehe ich weiter nach Düsseldorf und beginne ordentlich Geschichte und Politik zu studieren, nachdem ich bislang nicht berühmt geworden bin. Womit auch?

2004:
Der Tsunami erschüttert Weihnachten 2004 die asiatische Welt und unser Mitgefühl. Die EU erweitert sich gen Osten. George W. Bush wird tatsächlich wiedergewählt (Vetternwirtschaft in Florida). Dafür erscheint “Stupid White Man”. Die EU verbietet die Bezeichnung “light” für Zigaretten. Ich rauchte dann eben ab sofort “Gold” und trage nach langen Selbstzweifeln hinsichtlich des Oberschenkelumfangs meine erste Röhrenjeans. Alle anderen tragen die bunten Jerseyschals von American Apparel.

2005:
Wir sind Papst und unser Regierungschef ist eine Frau. Die große Koalition wird aus der Versenkung geholt. Die PDS hat sich derweil in “Die Linkspartei” umbenannt. Edmund Stoiber will erst nach Berlin und dann wieder doch nicht. Ich will definitiv nach Berlin und verbringe dort einen Sommer beim Bundesinnenministerium. Politisch korrekt gekleidet, versteht sich. Daneben entdecke ich den “Balkan Style” für mich und laufe mit einem Timoschenko-Zopf durch den Winter.

2006:

Im Nahen Osten bekriegen sich Israel und der Libanon. Saddam Hussein wird hingerichtet und jeder kann unfreiwilligerweise live daran teilhaben. Die muslimische Welt protestiert gegen die Mohammed-Karikaturen und Beck folgt auf Platzeck – Vorstandsroulette bei der SPD. Ich fange doch nicht mit dem Arbeiten an bzw. nur Teilzeit, sondern hänge noch einen Master in Politischer Kommunikation ran. Modisch gesehen tauche ich tief in das Sechziger Jahre Revival ein und suche verzweifelt nach einem Exemplar von Chanel’s “Black Satin”, um meinen Schwarz-Weiß-Wahn zu manifestieren.

2007:

Beim G8-Gipfel in Heiligendamm trinken die Regierungschefs vergnügt Bierchen. Ansonsten herrscht Katerstimmung – nur nicht bei den Demonstranten. Bayerns letzter Monarch, Edmund Stoiber, tritt zurück. Die Immobilien in den USA beginnen zu bröckeln. Das iPhone 2G entzückt die ersten Importeure. Ich verdinge mich neben dem Studium schon fünf Jahre nebenbei als Werbetexterin und habe immer noch kein anderes Berufsziel gefunden. In meiner Freizeit lese ich viel über Bradgelina und kippe mit meinen Mädels das ein oder andere Bier.

2008:

Dieses Jahr steht im Zeichen des amerikanischen Wahlkampfes: alt gegen jung, schwarz gegen weiß, konservativ gegen progressiv. Ein farbiger Senator aus Illinois entscheidet die Schlacht für sich, vor allem wegen seiner fabelhaften Internetkampagne. Blogs sprießen hierzulande nur so aus dem Boden. Auch meiner, ursprünglich noch zu Portfoliozwecken gedacht. Während eines halbjährigen Arbeitsaufenthaltes in New York City (meiner zweiten großen Liebe) blogge ich fröhlich weiter. Eigentlich nur für die Großeltern zu Hause. Doch bald lesen immer mehr mit. Mein ständiger modischer Begleiter (außer beim Wandern) sind meine Kova & T. Latexleggins.

2009:

Obama wird vereidigt und in der Bundesrepublik wird gewählt. Was dabei herauskam, wissen wir. Die Folgen des amerikanischen Bankencrash erschüttern nun auch Deutschland. Es kommt zu unzähligen Entlassungen. Die Zeitungsindustrie hat ebenfalls ein schweres Los. Und in Kopenhagen war ja dann irgendwie auch nichts los. Ein vergeudetes Jahr. Auch für mich. Aber nicht ganz. Ich bin nun also Master of Arts (Obama sei Dank), stolze Katerbesitzerin und schreibe endlich für Independent Modemagazine. Dabei geht zwar mein Herz auf, doch das Portemonée bleibt leer. Deswegen geht es weiter mit der Werbetexterei. In meinem Kleiderschrank ist bis auf einige neue gestreifte Shirts und Vintagefunde aus New York recht wenig passiert. Aber das hole ich bald nach. Ich hab da auch schon so eine Idee.

Es ist ja noch nicht aller Tage Ende.

Bilanz

31. Dezember 2009

2009 ist vorbei, over, fini. Dafür bin ich dankbar. Denn es war ein bescheidenes Jahr.

In materieller Hinsicht hatte einzig der Konjunktiv Hochkonjunktur. Dahingegen wurde mit dem Indikativ gegeizt: “Eigentlich hätte ich mir dieses Jahr endlich das Vitra Utensilo gekauft. Überhaupt wäre ich im Sommer ja einen Monat an die Westküste gefahren. Theoretisch würde ich schon mit in diese Bar, in der ein Drink 12 Euro kostet.” Doch wie sagte schon Stromberg so spitzfindig: “Hätte, hätte, Fahrradkette.” War nicht drin. Das Leben ist kein Wunschkonzert. 2009 gab es nur noch Heineken auf dem heimischen Sofa. Freiberufler und Selbstständige fanden sich zum Spaghettikochen zusammen statt im Sushi-Restaurant. Arcandor ging’s noch schlechter.

Man musste zur Kenntnis nehmen, dass selbst The King of Pop nicht unsterblich ist, Patrick Swayze nicht mehr zum letzten Tanz auffordern kann und Britanny Murphy nicht mehr clueless ist, sondern tot. Auch David Hasselhoff ist auf dem absteigenden Ast, mit KIT zu fahren wird zum Sicherheitsrisiko. Take That langweilten wie schon vor 15 Jahren. Und überhaupt kann keiner mehr richtig rappen. Die Helden unserer Jugend sind kaputt. Die Neuen waren auf der Lauer. Sie machten mit blauen Augen von sich reden wie Rihanna oder Hermaphrodit-Anwandlungen wie Lady Gaga. Ich lausche stattdessen den Alben von gestern und stöbere bei youtube nach vergangenen Perlen.

Modetechnisch gesehen fand dieses Jahr auch keine folgenreiche Neuentwicklung statt. Stattdessen wurden eifrig vergangene Dekaden aufgewärmt, solange bis Alexander McQueen im Herbst Schuhe in Mikrowellenformat entwarf und für eine kurze experimentelle Hochzeit sorgte. Dazwischen wurde die Weltkriegsstärke der Frauen in den 40 Jahren in der Breitschultrigkeit der 80er Jahre 2009 im breiten Rahmen wiederauferlebt. Stilikonen waren nicht mehr die verzottelten Boho-Ladies, sondern die adrett-akuraten First Ladies Carla und Michelle, die von den Flugzeugtreppen dieser Welt winken. Monki und Weekday sind The New H&Ms der U30-Generation.

Wahl war ja auch noch. Eine politische Zäsur nach einem enervierenden Wahlkampf. Schwarz-gelb regiert, weil viele rot sahen. Die Wähler schickten die Sozialdemokraten ins oppositionelle Abseits. Obama hat zwar den Friedensnobelpreis gewonnen, aber stagnierte mit der Health Reform und Guantánamo. Die Kämpfe in Darfur gingen dahin ungeachtet weiter. Es gab mehr Obdachlose auf der Straße und weniger Loyalität. So war das schon oft. Machiavellistische Zeiten.

Nächstes Jahr wird alles besser. Good night and good luck!

Klamotten für und von Frauen

17. Dezember 2009

Die meisten Frauen haben sie im Kleiderschrank, die Teile, die sie nie wieder anziehen werden. Klar, können wir drauf hoffen, dass irgendwann ein Fashion Revival kommen mag oder die angefutterten Kilos irgendwann wieder verschwinden.
Aber mal Tacheles, bei H&M und Co. ist die Halbwertsdauer schwindelnd gering und die Figur, mit der wir 14-jährig durchs Freibad staksten, kommt mit Ende 20 auch nicht so schnell zurück. Is doch so!
Wollen wir nun also Abgetragenes loswerden, offenbaren sich uns folgende Optionen:
1. Verschenken an Freundinnen und Schwestern (Allerdings fragen die meist nur entsetzt: Wann und – vor allem – warum wir uns das gekauft haben?! Keine Ahnung, vielleicht war meine Kontaktlinse verrutscht.)
2. Bei eBay verhökern (Die Erlöse dort liegen traurigerweise oft im einstelligen Bereich, für im dreistelligen Bereich Gekauftes. Profit abzüglich der Verkaufsgebühr = einmal an der frischen Luft gewesen. Auf dem Weg zur Post.)
3. Im hauseigenen Sale-Blog verhökern. (Eine vernünftige Sache, die schon fast Celebrity-Charakter hat – für alle Käuferinnen, die sonst im Bravo Weihnachtsgewinnspiel auf das Girlie-Shirt von Heike Makatsch gesetzt haben. No Name Bloggerinnen haben es dagegen schwer.)
4. Hin und weg: in die Altkleidertonne schmeißen. (Okay, vielleicht klaut sie irgendwann eine findige Secondhandverkäuferin, es wird ein Knüpfteppich von IKEA draus oder sie kommen mit viel Glück dahin, wo sie wirklich hin sollen: zu den Bedürftigen)
5. Oder aber: Direkt zu denen, die es nötig haben. In eines der knapp 400 Frauenhäuser Deutschlands. Zur Diakonie, Caritas, dem Roten Kreuz oder whatever.
Alles andere macht doch wirklich keinen Sinn, oder?

NYS Senator Diane Savino on the Marriage Equality bill

6. Dezember 2009
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Ganz oben auf meiner politischen Wunschliste: ambitionierte und gleichzeitig mitreißende Redner wie Diane Savino – und die Quoten der Parlamentsdebatten bei Phoenix würden explodieren, wetten?