“Exponate im Web” für WELT kompakt

1. Juli 2010

Es folgt mein kleiner Artikel für die Scroll Edition. Schlaue Texte geschrieben haben auch Mahret Kupka über Die Sprache der Mode, Rose Jakobs mit “Rettet unsere Dörfer”, Jessie von lesmads über Cruise Collections & Co. und Carl Jakob Haupt von Dandy Diary über eine PR-Aktion von Moet Chandon.

Zur Präsenz von Museen auf Facebook, Twitter und Flickr
Was haben wir Museen sträflich vernachlässigt, haben sie nur an verregneten Sonntagen besucht. Jetzt ist das Museum unser fester Freund. Und wir halten fast täglich Kontakt. Über Facebook. Mittlerweile versammeln sich Tausende Fans, Friends und Follower um Museen, die sich diese Besucherzahlen monatlich wünschen. Die einzigen Einrichtungen, bei denen diese Gleichung aufgeht, sind die großen amerikanischen Museen. Allen voran das MoMA.
Wie das nun mal so ist mit dem Internet, zog auch der Trend zeitversetzt in Deutschland ein. So verwundert es nicht, dass nun die Online-Agenturen und die Kommunikationsabteilungen der Museen selbst eine Facebook-Fansite, einen Blog oder Twitter als Verkaufsschlager sehen – auf den Marktplätzen des digitalen Gratismarketings.
Ganz vorne in Deutschland platziert sich im Web 2.0 das NRW-Forum aus Düsseldorf. Den Twitter-Account und sogar zwei Profile bei Facebook täglich mit Inhalt zu bestücken, hat sich der Ex-Werber und heutige Museumsdirektor, Werner Lippert, zur Aufgabe gemacht. Und stärkt nach seiner Beobachtung damit die Korrespondenz zu Aktionen und Ausstellungen oder bindet neue wie alte Besucher ans Museum. Eine iPhone-App für die digitale Avantgarde gibt es außerdem.
Auch wenn diese Entwicklung den Museen treue Wegbegleiter verheißt und auf digitalen Pfaden und im Vergleich zum Newsletter oder dem RSS-Feed deutlich elegantere Chancen der direkten Kommunikation bietet, stehen laut Thilo Martini, Organisator des Kongresses “museums and the internet”, viele Museen einer offensiven Webpräsenz immer noch skeptisch gegenüber. Eine Angst, die unbegründet erscheint. Denn selbst wenn online der Eindruck vorherrscht, Museen könnten sich vor Unterstützern nicht retten, sprechen die reellen Besuche und die Subventionssteigerungen von fast 50 Prozent Ende 2009 für halbstaatliche Museen eine andere Sprache.
Der Martin-Gropius-Bau aus Berlin erlebt gerade das Gegenteil: als Außenseiter mit 165 Fans auf Facebook gehört etwa die aktuelle Frida-Kahlo-Schau zu den meistbesuchten. Facebook ist also kein Garant für die Beliebtheit eines Museums. Und das ist auch gut so, weil mitunter sechs Posts täglich sicherlich nicht dem musealen Tiefgang entsprechen. Auch hier sollte in Zukunft – sobald sich der Hype eingependelt hat – ein weniger inflationäres Verhalten und stattdessen “Qualität vor Quantität” gelten. Schließlich ist es doch bei allen Freundschaften dasselbe: Wer zu viel quatscht, wird bei der nächsten Einladung einfach ignoriert.

6 Kommentare

  1. nachdem der text ja nun auch hier steht, nehme ich die einladung natürlich gern an – schon allein deshalb, weil deine reaktion auf meine nachmittägliche erregung so angenehm entspannt ausfiel.

    vielleicht probiere ich es mal so: was ich deinem text als solches übelnehme ist der umstand, dass ihm exakt das fehlt, was ich im rahmen dieses blogexperiments erwartet hatte: eine persönliche meinung, ein klares statement oder zumindest eine inhaltliche linie. und jene erkenne ich beim besten willen immernoch (nach nunmehr fast zehnmaligem durchlesen) nicht. mir ist einfach nicht klar, was du sagen willst und worauf dieser text hinsteuert. um in der metapher zu bleiben: dieser textkahn schlingert irgendwie von einem ufer zum nächsten und am ende bleibt zumindest bei mir nur hängen: aha, museen machen jetzt also auch irgendwas mit facebook – bei manchen klappts, bei manchen nicht. und das finde ich als erkenntnis eben ein bisschen dünn.

    gefreut (aber das ist sicherlich eine sehr subjektive erwartungshaltung) hätte mich ein text, der von eben jenem gropius-beispiel ausgeht und sich die frage stellt: bringt das alles irgendetwas? ausser einem freudigen lächeln des kurators über 300 neue follower, auch wenn die ausstellungen leer bleiben? und noch einen schritt weitergedacht: wie wäre es mit konsequentem verweigern, weil das stammpublikum sich durch diesen anspracheweg eher unangenehm berührt fühlt und potenzielle neubesucher offenbar selbst durch noch so supidupi dauerbefüllte beschallungskanäle nicht kommen wollen? sind die skeptiker vielleicht keine fortschrittsverweigerer, sondern viel bessere kenner ihrer besucher, als jede marketingklitsche? du schreibst, facebook sei kein garant für die beliebtheit eines museums. ich würde eher sagen: beliebtheit ist kein garant für volle häuser. wie auch, wenn nicht einmal tolle ausstellungen viele besucher garantieren…

    seien wir doch mal ehrlich: friend oder follower eines museums zu sein ist doch in 99% aller fälle nichts anderes als ziemlich ekelhafte selbstetikettierung mit kunstsinnigkeit. macht sich doch ganz dekorativ und vermittelt eine schöne prise bildung, so ein profilchen mit lauter hippen kunstaffinen institutionen denen man folgt und die man mit freundschaft überschüttet. gegen diese art der selbstdarstellung habe ich übrigens gar nichts – ich stelle ja auch lieber meine unproblematischen präferenzen in den vordergrund. die grenzen dieses sehr einseitigenn freund & folger-seins dürften trotzdem klar sein: im zweifel ist das einzige was irgendwem folgt ein museum seinen vermeintlichen besuchern -wenn nötig sogar bis in den second-life-sumpf (gottseidank ist diese ära vorbei).

    was du mit “musealem tiefgang” meinst, kann ich ebenfalls nur erahnen, aber wie wärs mit einem spezialtwitter für die extrabemühten museen? doppelte zeichenzahl – tiefgang braucht schliesslich raum….

    mag sein, dass wir die museen sträflich vernachlässigt haben. aber museen brauchen besucher, keine friends und follower.

    beste grüße,
    manierlich

    von manierlich | 1. Juli 2010
  2. Liebe “Manierlich”,

    ach, entspannt bin ich eigentlich immer, deswegen war ich auch verwundert ob deiner verbalisierten Erregtheit. Da muss dir wirklich etwas mächtig übel aufgestoßen sein. Sorry für etwaiges Sodbrennen. Jogurt hilft.

    Aber danke auch für dein ausführliches Feedback, das sich in gewissen Teilen, ja, auch den kritischen, mit meinen 3.000 restlichen Zeichen deckte, bevor ich merkte, dass ich da in einem Anflug der Erregtheit (weil ich dieses Thema wählte, eben weil die marktschreierische Beschallung meinen Argwohn hervorrief) doppelt so viel geschrieben habe, als das, was verlangt war. Letztendlich zog ich es dann aber doch vor, in genau diesem Medium, ein allgemeines Schaubild davon zu liefern, was überhaupt gerade vor sich geht anstatt in die Richterrolle zu verfallen, wie es hier mitunter schon mal vorkommt. Dass ich das durchaus tue in besagtem Text auf dem Prüfstand, verstand manch anderer anders. Eine konsequente Verweigerungshaltung liegt mir in jeder Beziehung fern.

    Übrigens, neben der Tatsache, dass ich früher ziemlich gerne für die Schülerzeitung geschrieben habe (über Meerschweinchen und Movies und so) gehe ich auch gerne und oft ins Museen. Die aktuellen Ausstellungen im Gropius Bau habe ich allerdings noch nicht gesehen. Wenn du Lust hast, können wir gerne zusammen hin und die Diskussion live und direkt zu Ende führen.

    Julia

    von Julia Stelzner | 1. Juli 2010
  3. Ach herrlich. Eine richtige Diskussion! Nein im Ernst. So kommt man doch weiter!!! Auch wenn sich die Meinungen nicht entsprechen, so können doch in Form der Kommentarfunktion beide Seiten – und all jene, die es auch noch interessiert – profitieren! Es freut mich, dass Ihr die “Geschichte” auf diesem Wege ausdiskutiert. Das ist das Gute am Internet… Und wir üben ja auch alle noch ein bisschen, probieren uns aus mit diesem noch recht jungen Medium… Merci!

    von mahret | 2. Juli 2010
  4. (…) ach, es gab eine zeichenbegrenzung für die artikel? das würde dann zumindest erklären, warum die meisten der texte irgendwie zu kurz (nicht gekürzt) wirken. und natürlich würden mich jetzt die der zurechtstutzung zum opfer gefallenen zeichen schwer interessieren. genauso wie der umstand, warum die kommentare bei der welt nach wie vor abgeschaltet sind (was ich abseits der bestätigung meiner meinung zur medienexperimentierenden zeitung für alle teilnehmenden reichlich unhöflich und daneben finde).

    würde ich ein klitzekleines bisschen näher am gropius bau leben, würde ich die debatte sofort unter kahlos strengen selbstportraitaugen weiterführen. da ich aber selbst in einem (twitternden! facebookenden! damn!) museum arbeite, weise ich lieber direkt darauf hin, dass ich zwar durchaus hin und wieder in berlin, gleichzeitig aber auch eine eher unangenehme museumsbeifahrerin bin. dafür hatte ich früher zwei geliebte meerschweinchen namens bernd und bärbel, die aber nie für die schülerzeitung schreiben durften.

    bestes, manierlich

    von manierlich | 2. Juli 2010
  5. Liebe Monierlich,

    jep, es gab eine Zeichenbegrenzung für die Artikel, aber jetzt sag nicht, dass dich das wundert bei einem Printprodukt?
    Natürlich werde ich die übrigen Gedanken hier gerne nochmal zur Verfügung stellen und freue mich schon jetzt auf deine Resonanz.

    Aber hey, du bist doch Expertin, als Angestellte eines Museums. Das erklärt natürlich auch den Umstand, warum dir das so nahe geht – als persönlich Betroffene.

    Und da du deswegen sicherlich Unmengen an Insiderwissen (gepaart mit einer spitzen Zunge, das mag ich besonders) versprichst, wie wäre es mit einem Interview zum Thema?
    Mit mir als eine, die – und das gebe ich hiermit offen zu – mit recht wenig Herzblut angetreten bei der Scroll Edition, weil ihr die anderen Themenvorschläge deutlich besser lagen, aber auch als eine, die ohnehin mit Texten voll bis oben hin war. Ja ja, ehrlich Monierlich, ich gehöre geteert und gefedert in dieser Hitze, dafür dass ich dem Projekt nicht mehr journalistische Rafinesse widmete…

    Doch zurück zum Thema: Ein solches Interview fände ich ganz und gar grandios, nein mehr noch, eine Verheißung.
    Bei Nennung deines Kontaktes schick ich dir gerne eine freundliche Anfrage! Meine findest du hier.

    Es verbleibt gespannt,
    Julia

    von Julia Stelzner | 2. Juli 2010
  6. Ich finde den Text, wenn auch sicher er sich weit entfernt von jeglicher Pulitzerpreisverdächtigkeit bewegt, nicht mal im Ansatz so tragisch oder anstösslich, dass ich die Bissigkeit des ersten Kommentars auf dem “Manierlich” Blog verstehen kann. Mittlerweile hat es sich wohl wieder entspannt..

    von mary | 2. Juli 2010

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