Auf der Suche nach einer potenziellen ehrenamtlichen Nebenbeschäftigung bin ich nach Bahnhofsmission und Diakonie soeben auf die Website der Caritas gestoßen. Die wirbt gerade mit ihrer Kampagne “Soziale Manieren” für einen menschlicheren Umgang mit denjenigen, die in unserer Gesellschaft nicht darüber klagen, dass sie wegen der Rezession nur noch bei H&M einkaufen können, sondern denen es richtig beschissen geht. Weil sie aufgrund von Suchtproblemen, einem Unfall oder Vorstrafen ganz unten ankommen sind.
Und nichts schwieriger ist, als sich wieder hochzuarbeiten – insofern es denn Arbeit gibt. Dabei werden sie von denen, die sich eine solche Situation nicht ausmalen können, noch argwöhnisch beobachtet. Wahrscheinlich weil sie Angst haben selbst abzurutschen, und es so weit von sich schieben.
Wer sich aber tatsächlich interessiert ist, was in den Köpfen von “Obdachlosen, Süchtigen, psychisch Kranken, Häftlingen oder extrem armen Menschen vorgeht, was sie bewegt und womit sie zu kämpfen haben”, der findet auf dem Caritas Blog “Mitten am Rand” die ungeschönte und ungefilterte Wahrheit. Allein … die Tag Clowd liest sich schon wie eine Liste von unseren schlimmsten Albträumen: Armut, Haft, Hartz4, Hunger Streit, Tod, Trauer, Wut…
Auszüge aus den Beiträgen der Sozialhilfeempfängerin Sigrid H. und des Sozialarbeiters Thorsten Bathe:
“Und jetzt schaffe ich es einfach nicht mehr alleine. Ich fühle mich so hilflos, so allein gelassen. Ich weiß im Moment nicht damit umzugehen, dass ich solche Schritte gehen muss. Habe in der Form noch nie um Hilfe gebeten. Ich habe immer hart im Leben gearbeitet und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als um Hilfe zu bitten. Und das Schlimmste für mich, ich muss es einfach machen, denn ich weiß, wenn ich es nicht mache, dann werden wir ziemlich bald untergehen. Und meine Ängste steigen, dass es keine Hilfe geben wird. Mein Gott, und was mache ich dann?”
“Auf dem Ringboden liegend kommt Lorenz der Begriff der „Durchreise“ in den Sinn. Wenn wir irgendwo ankommen in einem Leben, in einem Beruf, bei einem geliebten Menschen, spüren wir Glück. Wir fühlen Liebe und gleichzeitig einen Hauch von Schmerz, weil das Ankommen in dieser Welt immer nur zeitweise sein kann, denn in Wahrheit sind wir auf der Durchreise. Zeugung, Geburt, Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, Pubertät, Erwachsensein, Alter, Greisenjahre, Todesmoment – von einem Übergang zum nächsten. Vor ein paar Tagen ist Lorenz im Krankenhaus gestorben. Zum Ende hat seine Seele doch noch Frieden gefunden. Bei meinem letzten Besuch konnte ich es spüren, als wir uns zum ersten und einzigen Mal umarmt haben. Ein intimer Moment und ein persönliches Geschenk, das mich gerne an ihn denken lässt.”