Freunde von Freunden Buch

FvF Buch

Distanz Verlag; 11/2011: Ein Interview-Magazin aus dem Internet wird zum Buch. 28 Berliner kreativ Schaffende in ihren Arbeits- und Lebensräumen werden vorgestellt. Gezeigt wird vor allem der Mensch in seinem privaten Umfeld. Hier wirkt nichts inszeniert, Authentizität und Eigenheiten der porträtierten Personen – darunter viele Trendsetter wie Galeristen, Sammler, Künstler, Fotografen, Illustratoren, Architekten, Ladeninhaber und Unternehmer – stehen im Vordergrund. Freunde von Freunden wurde 2009 als Internetportal von dem Designstudio NoMoreSleep mit einem Team aus Fotografen, Redakteuren, Gestaltern und Netzwerkern gegründet und hat inzwischen monatlich über 150.000 Leser. (via Distanz)

Von den 28 Porträts habe ich folgende 12 Texte verfasst:
Malin Elmlid, Frank Höhne, Christian & Karen Boros, Sarah Illenberger, Christiane Bördner & Marcus Gaab, Thomas & Harriet Andrae, Axel van Exel, Boris Radczun, Conrad Fritzsch, Andrea Willson, Antje Taiga, Olaf Hajek.

Freunde von Freunden Buch

Karen und Christian Boros
Beim Betreten der Boros-Residenz im 1941 errichteten Ex-Reichsbahnbunker in Berlin Mitte offenbaren sich dem Besucher die verschachtelten Gänge aus kahlem Beton. Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg legen hier Zeugnis von einer Zeit ab, die auch aus dem kollektiven Gedächtnis nicht verschwinden soll. Im Herzen des hermetischen Betonkubus befindet sich die Ausstellung von zeitgenössischen Arbeiten aus der Privatsammlung des Agentur- und Verlagsgründers Christian Boros. Ihr wurde Platz geschaffen, indem der ehemals lichtleere, dreitausend Quadratmeter große Bunker von Jens Casper in architektonischer Schwerstarbeit zum offenen Atrium dekonstruiert worden war. Das Penthouse als gläserner Überbau inklusive Pool treibt diese Transparenz auf die Spitze. Hier leben Christian und Karen Boros mit ihrem gemeinsamen Sohn inmitten von Gemälden der Künstlerin Elizabeth Peyton und einer Reihe von Installationen, unter anderem von Olafur Elliasson. Ein Wohntraum, der lange unwahr schien. Inzwischen ist er eine Art Manifest in Berlins historischer Mitte, wo Wandel an der Tagesordnung ist.

Frank Höhne
Frank Höhne lebt mit Frau und Kind in einer Kreuzberger Altbauwohnung. Hier entstehen auch seine Illustrationen. Der Stil ist naiv und gleichzeitig narrativ. Nicht selten mit einem ironischen Unterton; zumindest dann, wenn er einfach einen Stift zur Hand nimmt und darauf loszeichnet, was ihm sein Unterbewusstsein gerade sagt. Auf jeden Fall hat sein Duktus einen hohen Wiedererkennungswert – in Magazinen wie NEON, VICE oder auch Chrismon, dem evangelischen Kirchenmagazin. Eine Erklärung für seine charakteristische Bildsprache hat Frank Höhne nicht. Der Absolvent der Kunsthochschule Weißensee erklärt zum Trotz aller kunsthistorischen Interpretationen: „Eine Darmspiegelung ist für mich achtmal mehr Input als ein Museum für angewandtes Irgendwas.“ Diesen wilden Aktionismus reflektiert letztendlich auch die Einrichtung seiner Wohnung, für die Bleistift-Skizzen, antike Gemälde und kuriose Süßigkeitenverpackungen kennzeichnend sind. Eigentlich bringt es der Aufkleber auf Frank Höhnes Laptop auf den Punkt, was sein Wohn- und Schaffensort sein soll: eine „Gute Laune-Zentrale“.

Conrad Fritzsch
Eigentlich wollte Conrad Fritzsch Tierarzt werden. So wie sein Vater und Großvater. Aber eine Tierhaarallergie machte dem angehenden Veterinär einen Strich durch die Rechnung. Die kreative Alternative: ein Regiestudium in Potsdam, noch zu Zeiten der ehemaligen DDR. Ursprünglich wollte er dem Osten auf diesem Wege entkommen. Doch Conrad Fritzsch blieb Berlin treu und gründete nach einem erfolgreichen Initiativspot für Club Cola kurz nach der Wiedervereinigung eine Werbeagentur. 23 war er da. 14 Jahre später hatte er „genug von Schokoladen- und Bierwerbung“ und verkaufte seine Anteile. Inzwischen zeigt Conrad Fritzsch die Clips von Anderen – bei Tape.TV, dem digitalen Musikfernsehen mit Sitz im beschaulichen Weißensee. Fritzsch selbst lebt in Prenzlauer Berg in einer modernen Penthousewohnung im 7. Stock. Dort behält der Hausherr vor allem in der offenen Küche den Überblick. Denn Koch, das wissen all jene, die seine Gerichte bei einem ausgiebigen, privaten Dinner probieren durften, das hätte der umtriebige Ur-Berliner ebenfalls werden können.

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Fotos: Julia Stelzner, Screenshot freundevonfreunden.de