Die neuen Fashion Revivals

28. Februar 2010

“In der Mode wenig Neues?” – warum, wie und vor allem wann das kommt, wurde von mir bereits hier eruiert. Julia Werner hat sich nun für die SZ dem Trend der Autozitation gewidmet und ich hätte gerne mehr davon gelesen:

Mode hat streng genommen nur eine Daseinsberechtigung: ihre Neuheit. Modeschöpfer werden deshalb vor allem dann kritisiert, wenn sie immer wieder die längst vergangenen Epochen durchkauen. Von Diors New Look bis zu den Schulterpolstern der 80er Jahre – ewig die gleichen Stilzitate. Doch mit subtilen Verweisen ist es jetzt erst einmal vorbei. Ein Trend des neuen Jahrhunderts ist es, Bestseller völlig ungeniert aus den Mottenkisten zu ziehen und so gut wie unverändert neu aufzulegen. Moschino schickte das berühmte Herzkleid und die legendäre Kettenjacke wieder auf den Laufsteg, Gucci haucht der legendären Bamboo-Bag neues Leben ein, indem sie dem Namen einfach ein “New” vorschiebt. – (J. Werner: Selbstzitate in der Mode, vom 27.01.10)

6 Kommentare

  1. um mal eben groys zu zitieren:
    Das Neue ist unausweichlich, unvermeidlich, unverzichtbar. Es gibt keinen Weg, der aus dem Neuen führt, denn ein solcher Weg wäre auch neu. Es gibt keine Möglichkeit die Regeln des Neuen zu brechen, denn ein solcher Bruch ist genau das, was die Regeln erfordern.

    Er sagt, man kann nicht nicht neu sein. ich denke, das stimmt. denn selbst die absolute kopie neu auf den markt zu werfen, ist neu. weil jetzt.

    von mary | 1. März 2010
  2. Da hast du Recht mit dem Zitat, dass der Kontext per se ein anderer ist.
    Die Frage ist nur, ob es nur die “guten DInge” sind, die überleben, oder anhand welcher Faktoren eben nun ein “Relaunch/Launch” stattfindet. Die Determinante “Emotion”, ob positiv oder negativ, hauptsache es berührt, darf hier nicht vernachlässigt werden.

    von Julia Stelzner | 1. März 2010
  3. Ich denke auf jeden Fall, dass man derzeit ein gewisses Gefühl des “zurück zu den guten alten Dingen” beobachten kann. Sonst hätte Marc Jacobs mit seiner “zurück an den Herd” Kollektion oder Miuccia Prada mit ihrem “zurück an die Schreibmaschine” Look nicht so einen Erfolg – ganz zu Schweigen von der neuerlichen Begeisterung für Margaret Howell. Wir wollen’s wieder authentisch, was es offensichtlich nur früher war. Vielleicht war McQueens aquatischer Avatarfuturelook in Kombination mit den ganzen Zukunftsamazonen von Rad Hourani zu Bruno Pieters ein wenig zuviel des Guten? (ha)

    von mary | 1. März 2010
  4. Ja ja, die kulturellen Rückbezüge sind nicht zu verachten… Um mich ebenfalls selbst zu zitieren: “Mode hat wie alle anderen Designangelegenheiten immer ein historisches Erbe, das es zu ver- und bearbeiten gilt.”
    Denn “weil früher alles besser war” – trägt man dieses Gefühl auch gerne auf der Haut. Und mal ehrlich, habe ich mich gefreut, vor einigen Tagen in eine wiedergefundene Chino zu schlüpfen und mich im geistigen Auge damit auf dreckigen Partys mit Bier in der Hand feiern zu sehen. Es war Freitag abend und ich hatte nicht im geringsten vor, auszugehen!
    Das zum Originären. Denn gleichzeitig feiert ja der weitaus “authentischere” Vintageboom landesweit Verbreitung, aber doch vor allem in Berlin – einer “unsicheren” Stadt mit einem historischen Erbe. Würde man hier McQueens tragen? Eher nein!

    von Julia Stelzner | 1. März 2010
  5. Ich würde! Aber das scheitert an ganz derzeitigen Dingen.

    von mary | 1. März 2010
  6. Dito

    von Julia Stelzner | 1. März 2010

Kommentar schreiben