9. Januar 2012

Wie ich bereits einmal sagte: Ich bin, was Kaffee in öffentlichen Kaffeehäusern anbelangt, ein verdammt wählerisches Geschöpf. Der Kaffeemacher von gegenüber verachtet mich dafür, wenn er mit einem Löffel massenweise aufgeblasenen Schaum aus meinem Milchkaffee löffelt. Aber ist doch so: Ich lasse meine Haare ja auch nicht vom Maurer schneiden und will keine Pizza, gebacken von einer Gynäkologin. Ergo verlange ich auch einen Kaffee von jemanden, der sich mit dem Gebräu auskennt – und nicht von der Studentin, die nebenbei nur ein paar Euros verdienen will und den Kaffee viel zu heiß aufbrüht, sodass er bitter schmeckt. Liebe zum Handwerk – muss schon sein. In San Francisco wurde ich dahingehend ja ganz und gar verwöhnt: Ich schwelge immer noch in dichtem Kaffee, mit sanfter und zugleich kräftiger Crema und ohne Milchschaumschlägerei. Latte Macchiato ist so letztes Jahrzehnt! Worauf ich nun hinauswill: Ich habe auch in Berlin einen Platz gefunden, dem ich neben dem Lieblingslümmeladen “SLOERM” das Prädikat “einwandfreister Milchkaffee” verleihen kann: das Godshot im östlichen Prenzlauer Berg in der Immanuelkirchstraße 32. Dort gibt es drei verschiedene Kaffeesorten (nicht wie im Philz in San Fran über 20; reicht aber völlig), was ich zu Zwecken der Abwechslung sehr goutiere. Der Milchkaffee wird mit Milch aus einem Berliner Naturschutzgebiet gereicht. Außerdem wird ein kleines Kekschen dazu serviert – eine nette Geste, die irgendwo zwischen verlorenem Kännchen und Sojamilch woanders vergessen worden scheint. Und wer jetzt noch wissen will, wie man so guten Kaffee hinbekommt – kann an einem der Barista-Seminare teilnehmen. Ich wüsste da schon ein paar…
7. November 2011

Der Kürbis ist ein gutes Gemüse, auch wenn er wieder monatelang die Speisekarten dominieren wird. Vor allem als Suppe, die – und das ist nur eine Anmerkung – in der Variante mit der Kokosnuss ein Reinfall für mich ist, da in der Kombination zu dicht, zu fleischig, weswegen ich sie mit etwas Frischem wie Orangen oder Äpfeln und Weisswein zubereite). Meine liebste Kürbisvariation ist jedoch weniger eine Flüssige, als das in den USA so beliebte “Pumpkin Bread”: ein süß-herber Kürbiskuchen mit winterlichen Gewürzen:
- 240ml Kürbispürée (Dazu einen Kürbis, z.B. Hokaido oder Butternut, waschen, halbieren, entkernen und im Ofen bei 180 Grad für ca. 45 Minuten grillen, bis er weich ist. Dann das weiche Fruchtfleisch mit Löffel herausholen und, sobald abgekühlt, pürieren)
- 220g Mehl
- 1 TL (Weinstein-)Backpulver
- 220g (Rohr-)Zucker
- 1 Prise Salz
- 2 Eier
- 120ml Olivenöl
- 60ml fettarmer Jogurt oder Buttermilch (oder Wasser)
- 1 Prise Muskatnuss
- 1 große Prise Piment
- 1 TL Zimt
- 120g zerkleinerte Walnüsse
Erst Kürbispürée, Öl, Eier und Jogurt verquirlen. Danach die trockenen Zutaten separat verrühren. Diese unter die feuchte Mischung heben und gut verrühren. Teig in eine gefettete Backform geben und im bei 180 Grad (vorgeheizten) Ofen 60 Minuten backen.
13. Oktober 2011


Ich war wirklich mehr als scharf drauf – auf das mexikanische Essen in Kalifornien. Hab es immer wieder versucht, zweimal, dreimal, ja sogar viermal, die Tacos und Burritos mit vegetarischer Füllung, die letzten Endes doch wieder nur aus Bohnenbrei und Reis bestanden, garniert mit drei Tomatenstückchen und etwas Zwiebel inmitten eines Tacos mit miefigen Nebengeschmack. Ich war zu diesem Zweck in richtigen Restaurants genauso wie am Straßenstand. Ohne Erfolg und mit der Folge, dass ich hinterher mindestens vier Churros essen musste, um den Geschmack des ersteren zu eliminieren (mit Erfolg, sagt die Waage). In Tijuana angelangt, kam ich dann aber doch noch in den Genuss eines hervorragenden mexikanischen Mahls, nichts im Teigmantel. Sondern: “Caesar Salad” und zwar, so sagt man, am Ort seiner Rezeptentwicklung – im “Hotel Caesar”. Zubereitet wurde dieser binnen weniger Sekunden als Showact live am Tisch. Mit ganzen Salatblättern, einem Crostini und frisch geriebenem Parmesan. Das schmeckte ganz vorzüglich, vor allem wegen der nicht zu intensiven Zitronennote und dem frischen Pfeffer im Dressing zum knackfrischen Salat. Doch auch sonst ist Tijuana einen Ausflug (nicht nur zum Zigarettenkauf) wert, wenn man in der Nähe von San Diego weilt. Schließlich schmecken hier auch die Churros am Besten!
28. September 2011







In Deutschland sind die Bioläden klein und manchmal auch ein bißchen muffig. Wenn ich an die Zeiten denke, in denen ich für ein Biobrot oder eine -Milch noch das nicht mehr als 50 Qudratmeter große Reformhaus der Kleinstadt aufsuchen musste, hat sich inzwischen einiges getan. Heute gibt’s in meiner Nachbarschaft beispielsweise den LPG-Supermarkt, der bei der Eröffnung vor vier Jahren noch als “Europas größter Bio-Supermarkt” angepriesen wurde. In Sachen Charme zeigt er im Jahre 5 leider immer noch nicht ganz so viel Größe. Noch zu unansprechend ist das Essen drapiert, zu teuer oft die Preise. In den Staaten ist der Einkauf von whole foods, also Lebensmittel ohne Zusatzstoffe, sondern natürlich belassen, eine ganz andere Nummer – eine, die mich beim ersten Whole Foods-Besuch in New York vor drei Jahren schlicht überwältigt hat; in dem Moment, als ich das erste Mal vor den zubereiteten Salaten und warmen Gerichten stand, die ich mir frei nach Gusto zusammenstellen konnte. Ich kannte vorher ja nur die Fotos von jungen Schauspielerinnen, die sich in besagter Kette ihr Essen kaufen. So tat ich es dann also auch, ein knappes halbes Jahr lang in New York – sechs Monate, in dem nicht nur das Land einen Wirtschaftscrash erlitt, sondern sich auch mein angespartes Vermögen viel zu schnell verflüssigte. Nur war mir dabei immer etwas mulmig zumute: diese Mengen an Essen, aufgetürmt bis zur Decke und so frisch, dass man es eigentlich am selben Abend noch wegschmeißen muss, um Qualitätstandards zu halten. In Los Angeles sollte ich das Ganze vor ein paar Tagen nochmal in einer ganz anderen Dimension erleben. In der gab es auch noch eine Raw- (sehr beliebt an der Westküste) und eine Healthy Food-Ecke gibt, sowie eine Theke für Mexikanische Kost und die, an der man sich seine Pho selbst komponieren kann. Außerdem gibt es nicht etwa ein bis drei Bread Puddings zum Nachtisch, sondern – oh ha! – acht verschiedene Sorten. Und Cracker, Mehl, Nüsse oder Reis (in ca. 40 Varianten) kann man sich auch noch selbst bemessen. Das alles untergebracht in einem Gebäude, das so groß ist wie ein neuer Baumarkt an der Stadtgrenze. Denn nur in diesem Gigantismus wird eine Auswahl – großteils vegetarisch, was ich per schon mal goutiere – möglich gemacht, in der man geschätzt zwei Jahre jeden Tag etwas anderes essen kann. Und zwar genau das, worauf man gerade Lust hat (nicht so wie bei der Biokiste, die vorgibt, was es eben zu Zeit regional bzw. saisonal auf dem Feld und an den Bäumen gibt – ein ebenfalls von mir geschätztes Konzept.). Was soll ich sagen: Auch während dieser US-Reise kompensierte Whole Foods das ein oder andere Mal teure Restaurantbesuche. Nur ganz sicher bin ich mir immer noch nicht (obwohl es wieder einmal gut geschmeckt hat heute abend; sogar die veganen Schinkenwürfel auf dem Salat), ob viel nicht zu viel ist, sondern einfach der Luxus unserer Zeit, in einem auf Convenience bedachten Land? Und daran schließt sich gleich folgende Frage an: Ist Berlin – nach den UK und den USA – reif für Whole Foods? Ich meine: ja!
27. September 2011


Spitzenkaffee auch in Los Angeles, besser gesagt in Venice Beach und damit in unmittelbarer Nähe zu unserem bezaubernden Beach-Condo mit den immer netten, kiffenden Nachbarn (um die 40): Groundwork Coffee. Das Café – ein paar wenige Plätze im Inneren, mehr davor – fungiert eigentlich als Fabrikverkauf der Biorösterei (Bohnen zum größten Teil aus fairem Handel), ist aber eine Institution per se – sowohl für die Nachbarn als auch die Touristen, die zum fünf Minuten entfernten Strand schlappen. Deswegen ist der Coffeeshop gerade zwischen 9 und 11 Uhr morgens extrem gut gefüllt. Für einen Latte anzustehen lohnt sich übrigens nicht, gibt es doch sechs Sorten aus Eigenproduktion zur Selbstbetankung. Ich empfehle diese drei: “Angels Brew”, den Milden. “Venice Brew”, etwas kräftiger und mein Favorit. Sowie “Bitches Brew”, die starke Mischung, nach einer langen Nacht. Dazu schmeckt nichts besser als das “Banana Bread” und ein kleines Eiersandwich mit gebratenem Gemüse für die Freunde des deftigen Frühstücks. Achja, man kann sich natürlich auch beliebige Mengen des favorisierten Kaffees vor Ort abfüllen und mitnehmen (das Pfund zu ca. 14 Dollar). Obwohl zuhause Kaffee trinken in den USA ja fast schon eine Rarität ist, was jedoch halb so schlimm ist, gebe es mehr Plätze wie Groundwork Coffee. (Anmerkung: Im – wegen Promidichte - hippen Urth Caffé an der Melrose Place schmeckt der Kaffee nämlich nicht halb so gut wie bei Groundwork, sondern schlicht bitter. Die Sandwiches sind dagegen top. Und auch das “Rose Café” vier Blocks weiter in Venice kann mehr in Sachen fancyness mithalten, als was guten Kaffee angeht. Dafür hat es einen großen Außenbereich und leckere, aber nicht ganz günstige Salate.)