27. September 2011


Spitzenkaffee auch in Los Angeles, besser gesagt in Venice Beach und damit in unmittelbarer Nähe zu unserem bezaubernden Beach-Condo mit den immer netten, kiffenden Nachbarn (um die 40): Groundwork Coffee. Das Café – ein paar wenige Plätze im Inneren, mehr davor – fungiert eigentlich als Fabrikverkauf der Biorösterei (Bohnen zum größten Teil aus fairem Handel), ist aber eine Institution per se – sowohl für die Nachbarn als auch die Touristen, die zum fünf Minuten entfernten Strand schlappen. Deswegen ist der Coffeeshop gerade zwischen 9 und 11 Uhr morgens extrem gut gefüllt. Für einen Latte anzustehen lohnt sich übrigens nicht, gibt es doch sechs Sorten aus Eigenproduktion zur Selbstbetankung. Ich empfehle diese drei: “Angels Brew”, den Milden. “Venice Brew”, etwas kräftiger und mein Favorit. Sowie “Bitches Brew”, die starke Mischung, nach einer langen Nacht. Dazu schmeckt nichts besser als das “Banana Bread” und ein kleines Eiersandwich mit gebratenem Gemüse für die Freunde des deftigen Frühstücks. Achja, man kann sich natürlich auch beliebige Mengen des favorisierten Kaffees vor Ort abfüllen und mitnehmen (das Pfund zu ca. 14 Dollar). Obwohl zuhause Kaffee trinken in den USA ja fast schon eine Rarität ist, was jedoch halb so schlimm ist, gebe es mehr Plätze wie Groundwork Coffee. (Anmerkung: Im – wegen Promidichte - hippen Urth Caffé an der Melrose Place schmeckt der Kaffee nämlich nicht halb so gut wie bei Groundwork, sondern schlicht bitter. Die Sandwiches sind dagegen top. Und auch das “Rose Café” vier Blocks weiter in Venice kann mehr in Sachen fancyness mithalten, als was guten Kaffee angeht. Dafür hat es einen großen Außenbereich und leckere, aber nicht ganz günstige Salate.)
16. September 2011
Gedenkfeier vor 9/11 Memorial Site: Verlesung der Namen der Opfer.
Einige von ein paar hundert Flaggen im Battery Park. Dahinter: der neue, halb errichtete Freedom Tower.
Mitleidsbekundungen aus aller Welt.
Am Times Square.
Barney’s in der New York Times vom 11. September 2011
Die letzte Woche in New York wurde vor allem von zwei Dingen bestimmt: der Modewoche und dem 10. Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001. Dazu waren extra, wie ich am Flughafen in der Immigration Line am Freitag zuvor bemerkte, nicht nur Feuerwehrmänner aus Miami angereist, sondern auch die der Freiwilligen Feuerwehr aus Wuppertal, um der verstorbenen Kollegen zu gedenken. Deshalb wunderte ich mich ein wenig, dass am Morgen des 9. September 2011, um viertel vor neun, als Obama zur Schweigeminute aufrief, der Andrang doch recht gemäßigt war – zwischen Fulton und Wall Street, rund um die Memorial Site. Dort standen nämlich maßgeblich Christen und Verschwörungstheoretiker. Vielleicht lag es daran, dass die Sicherheits- und Passkontrolle-Schlange länger aussah, als die Prüfung dauerte. Doch nur, wer sich der – verständlicherweise – unterzog, konnte zur Absperrung an der neuen Memorial Site gelangen, die an diesem Tage zu Recht den Angehörigen und der Politikprominenz (Ms. und Mrs. Obama, George W. Bush, Hillary, Bloomberg) vorbehalten war. Nach der Schweigeminute wurden hier von Familie und Freunden die Namen der knapp 3.000 Opfer verlesen, was auf großen Bildschirmen mitverfolgt werden konnte – ein bedrückender Moment, der auch aus der Distanz extrem nahe gehen sollte. Am Abend dann die Feuerwehrleute: zumindest kleine Gruppen, die unter anderem am Times Square stillschweigend aufmarschierten, der geziert war weniger von Leuchtwerbung als dem leuchtenden Stars Sprangled Banner. Im Schauenzelt am Lincoln Center 80 Blocks nördlich hing übrigens auch eine vom Dachgerüst. Allerdings schaut man hier vor allem auf den Boden: auf das extravagante Schuhwerk der Besucherinnen. Doch dazu später mehr und an anderer Stelle.
1. September 2011







Als gebürtige Bayerin und nach Preußen Emigrierte muss ich mindestens einmal im Jahr die Berge – die richtigen, nicht die Uckermark-Höcker – aufsuchen. Sonst kriege ich schlechte Laune. Ob zum Snowboardfahren oder Wandern ist mir völlig egal. Wobei Wandern eindeutig die günstigere Alternative zur Liftkarte von vierzig Euro ist. Letztes Wochenende sollte es dann also ganz heimelig werden: bei einem erneuten Ausflug zur Coburger (!) Hütte. Diese liegt nämlich nicht in Franken, sondern mitten in Tirol auf der “Sonnenseite der Zugspitze” – so wirbt der Tourismusverband. Und feiert just in diesem Jahr 110 Jahre Bestlage sowie eine neue Bettenanlage, die man Monate vorher buchen sollte (um dann zu hoffen, dass das Wetter gut ist). Scheint der neue Hotspot zu sein. Ist ja auch kein Wunder, mit dem Blick auf zwei glasklare Gebirgseen (namentlich: Drachensee und Seebensee), die bereits erwähnte Zugspitze und sehr solidem Essen, von dem Käsknödel und Kaiserschmarrn getestet und für gut befunden wurden. Hat man sich schleißlich verdient, die KalorienCholesterinZufuhr, nach vier Stunden Aufstieg von Ehrwald aus, der lediglich unterbrochen wurde, wenn eine Kuh den Weg kreuzte. Nur die Yvonne, das freche Stück, die haben wir leider nicht gesehen. So reise ich wohl ohne 10.000 Euro Finderlohn in die USA. Verdammt!
Nachtrag vom 02.09.2011: Yvonne wurde gefasst und das erste Foto (die kleine Kuh) stammt von Wanderskollegin Sabine Sch.
21. Juli 2011




Vor fast zwei Wochen, nach fünf Tagen Mode und Mätzchen während der Berliner Fashion Week, war mir nach etwas Wahrhaftigem. Raus aus Mitte, rein nach Marzahn. Zugegeben, die “Gärten der Welt” wollte ich schon längst mal besucht haben. Aber kein Tag sollte dafür geeigneter sein als dieser Sonntag. Also: mit dem Benz hingecruist. In zwei Stunden durch die artifiziellen Gartenwelten von Japan, Korea, Bali und des Orients geschlendert. Den Chinesischen Turm von Marzahn bewundert (die Münchner Freunde werden an dieser Stelle die Nase rümpfen, das machen wir Bayern ja oft). Allen Ernstes im Labyrinth verlaufen. Doch auch das gehört zu einem soliden Curriculum Vitae, finde ich. Außerdem war ich noch ganz verschwurbelt von den Champagnerarien der letzten Tage. Als ich jedoch just in jenem Moment Google Maps auf dem iPhone anklickte, kam ich mir sehr debil vor. Später eine Büchse Bier getrunken und einen Kanten Brot gegessen, auf der Anhöhe mit Blick zu den Plattenbauten: dem “Marzahner Ausblick”. Runtergestiegen, mit einem kleinen Marzahner Mädchen parliert. Nach Hause gefahren. Katharsis zu Ende.