In Tarantinos neuer Filmadaption “Inglorious Basterds” (1977 von Enzo G. Castellari gedreht) geht es um Kriegsspiele im Nazibesetzten Frankreich mit diesen drei Gruppierungen: 1. Die Titelträger, eine jüdische Partisanenkombo unter amerikanischer Führung von Aldo Rain (Brad Pitt). “Ihr Business: Nazis killen und dieses Geschäft boomt”. 2. Die Nazis selbst: Die 3. Reich Oberen Hitler (Martin Wuttke), Goebbels (Sylvester Groth) und Bormann, ein perfider SS-Scherge (August Diehl), ein Superschütze (Daniel Brühl) und der “Judenjäger”, der charismatische, multilinguale Hans Landa aus Österreich (Christoph Waltz, Preis als bester Hauptdarsteller in Cannes). Sowie 3. Eine französische Jüdin, deren Familie von Landas Männern brutal erschossen wurde, und die nun mehr zufällig die Chance bekommt, sich an den Nazis zu rächen.
Womit wir schon beim Sujet des Films wären: der Rache – und darunter lässt sich das Tarantino-übliche Aggressionspotential so treffend subsummieren: Die Nazis haben Juden getötet, auf menschenverachtende Weise und völlig grundlos. Jetzt drehen die Juden (ein Dutzend Bastarde) den Spieß um und töten die Nazis umso bestialischer; sie legen ihnen am Anschluss das Gehirn frei. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Armee gegen Guerilla. Die asymmetrische Kriegsführung hat begonnen und geht ganz klar auf Kosten der Nazis und ihres Haupthaares. Aldo Rain: “I sure as hell, didnt come down from the goddamn Smoky Mountains, cross five thousand miles of water, fight my way through half Sicily, and then jump out of a fuckin air-o-plane, to teach the Nazi’s lessons in humanity.”
Hitler flucht. Am Ende stirbt er gemeinsam mit Goebbels und Bormann im Kino, als er Mitte 1944 einem Heroenfilm über den Superschützen frönt. Und dabei spielen sich der jüdische Racheengel Shosanna (Mélanie Laurent), die Kinobetreiberin, und die Basterds so unbewusst in die Hände, dass man glaubt, sie könnten es vermasseln. Doch die Tötungsphantasien gehen auf. Die Nazis sind doppelt tot: durch die Brandstiftung der französischen Jüdin und die Gewehrsalven der amerikanischen Juden.
Tarantino interessiert sich nun mal nicht für die Geschichtsschreibung, sondern erzählt kontrafaktisch von der Vergeltung, wie sie in Deutschland zwar von einigen Tapferen geplant wurde, aber nie Erfolg hatte. “Inglorious Basterds” ist ein kluger Film und wichtiger für die (Film-)Geschichte als Tom Cruises “Valkyre” oder “Der Untergang” von Oliver Hirschbiegel. Wir Deutschen wissen schließlich nur zu gut, wie der Krieg ausging, aber wie man aus dem Stoff eine durchaus ästhetische Racheorgie macht, weiß nur der Rüpel Tarantino.
Fazit: Der Film muss in der Orginalfassung gesehen werden, denn die Dialoge schießen genauso scharf wie die Krieger. Das internationale Weltkino wird vor allem getragen von seinen deutschen Beteiligten (allen voran Waltz, Brühl und Diehl), aber auch Mélanie Laurent als Shosanna wird im Gedächtnis bleiben, und es ist mir schier unbegreiflich, warum Tarantino sich nicht mit ihr im T-Magazine gezeigt hat (statt mit Diane Kruger) – reiht sie sich doch nahtlos in die Reihe der tätlichen Tarantino-Girls ein.

