Es folgen zwei Auszüge aus Wallraffs aktuellem Artikel aus dem aktuellen Zeit-Magazin über seine einjährige Feldforschung als Farbiger. Diesmal in Begleitung von einem Kamerateam, das seine Erfahrungen bildlich festhielt und diese Woche als “Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß. Eine Reise durch Deutschland” in den Kinos erscheinen wird. Ich erwarte mir davon auf jeden Fall eine nüchterne Sozialstudie, aber auch ein wenig bitterböse Borat-Satire, die mit Sicherheit einige Klagen nach sich ziehen wird.
“Als die Bootsfahrt beendet ist und ich mich erhebe, sieht sich mein Nachbar veranlasst, mich wie ein Kind zu behandeln. (…) Immerhin stellt er eine persönliche Frage, und das habe ich als Schwarzer in all den Monaten selten erlebt. Ich antworte, dass ich drei Jahre im Goethe-Institut in Daressalam Deutsch gelernt habe. – Ob ich Arbeit habe? – Nein, antworte ich. Da schlägt er mir vor, ich solle es doch als Kuli versuchen, am besten gleich hier: “Rudern, rudern!”, ruft er und zeigt auf das Boot, das wir gerade verlassen haben.”
“Nach dem Spiel besteigen die Fans von Dynamo Dresden ihre Busse. Ich frage, ob ich mitfahren kann. (…) Ein anderer Fan weist auf die geöffneten Gepäckraumtüren des Busses und meint: “Da unten, da bei den Kästen, ist noch Platz, leg dich rein.” Ich spüre, wie sich was zusammenbraut, einige heben die Hand zum Hitlergruß, und ich gehe zum Einsatzleiter der Polizei, der lässig an seinem Wagen lehnt. “Die sind alle hart drauf”, sage ich zu ihm, “die sind alle unheimlich, Faschos.” Seine Antwort: “Ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen.”"