Alle Artikel mit dem Tag ‘Bundestagwahl 2009’

Bilanz

31. Dezember 2009

2009 ist vorbei, over, fini. Dafür bin ich dankbar. Denn es war ein bescheidenes Jahr.

In materieller Hinsicht hatte einzig der Konjunktiv Hochkonjunktur. Dahingegen wurde mit dem Indikativ gegeizt: “Eigentlich hätte ich mir dieses Jahr endlich das Vitra Utensilo gekauft. Überhaupt wäre ich im Sommer ja einen Monat an die Westküste gefahren. Theoretisch würde ich schon mit in diese Bar, in der ein Drink 12 Euro kostet.” Doch wie sagte schon Stromberg so spitzfindig: “Hätte, hätte, Fahrradkette.” War nicht drin. Das Leben ist kein Wunschkonzert. 2009 gab es nur noch Heineken auf dem heimischen Sofa. Freiberufler und Selbstständige fanden sich zum Spaghettikochen zusammen statt im Sushi-Restaurant. Arcandor ging’s noch schlechter.

Man musste zur Kenntnis nehmen, dass selbst The King of Pop nicht unsterblich ist, Patrick Swayze nicht mehr zum letzten Tanz auffordern kann und Britanny Murphy nicht mehr clueless ist, sondern tot. Auch David Hasselhoff ist auf dem absteigenden Ast, mit KIT zu fahren wird zum Sicherheitsrisiko. Take That langweilten wie schon vor 15 Jahren. Und überhaupt kann keiner mehr richtig rappen. Die Helden unserer Jugend sind kaputt. Die Neuen waren auf der Lauer. Sie machten mit blauen Augen von sich reden wie Rihanna oder Hermaphrodit-Anwandlungen wie Lady Gaga. Ich lausche stattdessen den Alben von gestern und stöbere bei youtube nach vergangenen Perlen.

Modetechnisch gesehen fand dieses Jahr auch keine folgenreiche Neuentwicklung statt. Stattdessen wurden eifrig vergangene Dekaden aufgewärmt, solange bis Alexander McQueen im Herbst Schuhe in Mikrowellenformat entwarf und für eine kurze experimentelle Hochzeit sorgte. Dazwischen wurde die Weltkriegsstärke der Frauen in den 40 Jahren in der Breitschultrigkeit der 80er Jahre 2009 im breiten Rahmen wiederauferlebt. Stilikonen waren nicht mehr die verzottelten Boho-Ladies, sondern die adrett-akuraten First Ladies Carla und Michelle, die von den Flugzeugtreppen dieser Welt winken. Monki und Weekday sind The New H&Ms der U30-Generation.

Wahl war ja auch noch. Eine politische Zäsur nach einem enervierenden Wahlkampf. Schwarz-gelb regiert, weil viele rot sahen. Die Wähler schickten die Sozialdemokraten ins oppositionelle Abseits. Obama hat zwar den Friedensnobelpreis gewonnen, aber stagnierte mit der Health Reform und Guantánamo. Die Kämpfe in Darfur gingen dahin ungeachtet weiter. Es gab mehr Obdachlose auf der Straße und weniger Loyalität. So war das schon oft. Machiavellistische Zeiten.

Nächstes Jahr wird alles besser. Good night and good luck!

Des einen Freud und der anderen Leid

28. September 2009

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Photo Credits: Spiegel.de

Online-Wahlkampf made in Germany, pt. 2

26. Juni 2009

“Sie werden sich wünschen, wir wären politikverdrossen”
Von Zacharias Zacharakis auf Spiegel.de. Ein Auszug:
“All das birgt keine Überraschungen. Die Hoffnung der deutschen Parteien auf eine massenhafte Mobilmachung von Wählern im Netz ist ohnehin bereits der Erkenntnis gewichen, dass man dafür auch entsprechend charismatische Figuren bräuchte. Doch ein Barack Obama ist in Deutschland bisher nicht in Sicht.
Als wäre dies nicht genug, drohen nun Netzaktivisten, die Online-Kampagnen der beiden Regierungsparteien zu bekämpfen. Sie sind wütend auf die Union und vor allem auf die SPD, weil diese den Beschluss über Internetsperren gegen Kinderpornografie durchgeboxt haben – gegen alle Widerstände aus der Community und trotz einer Netz-Petition mit weit über 130.000 Unterstützern. (…)
Doch die Stimmen im Netz klingen alles andere als versöhnlich: “Sie werden sich wünschen, dass wir politikverdrossen sind!” Dieser Satz geistert als Schlachtruf durch zahlreiche Foren. Der in der Szene bekannte Politikblogger Michael Seemann alias MSpro, schreibt: “Wir werden die SPD in einen Sturm aus Scheiße schicken. Sie hat sich nämlich selber zum Feind des Internets gekürt.”"

Web Campaigning – made in Germany

4. März 2009

cduspd1Dass Obamas Internetkommuni-kation ein Exportschlager werden sollte war abzusehen. Dass vielleicht nicht immer alles übertragbar ist, auch. Trotzdem versuchen es SPD und CDU mit ihren zwei neuen Internet-portalen. Auch hier soll getwittert und geflickrt werden, Facebookgruppen gegründet, Videoansprachen eingebunden, Newsletter verschickt und natürlich (Politik und Geld liegen nah beieinander) Spenden generiert werden.Ganz egal, ob der Großteil der Nutzer die zweite Lebenshälfte bereits erreicht hat – wie bei der CDU – oder nicht. Die SPD hat da schon eine etwas jüngere Zielgruppe – man duzt sich wie es die Sozis seit jeher tun. Für sie initiiert sie meineSPD.net (Vernetz Dich). War Barack Obama doch mit mybarackobama.com so erfolgreich und ist es immer noch. Kaja Wasserhövel will sich eine Scheibe davon abschneiden. Eine dicke. Abgesehen von den adaptierten Instrumenten für mehr Partizipation, setzen die Volksparteien (insofern man die SPD noch als eine solche bezeichnen kann) auf ein neues Design: Icons statt viel Text. Das mag Sinn machen und gut aussehen, wäre es bei beiden nicht noch relativ insolide. Bei der SPD noch mehr als bei der CDU mit ihrer Überdosis an Orange. Nicht ganz so schlecht fällt jedoch die Usability aus. Hier punktet meiner Meinung nach die CDU, bietet deren Website auch nicht ganz so viel Inhalt und liegt nur als Deckmantel über der alten Website. Die SPD verwirrt mit Zahlen und Kapiteln wie das neue Jahrzehnt (wie? schon wieder 2010?), und versteckt ihre Navigation mir nichts dir nichts am Kopfe der Seite. Ich sag mal: wenn schon, denn schon.