Alle Artikel mit dem Tag ‘auf Reisen’

Schöner als New York ist nur Südtirol.

19. Dezember 2011

Ich war gerade für einen Job drei Tage in Südtirol – genauer gesagt in Meran, Bozen und auf dem Berg, im perfekten (!) Hotel. Die kulinarischen Erlebnisse waren wie immer reichlich. Ich meine, wo es Pasta und Knödel gibt, Tramezzini und Vinschgauer, hausgemachtes Bircher Müsli und besten Rotwein, und vor allem die BERGE, da lässt es sich wohl noch länger aushalten. Deshalb mache ich mich mal an die Planung, um nach der fulminanten Kalifornien-Tour eine Südtirol/Österreich/Italien-Tour fürs nächste Frühjahr zur Apfelblüte zu planen. Bis dahin überbrücke ich die Zeit mit dem mitgebrachten (Schüttel-)Brot, Wein und Knödeln. Allora!














Biomarkt in Baumarkt-Größe.

28. September 2011







In Deutschland sind die Bioläden klein und manchmal auch ein bißchen muffig. Wenn ich an die Zeiten denke, in denen ich für ein Biobrot oder eine -Milch noch das nicht mehr als 50 Qudratmeter große Reformhaus der Kleinstadt aufsuchen musste, hat sich inzwischen einiges getan. Heute gibt’s in meiner Nachbarschaft beispielsweise den LPG-Supermarkt, der bei der Eröffnung vor vier Jahren noch als “Europas größter Bio-Supermarkt” angepriesen wurde. In Sachen Charme zeigt er im Jahre 5 leider immer noch nicht ganz so viel Größe. Noch zu unansprechend ist das Essen drapiert, zu teuer oft die Preise. In den Staaten ist der Einkauf von whole foods, also Lebensmittel ohne Zusatzstoffe, sondern natürlich belassen, eine ganz andere Nummer – eine, die mich beim ersten Whole Foods-Besuch in New York vor drei Jahren schlicht überwältigt hat; in dem Moment, als ich das erste Mal vor den zubereiteten Salaten und warmen Gerichten stand, die ich mir frei nach Gusto zusammenstellen konnte. Ich kannte vorher ja nur die Fotos von jungen Schauspielerinnen, die sich in besagter Kette ihr Essen kaufen. So tat ich es dann also auch, ein knappes halbes Jahr lang in New York – sechs Monate, in dem nicht nur das Land einen Wirtschaftscrash erlitt, sondern sich auch mein angespartes Vermögen viel zu schnell verflüssigte. Nur war mir dabei immer etwas mulmig zumute: diese Mengen an Essen, aufgetürmt bis zur Decke und so frisch, dass man es eigentlich am selben Abend noch wegschmeißen muss, um Qualitätstandards zu halten. In Los Angeles sollte ich das Ganze vor ein paar Tagen nochmal in einer ganz anderen Dimension erleben. In der gab es auch noch eine Raw- (sehr beliebt an der Westküste) und eine Healthy Food-Ecke gibt, sowie eine Theke für Mexikanische Kost und die, an der man sich seine Pho selbst komponieren kann. Außerdem gibt es nicht etwa ein bis drei Bread Puddings zum Nachtisch, sondern – oh ha! – acht verschiedene Sorten. Und Cracker, Mehl, Nüsse oder Reis (in ca. 40 Varianten) kann man sich auch noch selbst bemessen. Das alles untergebracht in einem Gebäude, das so groß ist wie ein neuer Baumarkt an der Stadtgrenze. Denn nur in diesem Gigantismus wird eine Auswahl – großteils vegetarisch, was ich per schon mal goutiere – möglich gemacht, in der man geschätzt zwei Jahre jeden Tag etwas anderes essen kann. Und zwar genau das, worauf man gerade Lust hat (nicht so wie bei der Biokiste, die vorgibt, was es eben zu Zeit regional bzw. saisonal auf dem Feld und an den Bäumen gibt – ein ebenfalls von mir geschätztes Konzept.). Was soll ich sagen: Auch während dieser US-Reise kompensierte Whole Foods das ein oder andere Mal teure Restaurantbesuche. Nur ganz sicher bin ich mir immer noch nicht (obwohl es wieder einmal gut geschmeckt hat heute abend; sogar die veganen Schinkenwürfel auf dem Salat), ob viel nicht zu viel ist, sondern einfach der Luxus unserer Zeit, in einem auf Convenience bedachten Land? Und daran schließt sich gleich folgende Frage an: Ist Berlin – nach den UK und den USA – reif für Whole Foods? Ich meine: ja!

Lieblingskaffee in LA: Groundwork

27. September 2011


Spitzenkaffee auch in Los Angeles, besser gesagt in Venice Beach und damit in unmittelbarer Nähe zu unserem bezaubernden Beach-Condo mit den immer netten, kiffenden Nachbarn (um die 40): Groundwork Coffee. Das Café – ein paar wenige Plätze im Inneren, mehr davor – fungiert eigentlich als Fabrikverkauf der Biorösterei (Bohnen zum größten Teil aus fairem Handel), ist aber eine Institution per se – sowohl für die Nachbarn als auch die Touristen, die zum fünf Minuten entfernten Strand schlappen. Deswegen ist der Coffeeshop gerade zwischen 9 und 11 Uhr morgens extrem gut gefüllt. Für einen Latte anzustehen lohnt sich übrigens nicht, gibt es doch sechs Sorten aus Eigenproduktion zur Selbstbetankung. Ich empfehle diese drei: “Angels Brew”, den Milden. “Venice Brew”, etwas kräftiger und mein Favorit. Sowie “Bitches Brew”, die starke Mischung, nach einer langen Nacht. Dazu schmeckt nichts besser als das “Banana Bread” und ein kleines Eiersandwich mit gebratenem Gemüse für die Freunde des deftigen Frühstücks. Achja, man kann sich natürlich auch beliebige Mengen des favorisierten Kaffees vor Ort abfüllen und mitnehmen (das Pfund zu ca. 14 Dollar). Obwohl zuhause Kaffee trinken in den USA ja fast schon eine Rarität ist, was jedoch halb so schlimm ist, gebe es mehr Plätze wie Groundwork Coffee. (Anmerkung: Im – wegen Promidichte - hippen Urth Caffé an der Melrose Place schmeckt der Kaffee nämlich nicht halb so gut wie bei Groundwork, sondern schlicht bitter. Die Sandwiches sind dagegen top. Und auch das “Rose Café” vier Blocks weiter in Venice kann mehr in Sachen fancyness mithalten, als was guten Kaffee angeht. Dafür hat es einen großen Außenbereich und leckere, aber nicht ganz günstige Salate.)

Entlang des Pazifiks

22. September 2011





Fotos: Julia Stelzner

Auch in San Franciso der Wanderslust nachgekommen – am ersten richtig warmen Tag. Die Route ging entlang des Pazifiks, hin zur Golden Gate Bridge: eine Strecke, die wie alles auf der Karte nicht besonders lang aussieht und sich wegen der Hügellagen (wie überall in der Stadt) doch um ein Vielfaches verzögern sollte. Am Ende lockte ein Besuch in San Franciscos bekanntestem vegetarischem Restaurant, dem “Green’s“, am beschaulichen Fort Mason.

Kein ganz normaler Sonntag

16. September 2011

Gedenkfeier vor 9/11 Memorial Site: Verlesung der Namen der Opfer.
Einige von ein paar hundert Flaggen im Battery Park. Dahinter: der neue, halb errichtete Freedom Tower.
Mitleidsbekundungen aus aller Welt.
Am Times Square.
Barney’s in der New York Times vom 11. September 2011

Die letzte Woche in New York wurde vor allem von zwei Dingen bestimmt: der Modewoche und dem 10. Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001. Dazu waren extra, wie ich am Flughafen in der Immigration Line am Freitag zuvor bemerkte, nicht nur Feuerwehrmänner aus Miami angereist, sondern auch die der Freiwilligen Feuerwehr aus Wuppertal, um der verstorbenen Kollegen zu gedenken. Deshalb wunderte ich mich ein wenig, dass am Morgen des 9. September 2011, um viertel vor neun, als Obama zur Schweigeminute aufrief, der Andrang doch recht gemäßigt war – zwischen Fulton und Wall Street, rund um die Memorial Site. Dort standen nämlich maßgeblich Christen und Verschwörungstheoretiker. Vielleicht lag es daran, dass die Sicherheits- und Passkontrolle-Schlange länger aussah, als die Prüfung dauerte. Doch nur, wer sich der – verständlicherweise – unterzog, konnte zur Absperrung an der neuen Memorial Site gelangen, die an diesem Tage zu Recht den Angehörigen und der Politikprominenz (Ms. und Mrs. Obama, George W. Bush, Hillary, Bloomberg) vorbehalten war. Nach der Schweigeminute wurden hier von Familie und Freunden die Namen der knapp 3.000 Opfer verlesen, was auf großen Bildschirmen mitverfolgt werden konnte – ein bedrückender Moment, der auch aus der Distanz extrem nahe gehen sollte. Am Abend dann die Feuerwehrleute: zumindest kleine Gruppen, die unter anderem am Times Square stillschweigend aufmarschierten, der geziert war weniger von Leuchtwerbung als dem leuchtenden Stars Sprangled Banner. Im Schauenzelt am Lincoln Center 80 Blocks nördlich hing übrigens auch eine vom Dachgerüst. Allerdings schaut man hier vor allem auf den Boden: auf das extravagante Schuhwerk der Besucherinnen. Doch dazu später mehr und an anderer Stelle.