21. Juli 2011




Vor fast zwei Wochen, nach fünf Tagen Mode und Mätzchen während der Berliner Fashion Week, war mir nach etwas Wahrhaftigem. Raus aus Mitte, rein nach Marzahn. Zugegeben, die “Gärten der Welt” wollte ich schon längst mal besucht haben. Aber kein Tag sollte dafür geeigneter sein als dieser Sonntag. Also: mit dem Benz hingecruist. In zwei Stunden durch die artifiziellen Gartenwelten von Japan, Korea, Bali und des Orients geschlendert. Den Chinesischen Turm von Marzahn bewundert (die Münchner Freunde werden an dieser Stelle die Nase rümpfen, das machen wir Bayern ja oft). Allen Ernstes im Labyrinth verlaufen. Doch auch das gehört zu einem soliden Curriculum Vitae, finde ich. Außerdem war ich noch ganz verschwurbelt von den Champagnerarien der letzten Tage. Als ich jedoch just in jenem Moment Google Maps auf dem iPhone anklickte, kam ich mir sehr debil vor. Später eine Büchse Bier getrunken und einen Kanten Brot gegessen, auf der Anhöhe mit Blick zu den Plattenbauten: dem “Marzahner Ausblick”. Runtergestiegen, mit einem kleinen Marzahner Mädchen parliert. Nach Hause gefahren. Katharsis zu Ende.
21. Juli 2011

Ich war lange auf der Suche nach guter türkischer Kost. Vegetarisch, versteht sich; und jenseits von schleimigen Salat-Taschen. Bei “Bal Köfteci” am Kottbusser Damm 101 in Neukölln meine ich nach dem ersten Besuch, diese gefunden zu haben. Besonders schätze ich hier, dass ich (als diejenige, der immer irgendwas an der vorgegebenen Speiseordnung nicht passt) mir mein Gericht selbst zusammenstellen kann: als sogenannter “Vegetarischer Wunschteller” für 4,50 Euro. Den kann man sich – wie man sieht – eigentlich auch gut zu zweit teilen, insofern nicht futterneidisch.
8. Juli 2011




Michael Sontag eröffnete im Jahr 1 nach seinem Sieg beim “Start your Fashion Business”-Award die Berliner Modewoche und bewies mit seiner Sommerkollektion, dass dieser wohlverdient war. Der Designer, der noch im Januar auf das gedämpfte Format der Präsentation setzte, zeigte seine vornehmlich in Pastell- und Erdtönen gehaltene Kollektion in Bewegung, was aufgrund der fließende Silhouetten, z.B. beim Schleppenartigen der Seidenkleider und Capes, durchaus Sinn machte. Auch sonst bewegt sich Sontag gerade stetig nach vorn: “The Corner” hat ihn als ersten deutschen Designer eben erst ins Programm genommen, auf “Couture Society” kann seine eben noch gezeigte Kollektion am nächsten Tag vorbestellt werden. Wenn sich alle Berliner Designer so entwickeln, dann werden wohl auch bald die ewigen Berlin-Kritiker verstummen. Mit “Heres comes the Sun” der Beatles schloß Sontags Show an diesem sonnigen Mittwochmorgen. Vom aufziehendem Gewitter, dessen Stimmung der Designer in seinen Stücken aufgriff (mit dem stechenden Gold, dem leichten Rosa und dem schweren Blaugrau), war erstmal keine Spur. Der Regen sollte erst abends kommen.
16. Mai 2011

Ein Geheimtipp, der längst keiner mehr ist: Im Fortuna’s Feast in Neuköllns gentrifiziertester Meile, der Weserstrasse, lädt Suzy Fracassa jeden Freitag zum Private Dining ein. An manchen Sonntagen gibt es Brunch. Obgleich das Wort “Private Dining” eine überschauliche Runde suggeriert – eine, in der man sich kennt oder spätestens bei der Vorspeise kennengelernt hat – führt Suzys E-Mail Verteiler 1.000 potentielle Gäste. Bis zu 40 von ihnen lassen die Woche an einem der großen Tische, die unter der Woche nicht genutzt werden, ausklingen. Wer meint, dass das nahe Beieinandersitzen unentwegt Gesprächsbedarf bedeute, liegt falsch. Man bleibt größtenteils unter sich; durch den Raum raunen viel englische Sprachfetzen. Es werden an diesem Abend gereicht, nach einem grünen Salat und einem Bohnen-Zucchini-Pesto Eintopf, die institutionalisierten “Little Dishes” – mittelgroße Speisen zu ca. 8 Euro, die beliebig kombiniert oder miteinander geteilt werden können; zwei von ihnen vegetarisch (das – wie ich meine, unvergessliche – israelische Cous Cous mit Edamame, Zuckerschoten und grünem Spargel sowie Artischoken-Spinat-Crostini). Daneben: gegrillte Scampi und ein Taco gefüllt mit Hühnchen zu Krautsalat. Auf das jeweilige Menü legt sich Suzy zwei bis drei Tage zuvor fest.

Von Montag bis Donnerstag steht Suzy in derselben kleinen Küche im hinteren Teil der beiden Gasträume und bereitet ihr Catering zu – mal für große Firmenmeetings oder Hochzeiten, ein anderes mal für eine Fotoproduktion von zehn Mann. (Während eines solchen habe ich zum ersten Mal Suzys Kochkünste getestet und war mehr als begeistert. Vom Salatdressing genauso wie von der Pasta mit Radiccio und Pilzen).
Der gute Geschmack und die Akribie bei der Auswahl der Zutaten kommen nicht von ungefähr. Auch Suzys Eltern sind leidenschaftliche Köche, deren jeweiliger kulinarischer Hintergrund aus unterschiedlichen Regionen Italiens zu kontrastreichen Neukreationen in der heimischen Küche führte. Bevor Suzy selbst professionell zu kochen begann, arbeitete sie in New York in der Werbung: einer Branche, in der Genuss nur in den Headlines geschrieben steht. Irgendwann hatte sie davon genug (“I hated this business”) und ging in die Gastronomie. Wobei sie in den Restaurants an der Upper East Side weniger als kochende Kraft tätig war denn als Waitress. Der Liebe wegen zog Suzy 1999 schließlich nach Berlin, drei Jahre später startete sie ihr Catering Business “Fortuna’s Table”. 2008 kam das “Feast” als Supperclub hinzu. Wem der übrigens noch nicht “private” genug ist, der kann die subtil, aber anspruchsvoll eingerichteten Räumlichkeiten für eigene Anlässe inklusive personalisierter Speisen, Getränke und Service mieten. Bei einem Rosen-Digestif, der nach dem gehaltvollen Sticky Toffee Banana Pudding seinen Nutzen voll entfalten konnte, fand Suzy Zeit, ein paar Fragen zu beantworten. weiterlesen
10. Mai 2011

Es ist jedes Jahr das Gleiche. Mit den steigenden Temperaturen sinkt die Kalorien-nachfrage der Frauen. Salat-Hamsterkauf ist die Folge. Für die Bikinifigur, wie die gestählten Fitnesstrainerinnen und dünnen Heftchen einen leeren Bauch schönreden. Übrigens kein besonders schönes Wort: Bikinifigur. Erinnert irgendwie an überfüllte Strände in Gran Canaria. Zurück zum Salat. Von ihm gibt es inzwischen massig Variationen (die großstädtischen Salatbars verlangen dafür ein Vermögen). Doch ohne Dressing sind sie alle gleich: ziemlich geschmacklos! Genauso wie die Fertig-mischungen aus dem Supermarkt trotz voll von Geschmacksverstärker.
In Berlin gibt es jetzt neue, bessere Salatsaucen – probiert und für einwandfrei befunden auf dem Wochenmarkt am Zionskirchplatz. Für all diejenigen, die ihren Bio-Salat auch bereits fertig gestückelt und gewaschen kaufen (aber auch für alle anderen), ist “blattgold” genau das Richtige. Die Dressings zu je 150 ml sind nicht ganz günstig (3,60 Euro). Der Name ist Programm – gerade beim “Superior Dressing” mit echten Blattgoldflocken – und reicht für etwa vier Aufgüsse. Dafür wird das Dressing nicht gestreckt, künstlich aromatisiert oder machinell gefertigt. Und das schmeckt man. Produziert wird “blattgold” vom “Haus der feinen Kost” und ist beispielsweise auch am Samstag auf dem Hackeschen Markt erhältlich.