Best-of: Berlin Streetstyles 2012

illu_frank_hoehne
Zitty; 12/2012: Man mag es kaum glauben, doch dieses Jahr hielten sich die sonst so modisch auffälligen Berliner/innen außerordentlich bedeckt. Grund: das Camouflage-Muster marschierte wieder auf. Weniger über der kugelsicheren Weste, als über der weiblichen Brust. Sprich, was als olivegrüner Parka seit den Osterunruhen in Berlin 1968 nicht mehr wegzudenken ist, feierte 2012 bei den jungen Hauptstadt-Damen in Wald- und Wiesen-Optik Rennaissance – der Camouflage-Print. Ob es sich hier um bewusstes Downdressing handelt? Weil Statement-Kette, Céline Trapeze Bag und Glitzer Miu Miu, alternativ die Kenzo-Vans, schon auffällig genug sind? Sicher ist: Military und Mode gehen schon seit Jahrzehnten eine feste Liason jenseits der Laufstege von Jean-Paul Gaultier und Balmain ein. Während in den 70er-Jahren noch Vivienne Westwood und Malcolm McLaren die britische Punk-Bewegung in Uniform-Anleihen einkleidete oder die US-Vorstadtkids der 90er-Jahre sich zu Battle-Raps in Camouflage hüllten, ist das Tarnmuster heute mehr modische Spielerei als militante Attitüde. Auch im pazifistischen Prenzlauer Berg. Statt als jugendlicher Grunge-Fan verschämt durch den Armeeshop zu schleichen, schlendert die Mitdreißigerin heute zum Camou-Kauf zu Urban Outfitters. Denn auch in den bürgerlichsten Kiezen herrscht Krieg. Die Schlachtfelder: Frauenquote, Unisex-Versicherungstarife und der Boxring, in dem sich die jungen Großstadt-Amazonen am Feierabend austoben. Denn ganz ehrlich: die pinken Kostüme der chinesischen Frauensoldatinnen wären uns doch viel zu süß.

Illustration: Frank Höhne