Alle Artikel mit dem Tag ‘Barack Obama’

Obama und der arme Tuna

4. März 2010

Irgendwann hat alles ein Ende: Der Sushi-Wahn, losgetreten in den Nullerjahren, hat dem blauen Tuna übel zugesetzt. Seine Population sank deshalb so rapide ab, dass der Bestand nur noch fatale 20 Prozentpunkte aufweist (seit 1970). Bepackt mit der moralischen Keule konnte ich meinen Freundeskreis zunehmend vom Verzicht überzeugen. Doch ist mein Freundeskreis ein bewusst kleiner und Fremden in ihren Speiseplan reinzureden, liegt mir fern – überdies werden mehr als drei Viertel des Tunfisch in Japan verzehrt. Doch nun ergreift mein Freund Barack Partei für den Silberfisch, für einen Neuanfang.   weiterlesen

Barack Obama: zurück im Ring

28. Januar 2010

Schlechte Umfragewerte, öffentliche Diffamierungen und die aufkeimende Sehnsucht nach dem starken Republikaner: Obama musste in letzter Zeit einiges einstecken. Als Messias fing er an, nun ist er Mensch. Sogar die Atlantische Akademie lud heute morgen schon zum Obama-Abgesang ein.
Aber, hey, alles halb so schlimm: Wie das Video zeigt, haben er und seine Kongresskollegen (man beobachte nur Vize Joe) während der ersten “State of the Union” jede Menge Schenkelklopfer zu verzeichnen. Was ist er doch ein Spaßvogel, der Barack. Bei so viel politischen Pathos fragt man sich dann doch, warum Obamas Lage nicht besser ist. (…)
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Bilanz

31. Dezember 2009

2009 ist vorbei, over, fini. Dafür bin ich dankbar. Denn es war ein bescheidenes Jahr.

In materieller Hinsicht hatte einzig der Konjunktiv Hochkonjunktur. Dahingegen wurde mit dem Indikativ gegeizt: “Eigentlich hätte ich mir dieses Jahr endlich das Vitra Utensilo gekauft. Überhaupt wäre ich im Sommer ja einen Monat an die Westküste gefahren. Theoretisch würde ich schon mit in diese Bar, in der ein Drink 12 Euro kostet.” Doch wie sagte schon Stromberg so spitzfindig: “Hätte, hätte, Fahrradkette.” War nicht drin. Das Leben ist kein Wunschkonzert. 2009 gab es nur noch Heineken auf dem heimischen Sofa. Freiberufler und Selbstständige fanden sich zum Spaghettikochen zusammen statt im Sushi-Restaurant. Arcandor ging’s noch schlechter.

Man musste zur Kenntnis nehmen, dass selbst The King of Pop nicht unsterblich ist, Patrick Swayze nicht mehr zum letzten Tanz auffordern kann und Britanny Murphy nicht mehr clueless ist, sondern tot. Auch David Hasselhoff ist auf dem absteigenden Ast, mit KIT zu fahren wird zum Sicherheitsrisiko. Take That langweilten wie schon vor 15 Jahren. Und überhaupt kann keiner mehr richtig rappen. Die Helden unserer Jugend sind kaputt. Die Neuen waren auf der Lauer. Sie machten mit blauen Augen von sich reden wie Rihanna oder Hermaphrodit-Anwandlungen wie Lady Gaga. Ich lausche stattdessen den Alben von gestern und stöbere bei youtube nach vergangenen Perlen.

Modetechnisch gesehen fand dieses Jahr auch keine folgenreiche Neuentwicklung statt. Stattdessen wurden eifrig vergangene Dekaden aufgewärmt, solange bis Alexander McQueen im Herbst Schuhe in Mikrowellenformat entwarf und für eine kurze experimentelle Hochzeit sorgte. Dazwischen wurde die Weltkriegsstärke der Frauen in den 40 Jahren in der Breitschultrigkeit der 80er Jahre 2009 im breiten Rahmen wiederauferlebt. Stilikonen waren nicht mehr die verzottelten Boho-Ladies, sondern die adrett-akuraten First Ladies Carla und Michelle, die von den Flugzeugtreppen dieser Welt winken. Monki und Weekday sind The New H&Ms der U30-Generation.

Wahl war ja auch noch. Eine politische Zäsur nach einem enervierenden Wahlkampf. Schwarz-gelb regiert, weil viele rot sahen. Die Wähler schickten die Sozialdemokraten ins oppositionelle Abseits. Obama hat zwar den Friedensnobelpreis gewonnen, aber stagnierte mit der Health Reform und Guantánamo. Die Kämpfe in Darfur gingen dahin ungeachtet weiter. Es gab mehr Obdachlose auf der Straße und weniger Loyalität. So war das schon oft. Machiavellistische Zeiten.

Nächstes Jahr wird alles besser. Good night and good luck!

Brandt, Gorbatschow, Mandela, Obama.

10. Oktober 2009

Barack Obama hat vor knapp einem Jahr die amerikanische Präsidentschaftswahl gewonnen. Für diesen erdrutschartigen Wahlsieg gab es viele Gründe. Er versprach, die Kriege in Afghanistan und dem Irak, die er freilich nicht begonnen hat, verantwor-tungsvoll zu beenden und seinem Land eine gesetzliche Krankenvorsorge zu geben, wovon es seit Jahrzehnten träumt – zuletzt unter Bill Clinton. Guantánoma Bay, der amerikanische Schandfleck, soll geschlossen werden und die Welt besser heute als morgen frei von Atomwaffen sein.

Das alles sind hoffnungsvolle Aussichten, die irgendwie auch alle selbstverständlich sind, aber deren sich bisher keiner glaubwürdiger angenommen hat als Barack Obama – auch wenn die reale Umsetzung in den genannten Bereichen noch recht holprig verläuft. Die Last wiegt schwer. Doch zumindest das außenpolitische Klima hat sich im letzten Jahr verbessert.

Deswegen bekam Barack Obama vom Osloer Friedensnobelpreiskommittee gestern reichlich Vorschusslorbeeren. Und wird wieder einmal in der Nachfolge von Martin Luther King genannt. Die erste Reaktion: Ein ungläubiges “Wow”. Die zweite: “Ich habe das nicht verdient!” Das Potential, diesen Preis auch in 20 Jahren verdient zu haben, ist sicherlich vorhanden. Die Determinanten auch. Eine Win-Win-Situation sieht anders aus.

Veni, vidi, vici? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Angry Paul

21. August 2009

War Paul Krugman in seiner letzten Times-Kolumne zu Obamas Gesundheitsreform-VORHABEN noch gnädig, indem er die Hürden in den Vordergrund stellte, nannte er gestern die weit kostengünstigere Alternative “nonprofit co-ops” eine Schande: “Unfortunately, the president’s behavior in office has undermined that confidence.”
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