Was für Schaumschläger!

15. März 2011

Ich trinke gerne Kaffee. Das ist freilich nichts Ungewöhnliches. Wie so viele andere trinke ich ihn besonders gern am Morgen. Auch das ist eine weit verbreite Sitte, oder vielmehr ein Zwang. Denn ich verlasse eher das Haus, ohne mir die Haare zu kämmen oder meinen Schlüsselbund einzupacken, als ohne vorher einen Kaffee getrunken zu haben oder einen im Thermobecher mitzuführen – mit Milch. Mädchenkaffee.

So gehe ich jedenfalls auf Nummer sicher, keinen dieser aufgeblasenen Milchkaffees für drei Euro aufwärts kaufen zu müssen. Denn wenn ich etwas so schlimm finde wie Zahnpasta mit Lemon-Geschmack, dann ist das Milchkaffee, der zu zwei Dritteln aus aufgeschäumter Milch besteht und überall nur noch Latte Macchiato heißt. Fancy-schmancy und mehr Masse als Klasse. Weil die Milch in 20% aller Fälle (ich relativiere: in meinem Viertel Prenzlauerökoberg in 70% aller Fälle) aus H-Milch besteht, welche ich geschmacklich und gesundheitlich verachtenswert finde (aber ich will nicht zur Redundanz neigen). Vor allem, wenn sie zu Kaffee aus Maschinen serviert wird, bei der kein Cent gespart wurde. Wo bleibt da bitte die ganzheitliche Geschmacksvertretung? Dann lieber guter Filterkaffee. Da bin ich primitiv.

Zurück zum Schaum, denn der funktioniert ja bekanntlich am besten mit H-Milch: Ich hasse Milchschaum! Das weiß auch jedes Café, in dem ich bislang einen Milchkaffee – wenn möglich – mit Biomlich und OHNE Milchschaum geordert habe; und mir dafür schon mal verächtliche Kommentare (“Ob denn Koffein im Kaffee enthalten sein dürfe?! Ja reichlich, du Fuchs!”) eingeholt habe – in einem Stammlokal, von dem ich, ich bin so frei, erwarte, dass sich der “Barristo” (neudeutsch für Kaffeekocher), der immer der gleiche ist, mein müdes Gesicht merkt.

Soll er doch froh sein, dass ich ihn von seiner Mehrarbeit befreie. Alternativ gibt es innovative Schaumgeräte, die das Übernehmen gegen 100 Euro Anschaffungspreis. Hab ich alles schon geschenkt bekommen. Die Freundinnen freuten sich und waren von da an rege zum Sonntagskuchen erschienen. Ästheten mögen jetzt entgegen halten, dass ein Latte Macchiato im Glas besonders schön zur Geltung komme. Kann sein. Aber ich mag Streifen lieber in der Mode, und Fingerkuppen, die nicht rot sind vom Halten der heißen Gläser. Eine bauchige Tasse soll’s stattdessen sein; und Bauch zusammen mit Streifen war noch nie ein schönes Paar.

Übrigens schätze ich Volumenspielereien auch bei der Suppe nicht. Die wird ja in letzter Zeit genauso oft mit dem Pürierstab nochmal kurz vor dem Serviermoment angegangen, um einen Euro mehr zu verlangen. Weil von dieser einfachen Handbewegung die Geschmacksknospen minutenlang zehren sollen. Ist mir persönlich noch nicht aufgefallen. Aber wie gesagt, ich bin da wohl bedürfnislos. Doch die Proklamation “Wider der Milchschaum-Manie”, die lasse ich nicht aus den Augen. Und trink bis dahin weiterhin meinen Milckkaffee ohne viel Schaum im Sloerm zu Rap-Melodien.

6 Kommentare

  1. Ein Tip. Im Fresh an Friends den normalen Kaffee einfach mit Milch bestellen. Kostet Sage und Schreibe nur 1 EUR ist mit Biomilch und echt lecker!

    von mahret | 16. März 2011
  2. Merci, Mahret. Werde ich machen.

    von Julia Stelzner | 16. März 2011
  3. Du sprichst mir aus der Seele. Besonders toll auch Café latte to go, halb Milchschaum, halb Milchkaffee. Den Schaum -wenn man ihn denn mag- kriegt man nie und nimmer ohne Löffel aus dem Becher raus. Manche begehen deshalb auch die Todsünde: Strohhalm zum Latte bestellen. Igitt. Am liebsten ist mir immer noch mein Kaffee daheim: Primitiv aus der Bialetti mit warmer Milch. Und einer Zigarette.

    von Maude | 17. März 2011
  4. Prost, Maude!

    von Julia Stelzner | 18. März 2011
  5. [...] konnte), kam mir die Auswahl an vorzüglichen Coffeeshops, die Milchkaffee stark, mit Vollmilch und ohne Milchschaum (!) servieren, gerade recht. Denn wer eifrig Koffein tankt, für den werden auch die hügelisten [...]

  6. [...] Wie ich bereits einmal sagte: Ich bin, was Kaffee in öffentlichen Kaffeehäusern anbelangt, ein verdammt wählerisches Geschöpf. Der Kaffeemacher von gegenüber verachtet mich dafür, wenn er mit einem Löffel massenweise aufgeblasenen Schaum aus meinen Milchkaffee löffelt. Aber ist doch so: Ich lasse meine Haare ja auch nicht vom Maurer schneiden und will keine Pizza, gebacken von einer Gynäkologin. Ergo verlange ich auch einen Kaffee von jemanden, der sich mit dem Gebräu auskennt – und nicht von der Studentin, die nebenbei nur ein paar Euros verdienen will und den Kaffee viel zu heiß aufbrüht, sodass er bitter schmeckt. Liebe zum Handwerk – muss schon sein. In San Francisco wurde ich dahingehend ja ganz und gar verwöhnt: Ich schwelge immer noch in dichten Kaffee, mit sanfter und zugleich kräftiger Crema und ohne Milchschaumschlägerei. Latte Macchiato ist so letztes Jahrzehnt! Worauf ich nun hinauswill: Ich habe auch in Berlin einen Platz gefunden, dem ich neben dem Lieblingslümmeladen “SLOERM” das Prädikat “einwandfreister Milchkaffee” verleihen kann: das Godshot im östlichen Prenzlauer Berg in der Immanuelkirchstraße 32, Berlin. Dort gibt es drei verschiedene Kaffeesorten (nicht wie im Philz in San Fran über 20; reicht aber völlig), was ich zu Zwecken der Abwechslung sehr goutiere. Der Milchkaffee wird mit Milch aus einem Berliner Naturschutzgebiet gereicht. Außerdem wird ein kleines Kekschen dazu gereicht – eine nette Geste, die irgendwo zwischen verlorenem Kännchen und Sojamilch woanders vergessen worden scheint. Und wer jetzt noch wissen will, wie man so guten Kaffee hinbekommt – kann an einem der Barista-Seminare teilnehmen. Ich wüsste da schon ein paar. Berlin, finest food, Godshot, Kaffee [...]

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