Yvan Rodic, besser bekannt als der Facehunter, hat nun auch sein eigenes Bilderbuch: “Die Strasse als Catwalk” (Prestel Verlag) mit über 300 Aufnahmen aus Paris, Berlin, London und natürlich den skandinavischen Ländern, wo ein prägnantes modisches Auftreten zum Tag gehört wie eine Tasse Kaffee. Außergewöhnlich sind sie freilich die Stileigenschaften, die Rodic wohl inszeniert festhält: mit einem Gameboy oder einer Legokette um den Hals, einer Mausmaske auf dem Gesicht oder einer gestrickten Latzhose allover scheint Mann wie Frau gute Chancen zu haben, vom Franko-Schweizer abgebildet zu werden. Begleitet wird das Buch von einigen Zeilen zum Umstand bzw. der Örtlichkeit der Aufnahmen. Im Fall des London Looks: “Man kann in jedem Land Leute entdecken, die versuchen, die Londoner zu kopieren. Aber man wird niemals einen Londoner finden, der die Ästhetik einer anderen Hauptstadt nachahmt.” (S. 286) Es verwundert schließlich einmal mehr nicht, dass die meisten Bilder während der großen Modewochen, auf der Londoner Brick Lane oder in Stockholm Södermalm entstanden – sind diese Örtlichkeiten doch Garanten für exorbitante Hippness.
Natürlich stellt sich beim Betrachten des Bildbandes die Frage, ob Rodics Schaffen bzw. das der Streetstyle-Fotografen per se sowie der Online-Lookbooks in einigen Dekaden als Zeugnis der Modegeschichte der Nullerjahre seine Berechtigung erlangt haben wird. Warum eigentlich nicht? Für den Augenblick ist es bereits eine bekömmliche Dokumentation. Vor allem die Paarbildung von ähnlichen Stilen auf einer Doppelseite macht deutlich, wie schnell modische Momentaufnahmen durch die Transparenz des Internets schnell und überall Anklang und Nachahmer finden.
Rodic greift das in seinem Vorwort als “neue Kreolkultur” auf:
“Die Anhänger dieser Bewegung sind alles andere als Klone oder Globalisierungsopfer. Sie befinden sich vielmehr auf der Suche nach Webseiten wie der meinen, um sich einen internationalen Cocktail aus verschiedenen Stilrichtungen zusammenzustellen. Diese unterschiedlichen Stile werden dabei als inspirierende Anregung und nicht als Vorgaben verstanden, denen man folgen muss. (S. 7)
Fünf Fragen an Yvan Rodic im Zuge seiner Buchsignierstunde vergangene Woche in Berlin (mehr über das Event bei Les Mads) sowie seine Antworten und drei Auszüge aus “Die Strasse als Catwalk” nach:
A question to yourself: Since you are part of the fashion-and-internet-phenomenen, which is actually quite fast-moving: What did you do three years ago and where do you see yourself in three years from now on:
“Before, I lived and worked in Paris as a copywriter and did some freelance jobs afterwards. It’s okay but you have to deal with very boring commercial stuff. If you’ve got the best clients it could be amazing but in average it’s frustrating. You always have a lot of ideas that don’t make it in the end*. But I have no idea where I will be in the next three years. I definitely want to work more on documentary and films or online-tv.”
A question about your work: How much does staging belong to your pictures?
“It’s staged in a way that I try to go to the area that is considered to be the most hip area. I don’t take snapshots. One time I met the person, usually we walk around to find a nice background which sometimes takes 15 minutes to find something appropriate. I don’t want to show real life how it is. I want to take inspiring pictures, so the background is very important to me.”
A question to Berlin: How do you like the “Berlin-style”, since I don’t see a lot of pictures from Berlin in your book?
“There are cool people but it’s not common that they will bring something new, something international. I am not very impressed – to be honest. A lot of people imaginate Berlin to be vintagy and mixed up of everything. That’s kind of a cliché. Berlin is established now, kind of proper, so there’s nothing really spectacular.”
A question concerning style: What do you prefer: People who are not model-like but dressing up like crazy or a very pretty person in something boring like a potato sack?
“To me it doesn’t work that way. The key element is self-confidence and self-awareness. You have to know who you are and to work around your identity. Better not try hard. Ideally, I like some kind of creativity but also elegant, simple clothing, and the combination of these two factors.”
Last question, kind of personal: How do you pay your rent?
“A blog is a business. I got incomes from advertising on my page. And then I collaborate with different brands. I shoot for their projects but more likely real people-shootings than proper fashion photography in a studio. I wouldn’t mind trying but it’s not my main passion to be a fashion photographer. I always want to make my work in a decent way.”
* (Anmerkung der Autorin: Hier spricht der Interviewte der Interviewerin aus dem Herzen)



vielen dank für den guten artikel!!
http://grapefruitprincess.blogspot.com/
schöns interview. seine meinung über berlin und seinen stil hat er ja schon öfter in diese richtung gehend geäußert…. sollte man das jetzt als ansporn sehen etwas zu ändern, oder ist das vielleicht auch etwas berlin-typisches.
http://www.spiegleule.blogspot.com
Ich finde interessant, was der Spiegel in dieser Woche dazu schreibt: Rodic schreibt wohl in seinem Buch, dass Mode selten so individuell war, wie heute. Doch der Spiegel setzt dazu einen gegenteiligen Beweis, Fotos aus verschiedenen Erdteilen, auf denen die Menschen gleich gestylt sind. Schade, dass sich lokale Kleidertradtionen nicht mehr erhalten haben und überall westliche Kleidung zu sehen ist.