Sweatshirt aus dem Sweatshop

10. August 2010

KIK hat die billigsten Klamotten im ganzen Land – so schreit das Preismännchen mit der Quietschstimme neben der Frau mit der ebenso nervtötenden Tonlage aus der Fernsehwerbung. Ein komplettes Outfit für 30 Euro – inkl. Stoff, Schnitt, Import und Verkauf – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wäre nicht die Faser synthetisch und würden die massenproduzierenden Verhältnisse nicht an moderne Knechtschaft erinnern. Der Preis der Unfreiheit: Ein Aberwitz, um das Lohndumping zu bestehen. Der NDR hat diesen Prozess in seinen Einzelbestandteilen untersucht und ein vernichtendes Zeugnis hinterlassen – in: “Die Kik-Story – die miesen Methoden des Textildiscounters”. Ein Zeugnis, gegen das die Kleidungskette klagte und in den meisten Punkten verlor. Denn KIK lastet sicherlich zu Recht die Büßerrolle an. Würde ja sowieso keiner von uns tragen, das bemüht modische Zeugs. Außer als Karnevalskostüm oder zur Mottoparty. Im Gegensatz zum Trendgaranten Topshop oder den schönen Schweden.

Über diese und jene hat Lucy Siegle nahezu zeitgleich einen Beitrag für den Guardian verfasst: “None of the firms identified this time is a “value” retailer, but they too are in the grip of fast fashion – making on-trend designs mind-bogglingly cheaply and getting them into their stores in days, rather than months. And the real cost continues to be paid by garment workers thousands of miles away.

Es bleiben die weltbewegenden Fragen, ob sich globale Mindestlöhne durchsetzen lassen, wenn damit Schnäppchen keine Schnäppchen mehr sein werden und ob die Fair Trade Klamotten wirklich dem gewünschten Standard entsprechen. Zu wünschen wären alles verbessernde Antworten!

5 Kommentare

  1. Guter Artikel!

    …in H&M Klamotten nehmen die “Made in Bangladesh” (oder Pakistan usw.) in den letzten Jahren in erschreckendem Maße zu…

    von Anni | 10. August 2010
  2. Wir haben auch eine Meinung zu dem Thema.
    Was H&M tut um zu besseren Arbeitsbedingungen und gerechteren Löhnen in Bangladesch beizutragen.

    Die Geschäftsidee von H&M ist es, unseren Kunden Mode und Qualität zum besten Preis anzubieten. Qualität bedeutet bei H&M nicht nur, dass unsere Produkte den Erwartungen der Kunden entsprechen oder sie übertreffen sollen. Qualität bedeutet auch, dass die Produktion unter guten Bedingungen stattfinden und dass unsere Kunden mit uns als Unternehmen zufrieden sein sollen. Verantwortung dafür zu übernehmen, wie Menschen und Umwelt von unserer Geschäftstätigkeit beeinflusst werden, ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung für ein weiteres lukratives Wachstum von H&M. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten in Bangladesch, wo neben vielen anderen Ländern wie etwa China, der Türkei oder Italien Produkte für H&M hergestellt werden. Aktuell steht hier die Frage der Anhebung des Mindestlohns für Textilarbeiter im Mittelpunkt.

    Bereits Anfang des Jahres hat H&M daher auch öffentlich deutlich gemacht, dass wir das Niveau des gültigen Mindestlohns in Bangladesch als zu niedrig betrachten.
    Leider ist der gültige Mindestlohn neben vergleichbaren Kollektivvereinbarungen der einzige verfügbare und allgemeingültige Standard, auf den wir verweisen und dessen Einhaltung wir in unseren regelmäßigen Lieferantenaudits überprüfen können.

    H&M hat daher gemeinsam mit einigen anderen Unternehmen bereits Anfang des Jahres 2010 in einem Brief an die Regierung des Landes deutlich gemacht, dass wir eine deutliche Anhebung des Mindestlohns sowie eine gesetzliche Verankerung einer regelmäßigen Überprüfung des Mindestlohns fordern.

    Am 27. Juli hat die Regierung Bangladeschs eine Anhebung des Mindestlohns für Textilarbeiter angekündigt. H&M betrachtet dies als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Mit der Anhebung des Mindestlohns liegt unser Fokus nun auf der unverzüglichen Umsetzung bei all unseren Lieferanten in Bangladesch. Weiterhin fordert H&M die regelmäßige automatische Revision des gültigen Mindestlohns.

    H&M ist bereits seit 1986 mit einem eigenen Büro in Bangladesch vertreten und wir denken, dass wir durch unsere langfristig ausgerichtete Präsenz bestmöglich zu positiven Veränderungen beitragen können. Die Anhebung der Mindestlöhne betrachten wir daher als sinnvollen Beitrag zu besseren Arbeitsbedingungen und als wettbewerbsneutral. Zahlreiche weitere Informationen über unsere CSR-Arbeit sowie auch zu Projekten speziell in Bangladesch wie etwa ein Trainingsprogramm zur Aufklärung über Arbeitnehmerrechte, das in 2009 über 150.000 Mitarbeiter unserer Lieferenten hier erhalten haben, finden man unter http://www.hm.com/csr oder ganz ausführlich (bislang leider jedoch nur auf Englisch) in unserem aktuellsten Nachhaltigkeitsbericht unter http://www.hm.com/sustainability2009.

    Wir hoffen, mit diesen Informationen Fragen zum Thema beantworten zu können. Für weitere Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung: http://www.hm.com/de
    Mit freundlichen Grüßen
    Euer H&M Team

    von H&M Team | 11. August 2010
  3. Zum H&M Team Kommentar:
    Schade, dass hier kein Name, kein Ansprechpartner steht – schade, dass der Text hier eher ein Pressetext ist. Wunderbar aber der Satz “Wir haben auch eine Meinung zu dem Thema.”

    von mary | 11. August 2010
  4. Ja, das stimmt. Einen (CSR-)Ansprechpartner statt der allgemeinen Domain fände ich auch gelungener. Aber vielleicht funktioniert es ja darüber, dass hier Fragen gestellt werden können (insofern es welche gibt), die das H&M Team beantwortet.

    von Julia Stelzner | 11. August 2010
  5. Schmunzel…über den Pressebericht von H&M. Aber ja, eine schlimme Sache und ich habe die Doku auch gesehen und da gibt es nichts zu beschönigen. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, da ich für Weltfirmen gearbeitet habe und einen Einblick hinter die Kulissen werfen konnte: es ist nicht nur KIK, wenn man die Margen anderer Firmen in Relation zum Herstellerpreis sieht.

    von FashionLifeCoach | 11. August 2010

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