Marketing für Obdachlosen

19. März 2009

pimpthisbum Tim ist obdachlos und alkoholabhängig. Er lebt in Houston/Texas unter einer Autobahnbrücke, seit fast fünf Jahren. Was ihn von anderen Obdachlosen unterscheidet: Tim hat seine eigene Website: PIMP THIS BUM, frei übersetzt mit: Motz diesen Penner auf! Hier gibt es ständig aktualisierte Videos aus Tims Leben, eine Livecam und sogar einen Onlineshop mit allerlei T-Shirts. Initiiert wurde das Ganze von einer Internet-Marketing Firma, Ascendgence LLC , deren Website und Portfolio sonst nicht viel bietet, und war eigentlich nur dazu gedacht, potentiellen Neukunden “the capabilities of our fledgling enterprise” zu zeigen. Schnell wurde Pimp this Bum zum Selbstläufer, über 400 000 Besucher zählt die Website heute. Die Pivatspenderliste lässt sich ein ganzes Stück scrollen und eine Klinik spendete eine Suchttherapie für Tim. Wofür? Als Hilfe zur Selbsthilfe! Tim soll natürlich gesund werden und einen Job bekommen. Auch das können die Besucher mitverfolgen. Und allen Kritikern, die sagen allein der Name sei entwürdigend, entgegnet Tim, ihn könne nichts mehr entwürdigen. Und die Macher stellen die Gegenbehauptung auf, dass helpthehomeless.com nie eine solche Reaktion hervorgerufen hätte. Da haben sie verdammt nochmal recht. Was irgendwie auch frustrierend ist. Aber wo die Ableknungen heute so vielfältig sind, muss man wohl genauso über die Nachrichtenfaktoren anlocken wie die Massenmedien es seit langem tun, zum Beispiel Prominenz, Überraschung, Relevanz, Kriminalität, Erfolg.

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