Alle Artikel aus der Kategorie ‘Interviews’

Noch mehr PREEN. Weniger Bilder.

23. Januar 2012

Foto: Frank Reichert

Das deutsche Interview Magazine startete in der Woche vor Erscheinen der Printausgabe (diesen Freitag ist es soweit) mit einem Online-Portal. Schließlich war Fashion Week in Berlin. Und in diesen prallgefüllten Tagen erwies sich die Seite mit den Kurzinterviews und Backstage-Berichten sicherlich als eine der aktuellsten Informationsquellen im Häppchenformat. Etwas länger fiel da schon mein Text über das von mir hier nicht nur einmal erwähnte britische Label PREEN aus. Anbei ein Auszug. Weiterlesen möge der Interessent bitte auf Interview.de. Mehr zum Erscheinen von Interview und der dazugehörigen Website gibt es hier.

PREEN: VOM PUNK ZUM POWERDRESS
In den Neunzigern ließen sich Thea Bregazzi und Justin Thornton vom Punk inspirieren. Heute begeistern sie mit den kurzen Kleidern ihres Labels PREEN das junge Hollywood.

Die Portobello Road in Notting Hill: Auf dem Bürgersteig tauchen Antiquitätenhändler altes Möbiliar in liebliche Pastelltöne. Die Anwohner trinken derweil vor dem Pub ihr erstes Nachmittagsbier. In diesem, fast schon familiären, Umfeld verkauft das Label PREEN seit 1996 seine Mode. Ihre kleine Boutique liegt in einer Passage ein wenig abseits der Straße. Gut riecht es dort – nach Duftkerzen. Zur Linken erstreckt sich eine einzige Kleiderstange über die komplette Länge des Shops. An ihr hängt die aktuelle Herbst-Winter-Kollektion.

Diese wurde schon auf der New Yorker Fashion Week von den Kritikern begeistert angenommen. Vor allem die Blusen mit den schimmernden, kaleidoskopartigen Drucken. Zu denen ließen sich Thea Bregazzi und Justin Thornton, das Designerpaar hinter PREEN, von der kalifornischen Arts-and-Crafts-Bewegung inspirieren. Michelle Obama trug bereits vor allen anderen ein lilafarbenes Kleid aus jener Kollektion.

Den einzelnen Looks ist die Dekonstruktion deutlich anzusehen. Thornton macht dafür den gemeinsamen Schaffensprozess verantwortlich, als wir uns später im Studio der Designer treffen: „Ich entwickle meist sehr grafische Schnitte und dann moniert Thea, dass das Kleid zwar gut aussähe, aber keinen Platz für die Brüste lasse.“ Das Paar hatte sich in einem Kunstseminar auf der Isle of Man, ihrer Heimat, kennengelernt. Da waren die beiden 18. Einige Jahre später traf man sich in einem Londoner Club zufällig wieder.

Heute haben die beiden sieben festangestellte Designer. Sie sind kaum älter als 30 und wirken bei der Arbeit am großen Schneidetisch hochkonzentriert. „Wenn der Schauentermin näherrückt, geht es schon etwas stressiger zu“, sagt Thornton. Doch noch drängt sich im Atelier im Norden von Notting Hill der Eindruck auf, dass die Stimmung in einem fernöstlichen Tempel nicht ausgeglichener sein könnte. Wie schon die Boutique liegt das Studio etwas verborgen: inmitten von Geschäftsgebäuden, ohne Klingelschild und mit verhangenen Fenstern.

Splendid Isolation auch in der Mode? Sicherlich nicht beabsichtigt. Doch gerade mit dieser diskreten Nonchalance reüssiert PREEN als moderner UK-Modexport. Einer, der avantgardistisch ist, obwohl er sich seit 15 Jahren selbst zitiert. Und dabei ein Stück weit erwachsen wurde. Kleinteiliges Patchwork oder transparente Oberteile, beeinflusst vom Victorian Punk, sieht man kaum noch bei PREEN. Drapierungen, Asymmetrie und Layering sind hingegen geblieben – streng geometrisch strukturiert und penibel vernäht. (…)

Markus Lupfer auf Achtung Zeitgeist

5. Juli 2011


Es ist schon ein wenig her, dass ich Markus Lupfer in seinem Londoner Atelier zum Gespräch für das Zeitgeist-Blog der Achtung getroffen habe, um mit ihm über seine neue Herrenkollektion, Social Media Zwänge und die Zusammenarbeit mit vier äthiopischen Jungdesignern (im Auftrag des Goethe Instituts) gesprochen habe. Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview. Zum ganzen Text bitte hier entlang.

Achtung:
In jener Herrenkollektion sind auch deine mit Pailetten besetzten Oberteile, z.B. in Form eines Totenkopfes, vertreten. Wie kommt es eigentlich zu den jeweiligen Motiven?

Markus Lupfer:
Es kommt vor allem auf die Saison an. Bei der Frauenkollektion hat sich die Lippe beispielsweise durch ein paar Saisons hinweg entwickelt. Ich schaue generell schon, was der Markt verlangt.

Achtung:
Wie ist das für dich als kleines Label eigentlich: Du lancierst pro Jahr immerhin vier Frauen- und zwei Herrenkollektionen – mit nur sieben festen Mitarbeitern. Fällt es dir so leichter, den Überblick zu behalten? Oder wird es manchmal auch ganz schön viel?

Markus Lupfer:
Es ist schon sehr anstrengend. Es gibt die ganze Zeit Deadlines zu beachten. Es geht dabei nicht nur um die Entwicklung der Kollektion, sondern auch um die Auslieferung und die Pressearbeit. Je mehr Kollektionen du machst, desto mehr Druck hast du. Trotzdem ist es für ein unabhängiges Business – ich habe keinen Sponsor – einfacher, sich über vier Kollektionen zu finanzieren als über zwei. Aktuell arbeiten wir gleichzeitig an der Resort-, Sommer- und der Pre-Winter-Kollektion.

Achtung:
Du bist allerdings auch darüberhinaus online aktiv und hast für die britische Harper‘s Bazaar aus Äthiopien gebloggt. Das fand ich sehr gelungen. Allerdings habe ich mich gewundert, warum dich kein deutsches Medium zu diesem Zweck engagiert hat.

Markus Lupfer:
Das war so: Ich hatte ein Meeting mit Harper‘s Bazaar und habe dabei von dem Projekt für das Goethe Institut erzählt. Die von Harper‘s waren gleich begeistert und haben gefragt, ob ich nicht darüber bloggen will. Das habe ich dann auch gerne gemacht.

Achtung:
Was in puncto Öffentlichkeitsarbeit durchaus sinnvoll war, nachdem darüber diskutiert wurde, warum ein armes Land wie Äthiopien ein Projekt wie dieses braucht…

Markus Lupfer:
Ich hoffe für das Projekt, dass wir damit eine „Fashion Education“ aufbauen konnten, die es so in Addis Abeba vorher nicht gab. Mit Ausbildung und Infrastruktur kann etwas bewegt werden. Klar, Mode ist für die breite Öffentlichkeit nicht das A und O. Jedoch gibt es trotzdem – auch in Äthiopien – eine Mittel- und eine Oberschicht. Und die wollen beide modisch sein. Warum die Mode dann nicht im eigenen Land kaufen? Deswegen denke ich, dass der Aufbau einer äthiopischen Modeindustrie Sinn macht. Selbst wenn Mode vielleicht unnütz ist, muss trotzdem jeder was anziehen. So entwirft eine unserer Designerinnen traditionelle Braut- und Abendkleider. Und in Äthiopien werden Hochzeiten groß gefeiert.

the real stuff sticks: im Fortuna’s Feast

16. Mai 2011

Ein Geheimtipp, der längst keiner mehr ist: Im Fortuna’s Feast in Neuköllns gentrifiziertester Meile, der Weserstrasse, lädt Suzy Fracassa jeden Freitag zum Private Dining ein. An manchen Sonntagen gibt es Brunch. Obgleich das Wort “Private Dining” eine überschauliche Runde suggeriert – eine, in der man sich kennt oder spätestens bei der Vorspeise kennengelernt hat – führt Suzys E-Mail Verteiler 1.000 potentielle Gäste. Bis zu 40 von ihnen lassen die Woche an einem der großen Tische, die unter der Woche nicht genutzt werden, ausklingen. Wer meint, dass das nahe Beieinandersitzen unentwegt Gesprächsbedarf bedeute, liegt falsch. Man bleibt größtenteils unter sich; durch den Raum raunen viel englische Sprachfetzen. Es werden an diesem Abend gereicht, nach einem grünen Salat und einem Bohnen-Zucchini-Pesto Eintopf, die institutionalisierten “Little Dishes” – mittelgroße Speisen zu ca. 8 Euro, die beliebig kombiniert oder miteinander geteilt werden können; zwei von ihnen vegetarisch (das – wie ich meine, unvergessliche – israelische Cous Cous mit Edamame, Zuckerschoten und grünem Spargel sowie Artischoken-Spinat-Crostini). Daneben: gegrillte Scampi und ein Taco gefüllt mit Hühnchen zu Krautsalat. Auf das jeweilige Menü legt sich Suzy zwei bis drei Tage zuvor fest.

Von Montag bis Donnerstag steht Suzy in derselben kleinen Küche im hinteren Teil der beiden Gasträume und bereitet ihr Catering zu – mal für große Firmenmeetings oder Hochzeiten, ein anderes mal für eine Fotoproduktion von zehn Mann. (Während eines solchen habe ich zum ersten Mal Suzys Kochkünste getestet und war mehr als begeistert. Vom Salatdressing genauso wie von der Pasta mit Radiccio und Pilzen).
Der gute Geschmack und die Akribie bei der Auswahl der Zutaten kommen nicht von ungefähr. Auch Suzys Eltern sind leidenschaftliche Köche, deren jeweiliger kulinarischer Hintergrund aus unterschiedlichen Regionen Italiens zu kontrastreichen Neukreationen in der heimischen Küche führte. Bevor Suzy selbst professionell zu kochen begann, arbeitete sie in New York in der Werbung: einer Branche, in der Genuss nur in den Headlines geschrieben steht. Irgendwann hatte sie davon genug (“I hated this business”) und ging in die Gastronomie. Wobei sie in den Restaurants an der Upper East Side weniger als kochende Kraft tätig war denn als Waitress. Der Liebe wegen zog Suzy 1999 schließlich nach Berlin, drei Jahre später startete sie ihr Catering Business “Fortuna’s Table”. 2008 kam das “Feast” als Supperclub hinzu. Wem der übrigens noch nicht “private” genug ist, der kann die subtil, aber anspruchsvoll eingerichteten Räumlichkeiten für eigene Anlässe inklusive personalisierter Speisen, Getränke und Service mieten. Bei einem Rosen-Digestif, der nach dem gehaltvollen Sticky Toffee Banana Pudding seinen Nutzen voll entfalten konnte, fand Suzy Zeit, ein paar Fragen zu beantworten.   weiterlesen

Freunde von Freunden: Christiane Bördner und Marcus Gaab

4. März 2011

Neues Interview für “Freunden von Freunden“: mit Christiane Bördner, Herausgeberin des “I love you“-Magazines und Marcus Gaab, Fotograf. Ein Auszug:

Christiane Bördner und Marcus Gaab sind schon sehr lange zusammen, beruflich und privat. Kennengelernt haben sie sich an der renommierten Folkwang-Universität in Essen vor 18 Jahren: stilecht auf der Erstsemesterparty. Einige Semester darauf waren die Kommunikationsdesign-Studenten neben ihren Seminaren gemeinsam für Modelabels wie „Stone Island“ tätig (…). Seitdem hat sich an der eingespielten Erfolgskonstellation, die als „Agentur E“ firmiert, recht wenig geändert. Es sei denn geographisch. Zur Jahrtausendwende zogen Christiane und Marcus vom Rheinland respektive Köln, der Medienhochburg der neunziger Jahre, nach Berlin. (…).

Das Magazin hat verhältnismäßig wenig Anzeigen. Steckt dahinter eine Absicht?

Christiane Bördner: Mir ist es natürlich wichtig, dass ich unser Projekt finanziert bekomme. Momentan finanzieren wir das Magazin größtenteils über unsere Firma, wenn sich auch über das Magazin mehr Projekte für die Firma ergeben. So war das ursprünglich auch gedacht. Es wäre allerdings schön, wenn das Magazin so viel Geld einbringen würde, dass es sich selbst trägt und wir eine Redaktion finanzieren können. Momentan profitiere ich noch von vielen Leuten, die mir aus Enthusiasmus helfen.

Marcus Gaab: Das Spannende ist, dass wir gemerkt haben, dass wir über den alleinigen Verkauf nichts zurückbekommen an investiertem Geld. Da wir „I love you“ international in 15 Ländern verkaufen, sind die Lieferkosten sehr hoch…

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Printexpansion wider der Krise

5. November 2010

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem Jessica Reitz und Mark Kiessling von Berlins Magazin-Fachgeschäft “do you read me?!” aufgrund ihrer verschiedenen Messepräsenzen selten gemeinsam in der Auguststrasse 28 in Mitte anzutreffen waren, ist das Interview mit den beiden nun seit ein paar Tagen online auf Achtung-Zeitgeist. Darin erzählen sie über die sich am besten verkaufenden Pubilkation, neue Tendenzen im Editorial Design und eine Veränderung des Magazinkonsums durch Blogs und das iPad. Dazu ein Auszug…

Achtung: Wie gefallen Euch die neuen Magazine, die aus Blogs entstanden sind?

Jessica Reitz: Bei “I love you“ finde ich das sehr gelungen. Ich finde es aber auch interessant, dass es nicht länger nur zwei Medien sind, die sich voneinander abgrenzen, sondern dass sich das mitunter hervorragend ergänzen kann. Auch “I like my Style“ kommt ganz gut an…

Mark Kiessling: …wobei das ja auch gut nur als Blog funktionieren würde. Aber auch andersherum, wie beim Achtung Zeitgeist, können aus Print-Magazinen interessante Blogs entstehen oder eben wie beim “T Magazine“, welches ja gedruckt alle zwei Wochen erscheint und online nahtlos fortgeführt wird. Ich glaube, dass die Synergieeffekte von Blog und Print noch lange nicht ausgereizt sind und wir uns noch auf einige gute Publikationen aus diesem Bereich freuen können.

Achtung: Denkt Ihr persönlich, dass neue Technologien wie das iPad Einfluss auf den Konsum von Printprodukten haben werden?

Jessica Reitz: Nein. Ich denke, für die reinen Informationsmedien wie den “Spiegel“ wird es schwieriger werden. Aber ich merke es an mir selbst oder wenn ich mit Kunden spreche: mit einem iPad liest man einfach anders. Es geht dabei aber auch vorallem um den selbstverständlichen Umgang mit dem Medium, bzw. dem Distributionsweg Internet selbst. Zum Beispiel “The Economist“, da kostet von Anfang an die Online-Ausgabe so viel wie die Print-Ausgabe. Und in dieser Hinsicht haben die Verlage einfach auch etwas verpasst – zu denken, dass sie das alles kostenlos anbieten müssen, obwohl Inhalt und Recherche den gleichen Aufwand verlangen. Da kann das iPad oder der iTunes-Store mit neuen Vertriebstrukturen wiederum sicher auch eine Unterstützung sein.

Mark Kiessling: Es gibt sicher Inhalte, die via iPad besser oder einfacher, vermittelt werden können. Fotografen drehen immer öfter auch Videos und auch die Mode hat mit „Fashion Films“ ein neues Genre erobert. Dies lässt sich natürlich via iPad viel direkter in ein “Magazin“ einbinden, als über eine umständliche URL-Angabe. Aber Gedrucktes wird immer seinen eigenen Reiz behalten.