Alle Artikel mit dem Tag ‘Geschichte’

morbide: Beelitz-Heilstätten

16. Juli 2010



All Credits: Stumme Zone

Der Gesamtkomplex von 60 Häusern wurde während der Industrialisierung als Arbeiter-Lungenheilstätte für die Tuberkulose-Erkrankten am Rande Berlins eröffnet. Im ersten und zweiten Weltkrieg dienten diese als Lazarett für die Soldaten an der russischen Front, unter anderem für den jungen Adolf Hitler. Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung regenerierte sich hier Erich Honecker. Seit der Insolvenz 2000 liegt das Gelände brach und wurde in den letzten zehn Jahren einerseits für Fotoshootings und Filmproduktionen, z.B. von Polanskis Pianist, genutzt. Auf der anderen Seite wurden die alten Operationssäle aber auch für schwarze Messen und andere sadistische Handlungen missbraucht.   weiterlesen

Die verlassene Stadt

25. Juni 2010



Als Kehrseite zu den wuchernden Gärten in Manhattan floriert weiter oben im Nordwesten, in Detroit, gar nichts mehr. Dafür treiben sich in Ex-Motor City nur noch die blassen Geister von Ford herum. Denn seit 1950 hat sich die Bevölkerung halbiert und schon längst die Millionengrenze unterschritten. Seit der General Motors-Krise: Tendenz steigend. Es bleibt ein bisschen Rest-Optimismus in den Suburbs, wo man sich wie Eminem aus der Krise rappt, und ein postindustrielles Kleinod für Fotografen. In 200 Jahren lässt sich vielleicht auch hier wieder ohne Menscheneinfluss ein blühendes Flussdelta finden.   weiterlesen

Frausein bedeutet? Résponse de Femmes!

1. Mai 2010

1971 nahm in Deutschland die Bekennungswelle der Frauen mit dem STERN-Abtreibungscover einen Anfang. Akt 2 erfolgte ein Frankreich: ein Kurzfilm dazu, was Frausein 1975 bedeutete. Dagegen wirkt die nackte, schwangere Demi Moore auf dem Cover der Vanity Fair oder das Hymen-Gegrölle “Männer” von Grönemeyer weitaus gestriger.

Samstag legendär: Drachenburg und -fels

19. September 2009

DrachenburgnibelungenhalleDrachenfelsjulia am berg

Mit Nibelungenlied und Nusskuchen im Handgepäck begaben sich vier Düsseldorfer Exilfranken und zwei kleine Hunde bei warmem September-Sonnenschein auf die steilen Spuren von Siegfried, dem Drachentöter. Danach gab es auf halbem Abstieg Zwiebel-kuchen mit lecker Federweißer und ganz unten ein blankes Bade im Rhein. Grandios.

Ein Sonntag für die Annalen

20. Juli 2009

Am 19. Juli 2009 wurde es an der Zeit, mit einem Schandfleck in meinem Curriculum Vitae aufzuräumen. Soweit ich zurückdenken kann, schimpfe ich mich einen kulturell interessierten Menschen. Vor genau sechs Jahren zog ich ins Rheinland – dort, wo die Distanzen zwischen den Großstädten minimal sind und das museale Angebot immens. 2006 schloß ich meinen Bachelor in Neuester Geschichte mit “sehr gut” ab, Schwerpunkte waren die Nachkriegszeit und die 68er-Bewegung.
Es ist jedoch nicht zu verleugen (und es treibt mir beim Schreiben dieses Satzes die Schamesröte ins Gesicht, was Unbekannten kaum auffallen würde, da mein Teint generell einen permanenten Rotstich aufweist), dass ich gestern zum allerersten Mal im Haus der Geschichte in Bonn war. Doch wie heißt die Ausrede aller Prokrastinisten: was lange währt, wird endlich gut. Und das war es auch! (* Nachdem Freund und ich um 12.50 Uhr blitzschnell von schwer verkatert auf hellwach umschalteten, um es zur Führung durch den Kanzlerbungalow um 14 Uhr zu schaffen. Waren aber trotz aller Bemühungen erst um 14.07 Uhr vor Ort, wo es hieß, dass die 20 ausgewähten Besucher bereits seit 12.30 Uhr anstanden, als wir noch bei Kaffee und Honigbrot die ZEIT nach in Frage kommenden Ausstellungen sondierten)
So las ich mir höchst interessiert – die zeitgeschichtlichen Dokumente wirkten realiter weitaus fesselnder als auf jedem Mikrofilm – die Schreiben der Kriegsinhaftierten und Vermissenden durch, bewunderte einen Eierbecher aus Handgranaten, blätterte im ersten OTTO-Katalog nach Damen-Halbschuhen, nahm Platz im Rosinenbomber, war Teil der Wahl Adenauers, sah die Wochenschau von 1951 in der Lichtburg an, kürte die hübschesten Gardine der 50er und war verzückt über die Werbesprüche der Marke Kunert und der Matt Creme von 4711.
Da die ersten 15 Jahre der Bundesrepublik und der DDR jedoch drei Stunden in Anspruch nahmen und die Erfrischungsstäbchen in meiner Handtasche nur begrenzt den vom Vorabend bedingten Brand zu löschen vermochten, war beim Mauerbau Schluß. Dadurch blieb Zeit genug für Pommes rot-weiß in der Rheinaue und die Vorfreude auf einen zweiten Besuch – inkl. Kanzlerbungalow (Tag der offenen Tür ist übrigens am 30. August)

bn