Wer lernen will, interessantes Interview mit dem Macher hinter Obamas Online-Kampagne auf der Website der WirtschaftsWoche. Hier zwei Auszüge.
wiwo.de: Herr Gensemer, was machte Obama bei seinen Internet-Aktivitäten anders als seine Konkurrenten?
Es ging bei Obama nicht um die Online-Beziehung zu Menschen. Die Online-Aktivitäten dienten als Wegbereiter für Offline-Aktionen. Wir hörten den Leuten zu. Es war kein Modell, in dem sich ein einziger an viele wendete. Es ging immer darum, zuzuhören, was die Leute sagten, und diesen Aktivismus zu verzahnen. Der Großteil unseres Online-Inhalts bestand daraus, was Leute für den Wahlkampf taten. Das wurde zu einem integralen Teil des Wahlkampfs selbst. Es ging nicht um einen Kandidat im Elfenbeinturm, der von der Unterstützung der Leute redete – die Unterstützung der Leute selbst war die Story. (…)
Sie haben eine Menge über die Transparenz von Obamas Wahlkampfteam gesprochen. Ist das eine der Lektionen, die deutsche Politiker von ihnen lernen können: Wenn man heute Wahlkämpfe gewinnen will, muss man offener und erreichbarer sein?
Genau so ist es. Sie müssen Wählern einen Grund geben, sich in den Wahlkampf einzubringen. Und es genügt nicht mehr, nur auf die Führungsqualitäten des Kandidaten zu verweisen. Sie müssen in Beziehungen investieren, sie müssen die Dynamik verstehen. Das ist keine reine Online-Sache, sondern Politik im Zeitalter von 24-Stunden-Nachrichtenkanälen. Es gibt keinen Platz mehr für einen Elfenbeinturm.