Stockholm Fashion Week: Tag 1

Carine Wester

Interview.de; 08/2012: Bei wenig sommerlichen Temperaturen von um die 9 Grad begann gestern die Mercedes-Benz Fashion Week Stockholm. Als Kronprinzessin Viktoria bei der Show von Fadi el Khoury die Modewoche offiziell eröffnete, wurde aber auch den anwesenden Journalisten und Einkäufern ob des royalen Reizes ganz warm ums Herz. Weitere Highlights liefert unser Rückblick; zum Beispiel die ein oder andere modische Zeitreise in die Vergangenheit.

1. Nhu Doung: Nicht nur wegen der schnellen Elektro-Beats wähnten sich die Besucher bei der Show von Nhu Doung im Techno-Berlin der neunziger Jahre. Ausschlaggebend dafür waren auch die schwarz-weißen Op-Art Reminiszensen bei den Drucken, die locker fallenden Hosenbeine und die Overknee-Gamaschen, die die H&M Stipendiatin und Designchefin des Online-Labels „Nowhere“ in ihre Kollektion einfließen ließ.

2. Ubi Sunt: Ubi Sunt, das schwedische Designerduo mit dem lateinischen Namen, der so viel bedeutet wie „Wo sind sie (geblieben)?“, blieb am Montagmittag seinem Stil treu. Moa Wikman und Aidin Sanati zeigten in dem antiken Ausstellungssaal des Konstnärshuset erneut minimalistische, monochrome Menswear, inspiriert von den 30er Jahren (der lockere Hosenbund) bis heute (der Baseball-Blouson). Überraschend dagegen der funky Abschlusssong zu den eleganten Zweiteilern: LL Cool J’s „Phenomenen“.

3. Whyred: Bereits über ein Jahrzehnt ist Whyred auf dem internationalen Markt vertreten und dürfte mit den Erfolgszahlen auch inzwischen den Beinamen „Indie-Super-Label“ abgelegt haben. Für die Frühjahrs-/Sommer Kollektion 2013 bedienten sich Roland Hjort, Lena Patriksson und Jonas Clason bei den 80er Jahren. So entstanden Whyred-typische, klar konstruierte Kleider und Hosen in V-Form auf Damenseite. Sowie sehr enge, bedruckte Röhrenmodelle für die Herren. Aufgelockert wurden die urbanen New-Wave-Looks von einem intensiven Petrolblau und spitzen Metallic-Brogues. Zur Schau lud Whyred übrigens am frühen Abend auf die Terasse des derzeit angesagtesten (Club-) Restaurants der Stadt, das F12.

4. Carin Wester: Der Publikumsgröße nach zufolge darf die Show von Carin Wester als Tages-Highlight eingeordnet werden. Grund dafür war sicherlich auch, dass Westers Präsentation im Mercedes-Benz-Pavillon frei zugänglich war. Vor allem aber überzeugte die Frauenmode: ein wohldosierter Punk bei ansonsten sehr cleanen Looks, die starke Silhouetten und grobe Materialien kennzeichneten. Denn Wester versieht Rücken- und Armpartien im kommenden Frühjahr mit pointierten Cut-outs. Für die Männer wiederum entwirft Wester entspannt auf Lendenhöhe gerutschte Doppelreiher.

5. Filippa K Woman: Mit Filippa K Woman endete der erste Tag der Stockholm Fashion Week nach 25-minütiger Anfahrt in einem Güterbahnhof. Dort durchschritten die Models die hohe Bogenhalle und trugen dabei graue (Kapuzen-)Shirts zu weit schwingenden schwarzen Röcken, oder aber olivefarbene Fliegerjacken aus Satin und mit geraffter Rückpartie. In die Verlängerung ging es barfuß mit pastellfarbenen, bodenlangen Kleidern in Blassblau, Helllila oder gar in Lachs – der Farbe des Roséweins, der zum Ende der Veranstaltung bzw. des Abends gereicht wurde.

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Foto: Carin Wester by Julia Stelzner