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Balmain Spring 2011: rockt immer noch

12. Oktober 2010

Das Neueste ist es nicht, beides: Die Show von Balmain während der kürzlichen Pariser Fashion Week, die schon zehn Minuten nachdem die Gäste das Interconti nahe der Oper verlassen haben durch das Netz kursierte. Auch nicht die Tatsache, dass Christophe Decarnin nach einer Brokat-bepackten, mehr Militarylastigen Kollektion 2009 wieder Lederjacken im Bikerlook (Diesmal, Achtung Innovation: besetzt von Nieten) über zerschlissenen Shirts und zu gebleichten oder gebatikten Jeans in Dreiviertel-Länge zeigte. Punk eben, beschallt von Sid Vicious, der in Lederröhre eine genauso gute Figur macht wie eine Carmen Kass, Sasha Pivovarova oder Daria Werbowy. Stilecht mit Sicherheitsnadeln, die in tagelanger Kleinstarbeit auf das kleine Höschen gepinnt wurde, bis dieses dann ganz rebellisch an die 12.000 Euro kostet. Ein Betrag, den sich nur die leisten können, die im Etablissement ganz oben stehen – fernab vom Nonkonformismus. Ein dennoch hübscher Widerspruch!

Nachtrag zur Military Mode 2010

30. Mai 2010


Credits: Jean Paul Gaultier und Balmain Spring/Summer 2010 on Style.com

Erst Aufmarsch auf den Laufstegen bei Gaultier, Balmain und einigen anderen. Dann, ein halbes Jahr später, Kampfesgelüster in Glamour, InStyle und Gala sowie online: Der Military Style ist mal wieder da. Die Publikationen rühmen unisolo die unglaublichen Variationsmöglichkeiten (Stichwort “Stilbruch”) einer derben Gestaltungsbasis mit Verniedlichendem wie Blümchenkleid.

Von Entrüstung wie in den Siebzigern – als Vivienne Westwood und Malcolm McLaren zum ersten Mal der Provokation durch den Punk ein gebührend militantes Aussehen verliehen (gegenüber den friedliebenden Hippies auf der anderen Seite des Atlantik) – keine Spur. Stattdessen gehören Parka und derbe Schnürschuhe neuerdings zum Samstagsausgeh-Outfit der angehenden Unternehmensberaterin. Auch das Camouflagemuster wurde schon in den Neunzigern von rauen Rappern, die heute Armani tragen, wenig verborgen getragen.

Warum also die Rückkehr zu einem Modestil, der sich weniger mit den letzten verbleibenden, den ewigen Kriegsschauplätzen dieser Welt, beschäftigt als vor allem mit sich selbst? Denn damals, beim Aufkeimen, gab es immerhin noch Chile und Vietnam. Drei Erklärungsansätze:   weiterlesen