Archive for August, 2009

Schurken mit Schmäh: Inglorious Basterds

24. August 2009

In Tarantinos neuer Filmadaption “Inglorious Basterds” (1977 von Enzo G. Castellari gedreht) geht es um Kriegsspiele im Nazibesetzten Frankreich mit diesen drei Gruppierungen: 1. Die Titelträger, eine jüdische Partisanenkombo unter amerikanischer Führung von Aldo Rain (Brad Pitt). “Ihr Business: Nazis killen und dieses Geschäft boomt”. 2. Die Nazis selbst: Die 3. Reich Oberen Hitler (Martin Wuttke), Goebbels (Sylvester Groth) und Bormann, ein perfider SS-Scherge (August Diehl), ein Superschütze (Daniel Brühl) und der “Judenjäger”, der charismatische, multilinguale Hans Landa aus Österreich (Christoph Waltz, Preis als bester Hauptdarsteller in Cannes). Sowie 3. Eine französische Jüdin, deren Familie von Landas Männern brutal erschossen wurde, und die nun mehr zufällig die Chance bekommt, sich an den Nazis zu rächen.
Womit wir schon beim Sujet des Films wären: der Rache – und darunter lässt sich das Tarantino-übliche Aggressionspotential so treffend subsummieren: Die Nazis haben Juden getötet, auf menschenverachtende Weise und völlig grundlos. Jetzt drehen die Juden (ein Dutzend Bastarde) den Spieß um und töten die Nazis umso bestialischer; sie legen ihnen am Anschluss das Gehirn frei. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Armee gegen Guerilla. Die asymmetrische Kriegsführung hat begonnen und geht ganz klar auf Kosten der Nazis und ihres Haupthaares. Aldo Rain: “I sure as hell, didnt come down from the goddamn Smoky Mountains, cross five thousand miles of water, fight my way through half Sicily, and then jump out of a fuckin air-o-plane, to teach the Nazi’s lessons in humanity.”
Hitler flucht. Am Ende stirbt er gemeinsam mit Goebbels und Bormann im Kino, als er Mitte 1944 einem Heroenfilm über den Superschützen frönt. Und dabei spielen sich der jüdische Racheengel Shosanna (Mélanie Laurent), die Kinobetreiberin, und die Basterds so unbewusst in die Hände, dass man glaubt, sie könnten es vermasseln. Doch die Tötungsphantasien gehen auf. Die Nazis sind doppelt tot: durch die Brandstiftung der französischen Jüdin und die Gewehrsalven der amerikanischen Juden.
Tarantino interessiert sich nun mal nicht für die Geschichtsschreibung, sondern erzählt kontrafaktisch von der Vergeltung, wie sie in Deutschland zwar von einigen Tapferen geplant wurde, aber nie Erfolg hatte. “Inglorious Basterds” ist ein kluger Film und wichtiger für die (Film-)Geschichte als Tom Cruises “Valkyre” oder “Der Untergang” von Oliver Hirschbiegel. Wir Deutschen wissen schließlich nur zu gut, wie der Krieg ausging, aber wie man aus dem Stoff eine durchaus ästhetische Racheorgie macht, weiß nur der Rüpel Tarantino.
Fazit: Der Film muss in der Orginalfassung gesehen werden, denn die Dialoge schießen genauso scharf wie die Krieger. Das internationale Weltkino wird vor allem getragen von seinen deutschen Beteiligten (allen voran Waltz, Brühl und Diehl), aber auch Mélanie Laurent als Shosanna wird im Gedächtnis bleiben, und es ist mir schier unbegreiflich, warum Tarantino sich nicht mit ihr im T-Magazine gezeigt hat (statt mit Diane Kruger) – reiht sie sich doch nahtlos in die Reihe der tätlichen Tarantino-Girls ein.
final-melanie-basterd2Tarantino-Kruger TMag

Neulich in Brügge

22. August 2009

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Wenn die belgische Küstenlandschaft einem Tetra Pak ähnelt wegen ihrer dicht aneinander liegenden, geometrischen Appartmentburgen, dann ist die ehemalige Hansestadt Brügge im Zentrum Belgiens eine Kristallflasche. Der mittelalterliche Stadtkern ist einfach allzu pittoresk. Allein die Museen möchte man schon von außen ewig betrachten und der 360 Grad Panoramablick am Marktplatz lässt einen die Touristenmaßen, die bei Regen in die überteuerten Restaurants strömen, vergessen. Zu Recht erhielt so viel beständige Schönheit (keinerlei Kriegsschäden und das nicht unweit vom Atlantikwall) die Titel “Weltkulturstadt” und “Europäische Kulturhauptstadt”. Trés jolie.

Angry Paul

21. August 2009

War Paul Krugman in seiner letzten Times-Kolumne zu Obamas Gesundheitsreform-VORHABEN noch gnädig, indem er die Hürden in den Vordergrund stellte, nannte er gestern die weit kostengünstigere Alternative “nonprofit co-ops” eine Schande: “Unfortunately, the president’s behavior in office has undermined that confidence.”
Mehr dazu hier.

Schmucke Schnäppchen

20. August 2009

schmuck

Meine Damen, es ist manchmal nicht so leicht, richtig gute Schnäppchen zu machen, doch hier kommt eine Option – mehr noch: ein Zwang – antiken Modeschmuck zu erstehen. Zumindest werden alle Kölnerinnen und Ruhrpottpendler nun in die Hände klatschen. Es gibt da nämlich diesen kleinen Laden in der St. Apern Str. 10 (beim Shopping-Epizentrum Ehrenstraße gelegen), in dem es nur so glitzert. Und Broschen- und Kettenunikate aus den vergangenen Jahrzehnten ab 5 Euro vertickt werden. Natürlich heißt es auch hier: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Nicht alles ist seinen Preis wert und die Teile sind allesamt unsigniert, aber wer Zeit und Muse mitbringt, findet bestimmt sein Lieblingsteil. Mein vom Hitzetrip geplagter Kopf ließ sich ein auf multichromatische sechziger Jahre Kracher fürs Ohr (die Tragbarkeit sei nun freilich dahingestellt; wir sprechen hier von historischen Dimensionen) und ein unauffälliges, goldiges Kettchen. Ach ja, schnell solltet ihr sein: Gnä’ Frau hat nur diesen Monat geöffnet.
ohrringeich
Der Trip endete dann bei H&M an der Kasse mit einem Samthaarband mit Glitzersteinchen (7 Euro). Beim Schaulauf zum Altpapiercontainer (Verschwitzt und ohne Make-up. Die Pretiosen müssen reichen) fragte ein Nachbar nach Karneval und ein zweiter weckte Christbaum-Assoziationen. Wie ihr wollt, das nächste Mal trag ich dazu noch meine Ohrringe. Helau und Merry Christmas!

when the rain begins to fall – Jermaine Jackson & Pia Zadora

19. August 2009
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