Alle Artikel mit dem Tag ‘Achtung Zeitgeist’

Markus Lupfer auf Achtung Zeitgeist

5. Juli 2011


Es ist schon ein wenig her, dass ich Markus Lupfer in seinem Londoner Atelier zum Gespräch für das Zeitgeist-Blog der Achtung getroffen habe, um mit ihm über seine neue Herrenkollektion, Social Media Zwänge und die Zusammenarbeit mit vier äthiopischen Jungdesignern (im Auftrag des Goethe Instituts) gesprochen habe. Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview. Zum ganzen Text bitte hier entlang.

Achtung:
In jener Herrenkollektion sind auch deine mit Pailetten besetzten Oberteile, z.B. in Form eines Totenkopfes, vertreten. Wie kommt es eigentlich zu den jeweiligen Motiven?

Markus Lupfer:
Es kommt vor allem auf die Saison an. Bei der Frauenkollektion hat sich die Lippe beispielsweise durch ein paar Saisons hinweg entwickelt. Ich schaue generell schon, was der Markt verlangt.

Achtung:
Wie ist das für dich als kleines Label eigentlich: Du lancierst pro Jahr immerhin vier Frauen- und zwei Herrenkollektionen – mit nur sieben festen Mitarbeitern. Fällt es dir so leichter, den Überblick zu behalten? Oder wird es manchmal auch ganz schön viel?

Markus Lupfer:
Es ist schon sehr anstrengend. Es gibt die ganze Zeit Deadlines zu beachten. Es geht dabei nicht nur um die Entwicklung der Kollektion, sondern auch um die Auslieferung und die Pressearbeit. Je mehr Kollektionen du machst, desto mehr Druck hast du. Trotzdem ist es für ein unabhängiges Business – ich habe keinen Sponsor – einfacher, sich über vier Kollektionen zu finanzieren als über zwei. Aktuell arbeiten wir gleichzeitig an der Resort-, Sommer- und der Pre-Winter-Kollektion.

Achtung:
Du bist allerdings auch darüberhinaus online aktiv und hast für die britische Harper‘s Bazaar aus Äthiopien gebloggt. Das fand ich sehr gelungen. Allerdings habe ich mich gewundert, warum dich kein deutsches Medium zu diesem Zweck engagiert hat.

Markus Lupfer:
Das war so: Ich hatte ein Meeting mit Harper‘s Bazaar und habe dabei von dem Projekt für das Goethe Institut erzählt. Die von Harper‘s waren gleich begeistert und haben gefragt, ob ich nicht darüber bloggen will. Das habe ich dann auch gerne gemacht.

Achtung:
Was in puncto Öffentlichkeitsarbeit durchaus sinnvoll war, nachdem darüber diskutiert wurde, warum ein armes Land wie Äthiopien ein Projekt wie dieses braucht…

Markus Lupfer:
Ich hoffe für das Projekt, dass wir damit eine „Fashion Education“ aufbauen konnten, die es so in Addis Abeba vorher nicht gab. Mit Ausbildung und Infrastruktur kann etwas bewegt werden. Klar, Mode ist für die breite Öffentlichkeit nicht das A und O. Jedoch gibt es trotzdem – auch in Äthiopien – eine Mittel- und eine Oberschicht. Und die wollen beide modisch sein. Warum die Mode dann nicht im eigenen Land kaufen? Deswegen denke ich, dass der Aufbau einer äthiopischen Modeindustrie Sinn macht. Selbst wenn Mode vielleicht unnütz ist, muss trotzdem jeder was anziehen. So entwirft eine unserer Designerinnen traditionelle Braut- und Abendkleider. Und in Äthiopien werden Hochzeiten groß gefeiert.

Printexpansion wider der Krise

5. November 2010

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem Jessica Reitz und Mark Kiessling von Berlins Magazin-Fachgeschäft “do you read me?!” aufgrund ihrer verschiedenen Messepräsenzen selten gemeinsam in der Auguststrasse 28 in Mitte anzutreffen waren, ist das Interview mit den beiden nun seit ein paar Tagen online auf Achtung-Zeitgeist. Darin erzählen sie über die sich am besten verkaufenden Pubilkation, neue Tendenzen im Editorial Design und eine Veränderung des Magazinkonsums durch Blogs und das iPad. Dazu ein Auszug…

Achtung: Wie gefallen Euch die neuen Magazine, die aus Blogs entstanden sind?

Jessica Reitz: Bei “I love you“ finde ich das sehr gelungen. Ich finde es aber auch interessant, dass es nicht länger nur zwei Medien sind, die sich voneinander abgrenzen, sondern dass sich das mitunter hervorragend ergänzen kann. Auch “I like my Style“ kommt ganz gut an…

Mark Kiessling: …wobei das ja auch gut nur als Blog funktionieren würde. Aber auch andersherum, wie beim Achtung Zeitgeist, können aus Print-Magazinen interessante Blogs entstehen oder eben wie beim “T Magazine“, welches ja gedruckt alle zwei Wochen erscheint und online nahtlos fortgeführt wird. Ich glaube, dass die Synergieeffekte von Blog und Print noch lange nicht ausgereizt sind und wir uns noch auf einige gute Publikationen aus diesem Bereich freuen können.

Achtung: Denkt Ihr persönlich, dass neue Technologien wie das iPad Einfluss auf den Konsum von Printprodukten haben werden?

Jessica Reitz: Nein. Ich denke, für die reinen Informationsmedien wie den “Spiegel“ wird es schwieriger werden. Aber ich merke es an mir selbst oder wenn ich mit Kunden spreche: mit einem iPad liest man einfach anders. Es geht dabei aber auch vorallem um den selbstverständlichen Umgang mit dem Medium, bzw. dem Distributionsweg Internet selbst. Zum Beispiel “The Economist“, da kostet von Anfang an die Online-Ausgabe so viel wie die Print-Ausgabe. Und in dieser Hinsicht haben die Verlage einfach auch etwas verpasst – zu denken, dass sie das alles kostenlos anbieten müssen, obwohl Inhalt und Recherche den gleichen Aufwand verlangen. Da kann das iPad oder der iTunes-Store mit neuen Vertriebstrukturen wiederum sicher auch eine Unterstützung sein.

Mark Kiessling: Es gibt sicher Inhalte, die via iPad besser oder einfacher, vermittelt werden können. Fotografen drehen immer öfter auch Videos und auch die Mode hat mit „Fashion Films“ ein neues Genre erobert. Dies lässt sich natürlich via iPad viel direkter in ein “Magazin“ einbinden, als über eine umständliche URL-Angabe. Aber Gedrucktes wird immer seinen eigenen Reiz behalten.

Vom Beobachten und Beschreiben der Gesellschaft: 40 Jahre ZEITmagazin

19. Oktober 2010


Ganz neu auf ACHTUNG Zeitgeist: ein Gespräch mit Christoph Amend über Entwicklung, Formate und Zukunftspläne des Magazins sowie die Zusammenarbeit mit Juergen Teller und ein potentielles ZEITmagazin Blog. Hier ein Auszug.

40 Jahre sind ein gutes Alter. Geboren zu Beginn der Siebziger als sich irgendwie alle in den Haaren lagen, bis die Popper in den achtziger Jahren den universellen Kurzhaarschnitt einführten und sich nicht nur dadurch die Wogen glätteten. In den Neunzigern war man sich sowieso einig, bis sich in den Nullerjahren die Diffusion verbreitete. Zeitzeuge davon war und bleibt das ZEITmagazin mit einer finanziell bedingten Auszeit von acht Jahren. Im Mai 2007 wurde dem Supplement der ZEIT unter der Leitung von Christoph Amend wieder LEBEN eingehaucht. Immer noch vorbildhaft für einen vitalen Journalismus sind etwa Günter Wallraffs sozialkritische Enthüllungsreportagen, die Alttagsinterpretationen von Harald Martenstein, der exklusive Buch-Vorabdruck von Moritz von Uslar über drei Monate in Brandenburg sowie die wöchentliche Stilkolumne von Tillmann Prüfer oder Juergen Tellers einmalige Fotokolumne. (…)

Achtung: Auch die Auswahl der Autoren und Fotografen erfolgt sehr bewusst.

Christoph Amend: Als wir das ZEITmagazin 2007 wiederbelebt haben, haben wir von Anfang an gesagt: wir werden uns jede Woche weiterentwickeln. Und dabei ist es geblieben: wir führen immer wieder neue Formate ein, verändern die Gestaltung, die Fotografie, die Illustration von Geschichten. Wir leben in einer Welt, in der unglaublich viele Entwicklungen parallel passieren, beschleunigt durch das Internet. Allein durch Facebook erhalten wir Einblicke in neue Ideen und Vorstellungen in einer Art und Weise, wie das vor zehn Jahren unvorstellbar schien. Das verändert auch das Magazinmachen.

Achtung: Was liest du selbst für Magazine?

Christoph Amend: Bei der Wiedereinführung des Magazins 2007 haben wir uns das “New York Times Magazine” genau angesehen, das von Adam Moss gemacht wurde, der später zum “New York” Magazine gewechselt ist, das ja auch richtig klasse ist. Ich lese wirklich kreuz und quer, deutsch, international, alles. Das “T-Magazine“ unter Stefano Tonchi fand ich großartig, “Fantastic Man”, “Gentlewoman”, “032c”, “I love you”, die “Achtung” natürlich. Von der französischen “Vogue” bis zum “Economist”, von Klatschblättern bis zum “New Yorker”, ich liebe eben Magazine. Da ist übrigens das ipad ein Segen: Endlich kann man in Deutschland Magazine wie den “New Yorker” schön gestaltet online lesen, und nicht erst eine gute Woche nach Erscheinen, wenn es die Exemplare endlich nach Deutschland geschafft haben.

  weiterlesen

Damir Doma auf Achtung Zeitgeist

14. Juli 2010

Damir Doma über die neue Zweitlinie “Silent”, sein Urteil über die Berliner Fashion Week und potentielle Ambitionen als Kreativchef für eines der großen Modehäuser jetzt auf Achtung Zeitgeist. Ein Auszug:
Passt Silent also deiner Meinung nach besser nach Berlin und Damir Doma nach Paris? Ich wurde schon oft angefragt, hier eine Show mit Damir Doma zu machen. Aber das würde nicht funktionieren. Paris ist einfach perfekt. Dort sind Eleganz und Schönheit wichtig. Darum dreht es sich in Berlin leider nicht, auch wenn es das gerne so hätte. In Berlin geht es immer noch mehr – trotz der Shows – um die Bread&Butter und die Premium.” Mehr hier.

Himmel über Berlin: Damir Doma “Silent”

9. Juli 2010

Der Blick auf den Schedule der Berliner Fashion verspricht nicht immer nur Gutes – leider. Umso vielversprechender dafür die Präsentation von “Silent”, der neuen Linie von Damir Doma, der sonst nur in Paris zeigt. Im E-Werk, auf den Dächern über Berlin, fand so die rein filmische Darstellung von Silent statt. Eine schöne, schlichte Kollektion, mit wesentlich weniger Couture-Anspruch als die Damir Doma Männer- und zuletzt auch Frauenkollektionen, aber nicht minder philosophisch. Zeitlos, pur und aus biologischen Textilien. Auch wenn ein direktes Begutachten der Stücke natürlich diverse Vorteile geboten hätte, war der Abend doch ein entspannender Kontrastpunkt zu all den untriebigen Terminen in diesen Tagen – gerade, weil es wegen der parallel stattfindenden BOSS Show und Party nicht so gedrängt war. Ein Interview mit Damir gibt es in den nächsten Tagen auf Achtung Zeitgeist zu lesen. Das Kollektionsvideo bald hier zu sehen.