Es gibt Angelegenheiten, die schiebe ich viele Jahre vor mir her. Prokrastination eben. Irgendwann mache ich sie aber doch, einfach um nicht unwissend zu altern. Das war mit Baklava so, dem Dauerlauf oder der Lektüre von Tolstoi. Zu erstem nötigte mich der Hohepriester vor einem griechischen Tempel mit seiner autoritären Darreichung, für die erste halbstündige Jogginganstrengung versprach man mir eine neue, nicht ganz günstige Hose und ich rannte an der belgischen Küste um mein Leben. Und was Tolstoi angeht, überzeugte mich eine gar nicht mal so üble ZDF-Verfilmung davon, “Krieg und Frieden” zu lesen.
Mit dem Yoga verhielt es sich ähnlich. Allen Vorurteilen von hennagefärbten Barfüßlerinnen, laut schnaubenden Schmähbäuchen und einem mir undurchsichtigen Karma-Fanatismus zum Trotz habe ich gestern an einem Kursus teilgenommen. Schließlich handelte es sich dabei nicht um irgendein Yoga, sondern um eine brandheiße Sache: Bikram Yoga bei einer Zimmertemperatur von behaglichen 38 Grad. Wenigstens schön warm, denkst du jetzt? Von wegen! Durch Bangkoks Kanäle tingeln oder im sommerlich humiden New York shoppen zu gehen, kommt dir dagegen vor wie ein Spaziergang Mitte April.
Ich hüpfte nun also im knappesten Outfit, mit Handtuch und einer 2 Liter Wasser Pulle in die Hölle. Bereits nach drei Minuten stellte sich die erste Kurzatmigkeit ein. Doch ein gestärktes Immunsystem, eine Revitalisierung der erschlafften Bauchmuskulatur, eine grazile Körperhaltung, eine bessere Konzentration und nicht zuletzt der Stressabbau – all diese Benefits verspricht das Yoga Studio – nährten mein Durchhaltevermögen ungemein.
So lernte ich also erschreckend laut zu atmen, verbog meinen Körper zu einem Halbmond, Baum, einer Kobra oder Heuschrecke und fühlte dabei mich an die ungeliebte Zeit erinnert, in der man mich der Balletstunden verwies, weil ich kein Spagat konnte, aber anerkannte, dass meine Beine nun doch verhältnismäßig lang seien. Eine schöne Entschuldigung, die ich aber mit Ende 20 nicht mehr geltend mache. Stattdessen will ich auch endlich im Stehen oder Sitzen meine Füße mit den Händen berühren.
Montags und Mittwochs geht es also ab sofort heiß her. Mindestens noch dreimal. Dann ist der Probelauf (10 Tage für 10 Euro) vorbei und ich lerne weiter, mich zu verbiegen oder gehe zu Wing Tsun gegenüber.
Credits: Bikram Yoga Berlin Mitte
Genau da gehen wir heute hin! Man muss ja mal alles ausprobiert haben…
Tatsächlich! Dann schwitzen wir ja bald zusammen, hm?
ich bin stolz auf dich…hoffe du bleibst bei mir yogafreundin.
alle anderen haben nach dem ersten kurs immer neue ausreden parat gehabt
:)
Ich doch nicht. Ich mach dir den Baum auch künftig.
Also 10 Tage für 10 € … Was für ein Schnäppchen! Du bist zu beneiden, ich zahle in Düsseldorf für mein 10er Ticket Poweryoga 130 € !!! Und das ist normal :-/
Ja, aber der “Probelauf (10 Tage für 10 Euro)” ist auch nur das Anfangsschnäppchen, danach kostet eine 10er Karte 120 Euro: http://bikram-berlin.de/preise.htm
ein teures Vergnügen aber es lohnt es sich
(den Baum schaff ich nach 2 Jahren immer noch nicht, das will ich sehen)
[...] Douglas zu kaufen. Ausserdem werde ich am Abend ein nächstes Mal beim Bikram Yoga schwitzen – Julia Stelzner hat ihre ersten Erfahrungen hier niedergeschrieben und ich kann ihren Eindruck nur bestätigen. Tut [...]
Ich muss zugeben, ich werde stets ein wenig neidisch wenn ich von Bikram Yoga höre oder lese. Hier in Essen und leider auch nicht in Düsseldorf gibt es natürlich kein Studio, das Bikram Yoga anbietet. Dabei bin ich mir sehr sicher: das wäre genau mein Sport!