Es ist schon ein wenig her, dass ich Markus Lupfer in seinem Londoner Atelier zum Gespräch für das Zeitgeist-Blog der Achtung getroffen habe, um mit ihm über seine neue Herrenkollektion, Social Media Zwänge und die Zusammenarbeit mit vier äthiopischen Jungdesignern (im Auftrag des Goethe Instituts) gesprochen habe. Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview. Zum ganzen Text bitte hier entlang.
Achtung:
In jener Herrenkollektion sind auch deine mit Pailetten besetzten Oberteile, z.B. in Form eines Totenkopfes, vertreten. Wie kommt es eigentlich zu den jeweiligen Motiven?
Markus Lupfer:
Es kommt vor allem auf die Saison an. Bei der Frauenkollektion hat sich die Lippe beispielsweise durch ein paar Saisons hinweg entwickelt. Ich schaue generell schon, was der Markt verlangt.
Achtung:
Wie ist das für dich als kleines Label eigentlich: Du lancierst pro Jahr immerhin vier Frauen- und zwei Herrenkollektionen – mit nur sieben festen Mitarbeitern. Fällt es dir so leichter, den Überblick zu behalten? Oder wird es manchmal auch ganz schön viel?
Markus Lupfer:
Es ist schon sehr anstrengend. Es gibt die ganze Zeit Deadlines zu beachten. Es geht dabei nicht nur um die Entwicklung der Kollektion, sondern auch um die Auslieferung und die Pressearbeit. Je mehr Kollektionen du machst, desto mehr Druck hast du. Trotzdem ist es für ein unabhängiges Business – ich habe keinen Sponsor – einfacher, sich über vier Kollektionen zu finanzieren als über zwei. Aktuell arbeiten wir gleichzeitig an der Resort-, Sommer- und der Pre-Winter-Kollektion.
Achtung:
Du bist allerdings auch darüberhinaus online aktiv und hast für die britische Harper‘s Bazaar aus Äthiopien gebloggt. Das fand ich sehr gelungen. Allerdings habe ich mich gewundert, warum dich kein deutsches Medium zu diesem Zweck engagiert hat.
Markus Lupfer:
Das war so: Ich hatte ein Meeting mit Harper‘s Bazaar und habe dabei von dem Projekt für das Goethe Institut erzählt. Die von Harper‘s waren gleich begeistert und haben gefragt, ob ich nicht darüber bloggen will. Das habe ich dann auch gerne gemacht.
Achtung:
Was in puncto Öffentlichkeitsarbeit durchaus sinnvoll war, nachdem darüber diskutiert wurde, warum ein armes Land wie Äthiopien ein Projekt wie dieses braucht…
Markus Lupfer:
Ich hoffe für das Projekt, dass wir damit eine „Fashion Education“ aufbauen konnten, die es so in Addis Abeba vorher nicht gab. Mit Ausbildung und Infrastruktur kann etwas bewegt werden. Klar, Mode ist für die breite Öffentlichkeit nicht das A und O. Jedoch gibt es trotzdem – auch in Äthiopien – eine Mittel- und eine Oberschicht. Und die wollen beide modisch sein. Warum die Mode dann nicht im eigenen Land kaufen? Deswegen denke ich, dass der Aufbau einer äthiopischen Modeindustrie Sinn macht. Selbst wenn Mode vielleicht unnütz ist, muss trotzdem jeder was anziehen. So entwirft eine unserer Designerinnen traditionelle Braut- und Abendkleider. Und in Äthiopien werden Hochzeiten groß gefeiert.



