2009 ist vorbei, over, fini. Dafür bin ich dankbar. Denn es war ein bescheidenes Jahr.
In materieller Hinsicht hatte einzig der Konjunktiv Hochkonjunktur. Dahingegen wurde mit dem Indikativ gegeizt: “Eigentlich hätte ich mir dieses Jahr endlich das Vitra Utensilo gekauft. Überhaupt wäre ich im Sommer ja einen Monat an die Westküste gefahren. Theoretisch würde ich schon mit in diese Bar, in der ein Drink 12 Euro kostet.” Doch wie sagte schon Stromberg so spitzfindig: “Hätte, hätte, Fahrradkette.” War nicht drin. Das Leben ist kein Wunschkonzert. 2009 gab es nur noch Heineken auf dem heimischen Sofa. Freiberufler und Selbstständige fanden sich zum Spaghettikochen zusammen statt im Sushi-Restaurant. Arcandor ging’s noch schlechter.
Man musste zur Kenntnis nehmen, dass selbst The King of Pop nicht unsterblich ist, Patrick Swayze nicht mehr zum letzten Tanz auffordern kann und Britanny Murphy nicht mehr clueless ist, sondern tot. Auch David Hasselhoff ist auf dem absteigenden Ast, mit KIT zu fahren wird zum Sicherheitsrisiko. Take That langweilten wie schon vor 15 Jahren. Und überhaupt kann keiner mehr richtig rappen. Die Helden unserer Jugend sind kaputt. Die Neuen waren auf der Lauer. Sie machten mit blauen Augen von sich reden wie Rihanna oder Hermaphrodit-Anwandlungen wie Lady Gaga. Ich lausche stattdessen den Alben von gestern und stöbere bei youtube nach vergangenen Perlen.
Modetechnisch gesehen fand dieses Jahr auch keine folgenreiche Neuentwicklung statt. Stattdessen wurden eifrig vergangene Dekaden aufgewärmt, solange bis Alexander McQueen im Herbst Schuhe in Mikrowellenformat entwarf und für eine kurze experimentelle Hochzeit sorgte. Dazwischen wurde die Weltkriegsstärke der Frauen in den 40 Jahren in der Breitschultrigkeit der 80er Jahre 2009 im breiten Rahmen wiederauferlebt. Stilikonen waren nicht mehr die verzottelten Boho-Ladies, sondern die adrett-akuraten First Ladies Carla und Michelle, die von den Flugzeugtreppen dieser Welt winken. Monki und Weekday sind The New H&Ms der U30-Generation.
Wahl war ja auch noch. Eine politische Zäsur nach einem enervierenden Wahlkampf. Schwarz-gelb regiert, weil viele rot sahen. Die Wähler schickten die Sozialdemokraten ins oppositionelle Abseits. Obama hat zwar den Friedensnobelpreis gewonnen, aber stagnierte mit der Health Reform und Guantánamo. Die Kämpfe in Darfur gingen dahin ungeachtet weiter. Es gab mehr Obdachlose auf der Straße und weniger Loyalität. So war das schon oft. Machiavellistische Zeiten.
Nächstes Jahr wird alles besser. Good night and good luck!



