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In den hiesigen Programmkinos lief “Das weiße Band” von Michael Haneke nicht sehr lange zur Prime Time. Im Ausland hat es eine Goldene Palme und einen Golden Globe kassiert und marschiert stramm gen Oscars. Das deutsche Kino ist ohne Frage mit Filmen wie “Good Bye, Lenin” und “Das Leben der Anderen”, die sich wie “Das weiße Band” mit der ruhmlosen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigen, schon etwas länger schwer in Mode. Quentin Tarrantino zeigte mit den “Inglorious Basterds” seine Interpretation des 2. Weltkrieges und erstmalig konnten alle Nationen darüber lachen.
Michael Haneke greift mit seinem Werk diesen Filmen gegenüber nicht nur temporär gesehen viel weiter zurück (auf die Tage vor Ausbruch des 1. Weltkrieges). Er geht auch deutlich mehr in die Tiefe und gibt damit Auskunft über die Tiefenpsychologie. Oberflächlich betrachtet war der Alltag seiner Protagonisten im bröckelnden Kaiserreich durchaus in Ordnung, ja sogar geordnet bis in die letzten Winkel des familiären Zusammenlebens. Doch hinter verschlossenen Türen geht es mehr als liebevoll zu. Haneke fordert diese Erkenntnis jedoch nicht mit totalen Einstellungen ein. (…)

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Angst verbreiten in “Das weiße Band” nicht die Nazis oder die Stasi, die klassischen, bösen Stereotypen. Angst machen die gewaltgetriebenen und grundlosen Schreckenstaten im Dorf Eichwald, das auf den ersten Blick romantisch wirkt. Hanekes an die Fotos von August Sander erinnernde Schwarz-Weiß-Bildwelt unterstreicht das und ist doch so viel artifizieller als die bekannten Schwarz-Weiß Aufnahmen aus jener Epoche. Es ist keine kindliche Welt, sondern eine kalte, farblose Ansammlung verstummter Individuen.

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Etwas zu lachen gibt es nicht. Stattdessen gibt es Prügel für jede in den Augen der vom Obrigkeitsstaat geprägten Eltern unsittliche Tat. Die Kinder wehren sich dagegen nicht. Für ihre Frustration gibt es keinen Katalysator – oder doch? Erleichtern sie sich tatsächlich in der Gegengewalt? Eine krude Vorstellung, die so unwahrscheinlich gar nicht, denkt man 20 Jahre weiter in die Zeit des nationalsozialistischen Aufstiegs und seiner strammen Gefolgsleute. Aus Kindern werden Erwachsene.
Doch auch das formuliert Haneke nicht vor und hat damit einen der kunstvollsten Kinofilme des letzten Jahrzehnts geschaffen – einen Horrorfilm in Gestalt einer ästhetischen Milieu- und Generationenstudie.
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[...] von Alexi Lubomirski, das mir ausgesprochen gut gefällt. Erinnert wegen Szenerie und Garderobe an “Das weiße Band” und ist dennoch eigenständig bezaubernd. Editorial, [...]