Alle Artikel aus der Kategorie ‘Ästhetik’

PREEN Pre-Fall 2012: Blaupause

13. Januar 2012





Credits: Style.com

Per se ist es ja nicht so meins, unter dem Tag “Must-have”, “New-in” oder “Inspiration” einfach nur Bilder von neuer Kleidung oder neuen Kollektionen zu posten. Beim britischen Label PREEN ergeht es mir inzwischen, wie ich bereits beim letzten Mal erwähnte, aber nicht anders. Das Lob-Fass läuft ja sonst noch über. Also überlasse ich in diesem Fall wieder mal – meinen Kontostand verfluchend – der Kleidung die Bühne und begnüge mich mit meinem Porzellan in ähnlichem Dekor.

Kein Koyote und auch kein Kaninchen.

19. Dezember 2011

Die letzten beiden Januar-Monate in Berlin waren entweder eisig oder verschneit. Das Thermometer sank zuweilen auf -19 Grad. Und das tagelang. Ein eleganter Wollmantel taugt da freilich nichts; solche Sperenzchen kann man sich vielleicht zur Fashion Week erlauben; nach 3 Gläsern Champagner intus. Ebenso hält mein oller H&M-Parka in Olivgrün, der sich seit dem 2. Semester – und das ist lange her – in meinem Kleiderschrank befindet, wenig warm in solchen Tagen. Da muss was Ordentliches her, dachte ich mir also jüngst. Mit 30 kann man sich auch mal eine gute Jacke leisten (es ist ja nicht so, dass ich mir nicht erst mit selber Begründung wahnsinnig teure Schuhe gekauft hätte, und als ob die Snowboard-Jacken früher ein Schnäppchen gewesen wären). Also begab ich mich auf die Suche nach der Winterjacke, die stadttauglich ist, aber auch bei Touren in der Natur funktioniert. Eine kurze, gesteppte Variante schloss ich aus, ist zwar rap-ig, aber sieht zu sehr danach aus, als hätte ich mir eine Luftmatratze umgebunden. Blieb, mal wieder, nur der Parka. Und der hat ja bekanntlich ein Fell-umrandete Kapuze. Und die ist leider fast immer, ich habe wirklich viel gesichtet, echt. Ist natürlich Preispolitik. So verwenden viele Labels wie Woolrich, Moncler, Peuterey u.a. Koyotenfell am Kragen, die Herkunft nicht immer geklärt. Andere legen Marderhundfell oder Kaninchenfell an. Es stand als inakzeptabel fest, dass einem Tier das Fell über die Ohren gezogen wird, damit ich mir das umlegen kann. Die Zeiten sind jawohl vorbei! Doch habe ich gerade noch, auf dem Weg zum Lunch in Mitte-Mitte, mindestens 24 Drittel-Koyoten auf Halshöhe gezählt. Ebenso ausgeschlossen ist die Lebendrupfung von Gänsen für die beliebten Daunen. Doch ein Blick auf die Websites der Hersteller verrät nicht immer viel über die Herkunft des tierischen Materials. So war die Suche nach der vertretbaren Winterjacke keine Leichte (Anmerkung: auch einige der aufgeführten Preise waren alles andere als gerechtfertigt). Es vergingen Stunden an Online-Recherche und Kopfschütteln, bis mich meine schwedische Freundin auf das Label Fjällräven brachte. Und siehe da, die Funktionalität wird ausgiebig beschrieben, es gibt keine echten Pelz am Kragen. Dafür Daunen, die nicht aus Lebendrupfung stammen. Grund genug, mal das Unternehmen zu befragen.*

Interview mit Thomas Gröger, Vertriebsleiter Fjällräven Deutschland, zu den Tier- und Umweltschutzbemühungen von Fjällräven.

Viele Winterjacken haben echtes Fell am Kragen. Fjällräven nicht. Warum?

Wir sind eine Outdoor-Marke und wir stellen Bekleidung für Leute her, die gerne draußen in der Natur unterwegs sind. Dazu zählen wir uns im Übrigen auch selbst. Und genau deshalb sehen wir uns in einer Verantwortung gegenüber unserem „Spielplatz“. Es ist für uns einfach nicht denkbar, einem Tier das Fell über die Ohren zu ziehen. Der Kunstpelz aus Acryl funktioniert nicht ganz so gut wie ein natürlicher Pelz (er vereist leichter), aber nicht so viel schlechter, dass es den Tod eines Tieres rechtfertigen würde.

Um Daunen zu gewinnen, werden Gänse oft lebend gerupft. Woher bezieht Fjällräven seine Daunen?
Von Lebendrupf distanzieren wir uns ganz klar und ausdrücklich. Daune aus Lebendrupf zu verwenden widerspricht klar unserem Grundsatz, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen. Fjällräven verarbeitet daher ausschließlich Daune von totgerupften Tieren, die zu Nahrungszwecken geschlachtet wurden. Um das zu kontrollieren, unternehmen wir massive Anstrengungen und arbeiten mit nur einem einzigen Daunenlieferanten zusammen. Unser Lieferant wiederum bezieht die Daune ausschließlich von vertraglich gebundenen Farmen und Schlachtbetrieben.

Unternimmt Fjällräven ansonsten weitere Tierschutzbemühungen?
Ja, ganz allgemein, weil das unserer Grundhaltung entspricht und im Falle des Polarfuchses ganz speziell, weil er sozusagen unser „Wappentier“ darstellt. Dafür rief Fjällräven Anfang der 90er Jahre gemeinsam mit der Universität Stockholm das Projekt „Save the Arctic Fox“ ins Leben. Unsere finanzielle Unterstützung soll den Fortbestand dieser bedrohten Tierart sichern und jeder, der einen Kånken-Rucksack aus der „Save the Arctic Fox“-Edition kauft, trägt ebenfalls dazu bei.

Und wie ist das mit dem Umweltschutz? Die Jacken sind teilweise mit Polyester gefüttert, das aus Erdöl hergestellt wird.

Umweltschutz liegt uns, genau wie Tierschutz, sehr am Herzen. Darum gehen wir das Thema so an, dass wir möglichst langlebige Produkte herstellen: Müllvermeidung heißt das Schlüsselwort in Sachen Umweltschutz. Danach erst folgen Verringerung und schließlich das Recycling. Wir arbeiten zum Beispiel bei einigen Jacken und Rucksäcken mit EcoCircle Polyester (= bereits recyceltes PES, das erneut wieder recycelt werden kann). Wir setzen auch Organic Cotton ein (zertifiziert nach GOTS). Wichtiger ist aber ein ganzheitlicher Ansatz: Wir haben damit begonnen für unser ganzes Unternehmen einen Eco Audit durchzuführen. Dieser bezieht sich nicht auf das einzelne Produkt, sondern auf das große Ganze. Bei diesen sorgen wir bereits für eine vollständige Klimakompensation der CO2-Emissionen.

Viele kaufen sich jedes Jahr eine neue Winterjacke. Welche Produkte bzw. Designs setzt Fjällräven dem Trend zur Vergänglichkeit entgegen?

Dem treten wir mit drei Eigenschaften unserer Produkte entgegen: Langlebigkeit, Langlebigkeit, Langlebigkeit. Wir setzen auf Kontinuität, auf Unaufgeregtheit und auf die Gewissheit, dass unsere Produkte einfach robust sind. Eine Fjällräven-Jacke muss nicht nach einem Winter erneuert werden – auch nicht nach zwei oder drei – und der Fjällräven-Kunde will sie auch gar nicht erneuern. Viele unserer Produkte bekommen mit dem Gebrauch eine gewisse Patina und gewinnen dabei an Charakter – ohne dabei an Funktion zu verlieren. Die Modewelt beschreibt das als „Used Look“. Wir nennen das „Qualität“.

* Eine Jacke wurde außerdem bestellt. Der Freund fragte beim ersten Anprobieren zuhause zwar, auf welche Polarexpedition ich nun wolle. Und ja, die Ärmel sind ein bißchen weit, auch in S, was den Parka etwas grob wirken lässt. Die Geschlechterfrage bleibt offen. Soll jetzt aber auch egal sein. Warm soll es sein.

new at home: PORTJEE

1. Dezember 2011

Parfum ist immer persönlich. PORTJEE ist so ein Parfum. Es ist sogar das persönlichste Parfum aller Zeiten. So ist das nämlich am 30.: Da gibt es maßgeschneiderte Hip Hop-Touren durch die Bronx und Düfte, die in keinem anderen Boudoir stehen. Denn der Flakon ist ein liebevolles Einzelexemplar. Freunde haben ihn mir geschenkt: Stefan und Hanna. Stefan ist ausgebildeter Produktdesigner und sieht nicht nur immer tadelhaft gekleidet aus, sondern steckt in Geschenke und Eigenbauten ähnlich viel Mühe. Das Konzept hinter dem Duft-Flakon stammt von Hanna. Sie erzählte mir, dass es Berlin sei, was sie zur Flakon-Form inspiriert hätte: Die vielen einzelnen Aspekte. Das ewig Unfertige. Das Rohe. Das Schmutzige. Der Dreck auf der Straße. So stammen alle Holzteile von der Straße, aufgesammelt von Kreuzberg bis Mitte. Der Name ist ebenfalls typisch Berlinerisch und kann übersetzt werden mit – wen wundert’s – Portier bzw. Hauswart. Nur der Duft darin, der ist keineswegs schmutzig oder unfreundlich. Sondern sehr floral, ohne lieblich zu sein. Und das Beste: PORTJEE erinnert mich doch glatt an Mama’s Montana.
PS: Stefan entwirft auch für andere. Anfragen leite ich gerne weiter.

Kind, mach doch mal sexy!

27. Oktober 2011

Foto: Screenshot aus Trailer bei youtube.com

Anfang des Jahres monierte ich die Produktion “Cadeaux” (Franz. VOGUE) der Carine Roitfeld, die sich auf die Spuren eines Guy Bourdin begab, und Mädchen im Grundschulalter in lasziver Anmutung inszenierte. Die Öffentlichkeit diskutierte daraufhin eifrig über Freiheit der Kunst versus Schutz des Kindes. Über das, was wirklich im Kopf der jungen Laien-Models vor sich ging, wusste freilich niemand zu berichten. Nun nimmt sich ein Film der Thematik an. Mit autobiografischem Hintergrund. “I am not a f… princess.” läuft seit heute in den deutschen Kinos und zeigt die Geschichte der Eva Ionesco (inzwischen 46 und Regisseurin), die ihrer Mutter, der Fotografin Irina Ionesco, als Kind und Jugendliche in sexuell aufgeladenen Posen Model stand. Über diese Zeit sagt sie in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23.10.2011: “Was mich beunruhigt hat, war, dass andere das, was sie machte, gutzuheißen schienen. Sie hat ja viel Applaus für ihre Fotos bekommen, galt als große Künstlerin. Am Anfang war das natürlich alles sehr unbewusst, aber ab dem Zeitpunkt, an dem ich ein Bewusstsein für meinen Körper entwickelt hatte, habe ich mich gefragt, was das eigentlich für eine abartige Sache ist.” (S. 27) Ob die prominente Anklage derartigen Bildern Einhalt gebietet? Es ist zu hoffen!

Stilvorlage: Dries van Noten Schuhe

11. Oktober 2011

H&M Conscious Collection

Nachmache statt Nachhaltigkeit: H&M schreibt auf seiner Website, man habe sich bei der aktuellen “Conscious Collection” (seit letzter Woche in den Läden erhältlich) von “Ölgemälden und traditionellen schwedischen Kurbitsmalereien” inspirieren lassen. Kommt hin. Nur bei den Schuhen, da hat man wohl ein bißchen zu viel Anregung beim belgischen Designer Dries van Noten gefunden, der über die Jahre eine ganz großartige Absatzform (bei den Pumps) entwickelt hat, und jene erst für dieses Frühjahr teilweise mit vollflächigen Blumendrucken versehen hat. Mal wieder ein klassischer Fall für die Kopier-Schublade. Leider. links: Dries van Noten Spring 2011 (via style.com)