Viktor & Rolf “Dolls” im NRW-Forum

8. Februar 2010

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Am Wochenende erwachte Düsseldorf nach einem langen Winterschlaf zum Leben und initiierte mit “Voices of Fashion” zwei Tage voller Mode- und Kunst-Veranstaltungen, wie ich sie in sechs Jahren nicht erleben durfte.
Unumstritten der Höhepunkt des Terminkalenders: Ausstellungseröffnung und “Fashion + Art Dialogue” im NRW-Forum von und mit Viktor Horsting & Rolf Snoeren, den virtuosen Modeschöpfern aus Amsterdam, die sich während ihres Design-Studiums an der Art- und Designschmiede Arnhem kennen und schätzen gelernt haben. Und seitdem die Modewelt mit spektakulärer Schneidekunst, intelligenter Inszenierung und vollendeter Verspieltheit bereichert haben – erst in Galerien und anderen Kunsträumen, später auf den Laufstegen ihrer Wahl. (…)

viktor-rolf-02 Seit 1998 tummeln sich Viktor & Rolf nun in Couture-Gewässern, wobei ihre Prêt à porter-Schauen nicht weniger leidenschaftlich sind – nehme man die “NO”-Mäntel von 2008/09, die “Bedtime-Stories” von 2005/06 oder die jüngste Tüll-Kollektion (“Cutting Edge Couture” von 2009/10), die in der aktuellen Dazed & Confused gefeatured wird. Genauso unvergessen: Die “Russian Dolls”-Kollektion von 1999, eine Babuschka-Interpretation mit neun Kleidungsschichten, oder die Bluescreen-Schau von 2002/03, bei der auf blauen, spacigen Anzügen Filmsequenzen projiziert wurden – Yves Klein ließ grüßen.

dolls-031 Weshalb dieser Abriss? Nun, weil Viktor & Rolf 70 cm-hohe Porzellanpuppen mit ebenjenen Entwürfen kleiden und damit erneut beweisen, dass Mode nicht nur auf dem Laufsteg oder in Shops stattfindet, sondern genauso, wenn nicht sogar in ihrem Fall zwangsläufig, in der Kunstwelt eine Berechtigung hat. Schließlich handelt es sich bei diesen Kollektionen mehr um Kostüme als um Alltagskleidung. Denn mit einer Geige am Hals oder einem Kissen um den Kopf ein paar Brötchen zu kaufen, verlangt schon eine gewisse Selbstsicherheit ab. Die Ausstellung hätte jedoch meiner Meinung nach in Originalgröße (also auf ca. 180 cm) noch besser funktioniert.

dolls-04 Zuvor fand besagter Art + Fashion Dialogue statt, bei dem der italienische Kurator und Chef der Fondazione Prada, Germano Celant, sich auf Kooperationen von Giacomo Balla, Sonia Delaunay, Piet Mondrian und vor allem die von Salvador Dalí bezog – seiner Meinung nach seltene Synthesen: “Die einzige wirkliche Osmose zwischen Kunst und Mode war wahrscheinlich die zwischen Elsa Schiaparelli und Salvador Dalí. Sonst hat dieser Dialog meist nur dazu geführt, dass Kunst zur Dekoration der Oberfläche der Kleidung benutzt wurde.” (Mehr dazu in einem Interview mit der Monopol)

VIKTOR & ROLF: DOLLS from nrwforumduesseldorf on Vimeo.

Im Anschluss befragte Christiane Arp (VOGUE Deutschland) gemeinsam mit Werner Lippert vom NRW-Forum die Designer, nachdem sie sich – so sah es zumindest von hinten aus – die Fragen erst kurz vor dem Dialog notierte. Zum Beispiel die Eingangsfrage: “Ist es mehr Erfolg oder Belastung, dass Ihre Mode mehr in Museen als an Mann oder Frau zu sehen ist?”. Eine interessante Frage, hätten nicht Viktor & Rolf schon im Sommer 2008 als Gastblogger von The Moment geschrieben: “We consider our catwalk shows to be the actual work we create. Through the medium of the fashion show, we try to communicate. Fashion is our chosen language, the show a performance and the clothes, hair and makeup are actors in the play we continue writing each season.” Und schließlich gibt es ja noch ihre weitaus weniger aufsehenerregende Garderobe wie sie viele der Gäste am Sonntag trugen.

Viktor & Rolf & Julia
… so auch die beiden bebrillten Herren im feinen Zwirn und eine unbekannte Dame im 15 Euro-Fummel. (shot by Roberto from Coûte Que Coûte)

Weitere Berichte bei: LesMads und Modepilot.

Viktor & Rolf: Dolls
6. Februar bis 28. Februar 2010
NRW-Forum Düsseldor
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